NahrungsergÀnzung, Mediterrane

NahrungsergÀnzung: Mediterrane ErnÀhrung schlÀgt Pillen um 30%

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 22:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachleute sehen bei vielen PrĂ€paraten fĂŒr Gesunde keinen belegten Nutzen und warnen vor Überdosierungen, Wechselwirkungen sowie falscher Anwendung.

NahrungsergÀnzung: Studien zeigen Grenzen und Gesundheitsrisiken
Ein hölzerner Tisch mit frischen, gesunden Lebensmitteln wie Tomaten und Oliven im natĂŒrlichen Licht. Illustration mit AI erstellt.

Ob Multivitamin-Tabletten, Kollagenpulver oder hochdosiertes Vitamin D: NahrungsergĂ€nzungsmittel erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit. Gleichzeitig mehren sich in Fachkreisen und wissenschaftlichen Untersuchungen die Zweifel daran, wie wirksam und sicher viele dieser frei verkĂ€uflichen PrĂ€parate tatsĂ€chlich sind.

FĂŒr gesunde Personen mit ausgewogener ErnĂ€hrung bieten sie selten messbare Vorteile und können in bestimmten Dosierungen oder Kombinationen sogar gesundheitliche Risiken bergen.

Kaum echter Mangel bei gesunden Erwachsenen

Nach EinschĂ€tzung von Prof. Hans Hauner von der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen und dem Else Kröner-Fresenius-Zentrum fĂŒr ErnĂ€hrungsmedizin belegen bundesweite ErnĂ€hrungsstudien in Deutschland, dass nur wenige Bevölkerungsgruppen tatsĂ€chliche nĂ€hrstoffbedingte MĂ€ngel aufweisen. Relevante Defizite betreffen demnach vor allem Jod, Vitamin B12, mehrfach ungesĂ€ttigte FettsĂ€uren sowie Vitamin D in den Wintermonaten.

Große Studien zeigen zudem, dass Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E und Beta-Carotin keinen nachweisbaren Nutzen fĂŒr die Herzgesundheit erbringen.

Hauner verweist darauf, dass Omega-3-FettsĂ€uren beziehungsweise FischölprĂ€parate das Risiko fĂŒr Vorhofflimmern erhöhen können, wĂ€hrend eine ĂŒbermĂ€ĂŸige Zufuhr von Vitamin E mit einem gesteigerten Risiko fĂŒr Herzinsuffizienz einhergeht. Deutlich wirksamer sei dagegen eine ErnĂ€hrungsumstellung: Eine mediterrane Kost senkt das Herz-Kreislauf-Risiko um rund 30 Prozent.

Grenzen von Multivitaminen und Kollagen

Multivitamine gelten weltweit als das meistverkaufte NahrungsergĂ€nzungsmittel; acht von zehn Erwachsenen greifen regelmĂ€ĂŸig zu diesen Produkten. Daten aus der Physicians' Health Study II sowie Analysen der Cochrane Collaboration verdeutlichen jedoch, dass Multivitamine bei gesunden, gut ernĂ€hrten Menschen weder das Herz-Kreislauf- noch das Krebsrisiko senken und auch die Lebenserwartung nicht steigern.

Ein erhöhter Bedarf an MikronĂ€hrstoffen wie Magnesium, Zink, Vitamin D und B-Vitaminen besteht vor allem bei Personen mit mehr als acht Stunden Training pro Woche, Athleten im Kaloriendefizit, vegan oder vegetarisch lebenden Menschen, Personen ĂŒber 60 Jahren sowie bei medizinisch diagnostizierten MangelzustĂ€nden.

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Auch das Marktsegment fĂŒr Kollagen wĂ€chst rasant. Laut Daten von Fortune Business Insights belief sich das weltweite Marktvolumen fĂŒr Kollagen-NahrungsergĂ€nzungsmittel im Jahr 2025 auf 4,5 Milliarden US-Dollar und könnte sich bis 2034 nahezu verdoppeln. Die körpereigene Kollagenbildung sinkt zwar ab dem 25. Lebensjahr, was sich zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr optisch bemerkbar macht.

Eine Übersichtsarbeit von 23 Studien stellte jedoch fest, dass ausschließlich herstellerfinanzierte Arbeiten positive Effekte belegten, wĂ€hrend unabhĂ€ngige Untersuchungen keinen Nutzen zeigten. Zudem verbietet die EuropĂ€ische Union gesundheitsbezogene Werbeaussagen fĂŒr Kollagen, und ein echtes pflanzliches Kollagen existiert biologisch nicht.

Der Sportwissenschaftler Dr. Thorben Aussieker von der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe betont, dass Kollagen die Hautprotein-Neubildung nicht stĂ€rker angeregt habe als Vergleichsbehandlungen. FĂŒr den Muskelaufbau sei Molkenprotein deutlich ĂŒberlegen.

Mögliche Vorteile fĂŒr Sehnen zeigten sich, wenn ĂŒberhaupt, nur in Kombination mit gezieltem Training bei uneinheitlicher Studienlage. Tagesdosen von fĂŒnf bis zehn Gramm Kollagen blieben bislang immerhin ohne dokumentierte negative Begleiterscheinungen.

Risiken durch Überdosierung und Wechselwirkungen

Dass eine unbedachte Einnahme auch unerwĂŒnschte Folgen haben kann, betonen Pharmazeuten wie Apotheker Palvinder Deol. So kann Magnesium die Aufnahme bestimmter Antibiotika, von Osteoporose-Medikamenten sowie des SchilddrĂŒsenhormons Levothyroxin beeintrĂ€chtigen. Hochdosiertes Curcumin birgt Gefahren fĂŒr ein erhöhtes Blutungs- und Nierensteinrisiko.

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Johanniskraut wiederum schwĂ€cht oder verĂ€ndert die Wirkung von Statinen, BlutverdĂŒnnern, Krebstherapien sowie Antidepressiva und kann ein Serotonin-Syndrom begĂŒnstigen. Auch Kalium in Salzersatzprodukten stellt fĂŒr Menschen mit Nierenerkrankungen oder unter Blutdruckmedikation ein Risiko dar.

Probleme zeigen sich auch bei der Dosierung frei verkĂ€uflicher PrĂ€parate. Die ÜberprĂŒfung von 23 Vitamin-D-PrĂ€paraten durch Öko-Test ergab, dass lediglich sechs Produkte uneingeschrĂ€nkt empfohlen werden konnten. Von vier getesteten TropfenprĂ€paraten schnitt nur ein Produkt gut ab, namentlich die HĂŒbner Vitamin-D3-Tropfen mit 800 Internationalen Einheiten pro Tropfen.

Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung empfiehlt als Höchstmenge 800 Internationale Einheiten tĂ€glich. Produkte wie Doppelherz pure Vitamin-D3-Tropfen mit 2000 Einheiten und Vigantolvit mit einer Herstellerempfehlung von 4000 Einheiten fielen im Test wegen deutlicher Überdosierung durch.

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