Musiktraining: Studie sieht zehn Jahre spĂ€teren RĂŒckgang beim Sprachverstehen
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Verstehen von gesprochener Sprache in lauter Umgebung zÀhlt zu den zentralen Herausforderungen des alternden Gehörs. Eine Untersuchung des All India Institute of Speech and Hearing (AIISH Mysore), die im April 2025 im Fachblatt Journal of Otology erschien, liefert vertiefende Einblicke in diesen Prozess.
Den Ergebnissen der Forscher zufolge könnte ein kontinuierliches Musiktraining den altersbedingten RĂŒckgang bei der Sprachwahrnehmung im StörgerĂ€usch (Speech Perception in Noise, SPiN) um etwa zehn Jahre verzögern.
Vergleich von Musikern und Nicht-Musikern ĂŒber mehrere Dekaden
FĂŒr die Untersuchung verglich das Institut zwei Kohorten miteinander: 75 Musiker und 75 Nicht-Musikern. Die Altersspanne der Testpersonen erstreckte sich von den 10er- bis in die 50er-Jahre. Voraussetzung fĂŒr die Teilnahme war bei allen Probanden ein unauffĂ€lliges Ergebnis im Standard-Hörtest.
Bei der klassischen ĂberprĂŒfung des reinen Tonhörens sowie der Funktion des Innenohrs stellten die Forscher des AIISH Mysore keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen fest. Das basale Hörvermögen ĂŒber die Tonaudiometrie verhielt sich bei den Musikern und den musikalisch nicht aktiven Personen auf vergleichbarem Niveau.
Vorsprung bei der Sprachwahrnehmung im StörgerÀusch
Abweichungen zeigten sich jedoch bei den komplexeren audiologischen Anforderungen. Bei der Sprachwahrnehmung unter dem Einfluss von StörgerĂ€uschen schnitten die Musiker ĂŒber alle untersuchten Altersgruppen hinweg besser ab als die Nicht-Musikern.
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Besonders deutlich traten die Differenzen im mittleren Lebensalter zutage. WĂ€hrend bei den Nicht-Musikern bereits ab den 40er-Jahren ein starker RĂŒckgang der FĂ€higkeit zu verzeichnen war, Sprache aus HintergrundgerĂ€uschen herauszufiltern, setzte dieser markante Abfall bei den Musikern erst ab den 50er-Jahren ein. Aus diesem zeitlich versetzten Verlauf leiteten die Wissenschaftler die Verzögerung des Funktionsverlusts um rund ein Jahrzehnt ab.
EinschrÀnkungen durch das Querschnittsdesign
Trotz der deutlichen Tendenzen verweist das AIISH Mysore auf methodische Limitationen der Untersuchung. Da es sich um ein Querschnittsdesign handelte und keine langfristige Beobachtung derselben Individuen ĂŒber Jahrzehnte hinweg stattfand, ist ein kausaler Schutzeffekt durch das Musizieren nicht abschlieĂend bewiesen.
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FĂŒr eine gesicherte BestĂ€tigung der Hypothese, ob und in welchem Umfang das aktive Musizieren neuroakustische Abbauprozesse im Gehirn bremst, bedarf es weiterer prospektiver Langzeitstudien. Die vorliegenden Daten geben der audiologischen Forschung jedoch wichtige Ansatzpunkte fĂŒr das VerstĂ€ndnis kognitiver Hörleistungen im Alterungsprozess.
