Nahrungsergänzung, Deutschen

Nahrungsergänzung: Zwei Drittel der Deutschen nehmen regelmäßig Supplemente

27.06.2026 - 21:50:55 | boerse-global.de

Der Supplement-Markt in Deutschland wächst rasant auf 4,3 Milliarden Euro. Zwei Drittel der Bürger nutzen regelmäßig Präparate, während Experten vor Überdosierung warnen.

Nahrungsergänzungsmittel-Boom: 4,3 Mrd. Euro Marktvolumen 2026
Nahrungsergänzung - Eine elegante Glasflasche mit Nahrungsergänzungsmitteln steht auf einer weissen Fläche, dahinter verschwommen ein Apothekenregal. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

2026 erreicht das Volumen rund 4,3 Milliarden Euro – bei 415 Millionen verkauften Packungen. Das ist fast eine Verdopplung innerhalb weniger Jahre: 2022 lag der Absatz noch bei 241 Millionen Einheiten.

Zwei Drittel der Deutschen greifen regelmäßig zu Supplementen

Das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung hat sich grundlegend gewandelt. Rund zwei Drittel der Bundesbürger nehmen inzwischen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel. Eine Erhebung aus dem Jahr 2025 zeigte: Sogar 77 Prozent der Befragten nutzen entsprechende Präparate.

Vitamine und Mineralstoffe dominieren den Markt. Sie machen 48 Prozent des Umsatzes und 63 Prozent des Absatzes aus. Spitzenreiter ist Magnesium mit 75,3 Millionen verkauften Packungen. Dahinter folgen Vitamin C (35,6 Millionen), Multivitaminpräparate (29,7 Millionen) und Vitamin D (25,5 Millionen).

Drogerien bleiben führend – Online-Handel holt auf

Der stationäre Handel verteidigt seine Spitzenposition. Drogeriemärkte kommen auf einen Marktanteil von 45 Prozent. Der Online-Handel legt jedoch kräftig zu und erreicht inzwischen 22,5 Prozent.

Experten warnen vor unnötiger Einnahme

Trotz der hohen Absatzzahlen bleiben Fachinstitutionen skeptisch. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sehen für gesunde Erwachsene mit ausgewogener Ernährung keinen Bedarf. Eine gezielte Ergänzung empfehlen sie nur in bestimmten Lebenssituationen:

  • Vitamin B12 bei veganer Ernährung
  • Folsäure bei Kinderwunsch
  • Jod während der Schwangerschaft
  • Vitamin D bei diagnostiziertem Mangel

Die Gefahren einer Überdosierung sind real. Zu viel Vitamin D kann Nierenverkalkungen auslösen, überschüssiges Eisen Organschäden verursachen. Schon ab 300 Milligramm Magnesium drohen Nebenwirkungen wie Durchfall.

Anzeige

Ob Vitamine oder Mineralstoffe – wer Supplemente nutzt, sollte seine tatsächlichen Werte kennen, um gefährliche Überdosierungen zu vermeiden. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report hilft Ihnen, Ihre Laborwerte selbst zu verstehen und Vitalstoffmängel gezielt zu erkennen. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos herunterladen

Neue Studien liefern differenzierte Ergebnisse

Die Forschung zeigt ein gemischtes Bild. Eine Analyse in Nature Metabolism untersuchte Glucosamin bei Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen. Daten von über 66.000 Probanden deuteten auf ein um 25 Prozent höheres Demenzrisiko innerhalb von fünf Jahren hin. Ein kausaler Zusammenhang gilt jedoch als nicht bewiesen.

Positivere Signale kommen aus der Immunforschung. Eine Pilotstudie in Aging Cell zeigte potenzielle Vorteile von Spermidin für ältere Menschen. Nach täglicher Einnahme über 13 Wochen und einer COVID-19-Impfung fanden sich tendenziell höhere Antikörperspiegel. Größere klinische Studien stehen aber noch aus.

Öko-Test deckte zudem ein Problem bei Vitamin-B12-Präparaten auf. Das BfR empfiehlt eine Tageshöchstmenge von 25 Mikrogramm. Viele Produkte im Handel sind deutlich höher dosiert. Nur wenige Arzneimittel können einen klinisch relevanten Mangel tatsächlich ausgleichen.

Anzeige

Wenn die kognitive Leistung nachlässt, greifen viele zu Supplementen, doch Experten raten eher zu gezieltem Training und der richtigen Strategie. Entdecken Sie in diesem Gratis-Ratgeber 11 praktische Alltagsübungen und Ernährungstipps, mit denen Sie Ihr Gehirn bis ins hohe Alter fit halten. Kostenlosen Gehirntraining-Ratgeber sichern

Apothekenreform bringt Umbruch

Apotheken spielen eine zentrale Rolle bei der Versorgung mit Gesundheitspräparaten. Doch der Sektor steht vor einem erheblichen Wandel. Für Sommer 2026 ist eine Apothekenreform geplant, die das Leistungsspektrum erweitern soll. Künftig könnten Apotheken verstärkt Impfungen, Blutentnahmen und Injektionsschulungen anbieten.

Gleichzeitig schrumpft die Branche. 2025 schlossen bundesweit 502 Apotheken. In den vergangenen 13 Jahren verschwand statistisch gesehen jede fünfte Betriebsstätte. Branchenvertreter protestierten im Frühjahr 2026 gegen eine chronische Unterfinanzierung. Sie fordern höhere Honorare für verschreibungspflichtige Medikamente, die nach aktuellen Planungen stufenweise bis 2027 steigen sollen.

Diese strukturellen Veränderungen könnten langfristig auch die Verfügbarkeit und Beratungskompetenz bei Nahrungsergänzungsmitteln im stationären Fachhandel beeinflussen.

de | wissenschaft | 69642200 |