Microsoft Edge: Mozilla belegt sechs Manipulationsmuster in Windows
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 11:56 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein neuer Bericht der Firefox-Mutter belegt sechs verschiedene „Dark Patterns" in Windows 10 und 11.
Die am heutigen Freitag veröffentlichte Studie „Over The Edge 2.0" dokumentiert, wie Microsoft mit irreführenden Formulierungen, aufdringlichen Hinweisen und visuellen Fallen die Nutzer zum Edge-Browser drängt. Besonders brisant: Selbst wenn Anwender einen anderen Standardbrowser festgelegt haben, öffnen Windows-Suche und die Widgets-Leiste Links weiterhin in Edge. Auch der KI-Assistent Copilot ist so konfiguriert, dass er ausschließlich auf Microsofts eigenen Browser verweist.
Systematische Behinderung der Konkurrenz
Die Forscher identifizierten sechs konkrete Manipulationsmuster. Dazu gehört, dass die Windows-Wiederherstellungsfunktion beim Gerätewechsel häufig die Einstellungen von Drittanbieter-Browsern nicht übernimmt. Zudem erscheinen auf den Download-Seiten konkurrierender Browser regelmäßig Werbebanner für Edge. In manchen Fällen startet Edge sogar automatisch beim Systemboot – ungeachtet der vom Nutzer getroffenen Standardeinstellungen.
Kush Amlani, Mozillas Leiter für globalen Wettbewerb, betont die Dimension des Problems: Mit rund 65 Prozent Marktanteil bei Desktop-Betriebssystemen erreicht Microsoft schätzungsweise 1,4 Milliarden Nutzer weltweit.
Europa als Vorreiter – Rest der Welt benachteiligt
Die Studie testete die Praktiken in Indien, den USA, Großbritannien und Deutschland mit ernüchterndem Ergebnis: Nur in der Europäischen Union wurden bestimmte Manipulationen entfernt oder abgemildert – eine direkte Folge des Digital Markets Act (DMA). Während Copilot in den USA und Indien standardmäßig Datenweitergabe aktiviert, ist diese Funktion im EWR standardmäßig deaktiviert.
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Mozilla fordert nun, die in Europa geltenden fairen Standards weltweit anzuwenden. Bereits im Juni 2026 hatte die Browser Choice Alliance – ein Zusammenschluss unter anderem von Google und Opera – einen offenen Brief an Microsoft-CEO Satya Nadella geschickt. Das Bündnis warf dem Konzern vor, mit unfairen Methoden die Nutzung des hauseigenen Browsers zu erzwingen.
Windows-Updates zwischen Fortschritt und Kritik
Parallel zu den Vorwürfen arbeitet Microsoft an technischen Verbesserungen. In den neuesten Insider-Builds vom 16. Juli zeigt der Konzern eine aufgeräumtere Suchoberfläche mit weniger Bing-Inhalten sowie eine „Cloud-Reparatur"-Funktion für die Systemwiederherstellung. Auch eine verschiebbare Taskleiste und reduzierte Copilot-Werbung in Apps wie Notepad sind in der Erprobung. Ein stabiler Release wird für Herbst 2026 erwartet.
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Der Juli-Patch (KB5101650) brachte zudem eine neue Registry-Richtlinie namens „AutoAcceptSsoPermission". Sie erlaubt Administratoren von Entra-ID-Geräten im EWR eine effizientere Verwaltung von Single-Sign-On-Zustimmungen. Ab September 2026 sollen Passkeys zum Standard-Authentifizierungsverfahren für Entra-ID werden.
Doch die grundsätzliche Kritik bleibt. Firefox, DuckDuckGo und Vivaldi haben kürzlich bei der EU-Kommission einen Antrag eingereicht. Sie fordern einen Rechtsrahmen, der datenschutzfreundlichen Browsern erlaubt, Tracking-Schutz standardmäßig zu aktivieren. Die aktuellen Cookie-Zustimmungsdialoge auf Website-Ebene würden die Mehrheit der Nutzer nur frustrieren, so die Argumentation.
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