Nickerchen und Demenz: Johns-Hopkins-Studie findet 48 Prozent höheres Risiko
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 00:24 Uhr | Redaktion boerse-global.deWissenschaftliche Berichte und Studien weisen zunehmend darauf hin, dass ausreichender Schlaf sowie gezielte kurze Nickerchen am Tag das Gehirnvolumen positiv beeinflussen können.
Diese Ruhephasen tragen dazu bei, die kognitive LeistungsfĂ€higkeit aufrechtzuerhalten und die langfristige Gehirngesundheit zu unterstĂŒtzen. Gleichzeitig zeigen vertiefende Analysen, dass VerĂ€nderungen der Schlafgewohnheiten wichtige Hinweise auf neurodegenerative Prozesse liefern können.
Nickerchen am Tag und das Demenzrisiko
Im Rahmen einer 10-Jahres-Studie der Johns Hopkins University, veröffentlicht in den Journals of Gerontology, untersuchten Forscher 995 Medicare-Versicherte im Alter ab 65 Jahren, die zu Studienbeginn im Jahr 2013 keine Demenz aufwiesen.
Die Auswertung zeigte, dass Personen, die an den meisten Tagen oder tĂ€glich ein Nickerchen machten, ein um 48 Prozent höheres Demenzrisiko hatten als jene, die selten oder nie tagsĂŒber schliefen.
Unbeabsichtigtes Einschlafen wÀhrend des Tages war mit einem um 39 Prozent höheren Demenzrisiko verbunden, wÀhrend Nickerchen von maximal 30 Minuten Dauer mit einem um 40 Prozent höheren Risiko einhergingen.
Bei Schlafphasen am Tag von mehr als 30 Minuten fiel der Zusammenhang nach BerĂŒcksichtigung der nĂ€chtlichen SchlafqualitĂ€t unklarer und abgeschwĂ€chter aus. Nach dem statistischen Ausschluss von DemenzfĂ€llen in den ersten fĂŒnf Jahren verlor der Zusammenhang bei kurzen Nickerchen von höchstens 30 Minuten seine statistische Signifikanz, blieb in der Gesamtschau jedoch bestehen.
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Eine ursĂ€chliche Wirkung belegt die Untersuchung nicht. Seniorautor Adam Spira von der Johns Hopkins University betonte, dass vermehrtes Nickern tagsĂŒber eher ein frĂŒhes Anzeichen fĂŒr beginnende HirnverĂ€nderungen darstellen könnte als deren Ursache.
Fachleute raten daher nicht dazu, tagsĂŒber krampfhaft wach zu bleiben; anhaltende TagesschlĂ€frigkeit sollte stattdessen medizinisch abgeklĂ€rt werden, um mögliche Auslöser wie Schlafapnoe oder Medikamentenwirkungen zu prĂŒfen. Nach Angaben der UniversitĂ€t leben in den USA derzeit etwa 6,9 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, wobei sich diese Zahl bis zum Jahr 2060 verdoppeln könnte.
NĂ€chtliche Entsorgungsprozesse und strukturelle Gehirnalterung
Neben kurzen Ruhephasen am Tag spielt die nĂ€chtliche Regeneration eine zentrale Rolle fĂŒr die Gewebestruktur des Gehirns. Wie die Cleveland Clinic darlegt, arbeitet das glymphatische System insbesondere in der N3-Tiefschlafphase mit maximaler Effizienz, um Abfallstoffe wie Beta-Amyloid und Tau-Proteine aus dem zentralen Nervensystem zu entfernen.
In diesem Stadium weitet sich der interzellulĂ€re Raum im Hirngewebe um 60 Prozent aus, was den Fluss der Gehirn-RĂŒckenmarks-FlĂŒssigkeit erleichtert. Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil des Tiefschlafs und verkĂŒrzt damit diese nĂ€chtliche Reinigungszeit.
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Eine Untersuchung der UniversitĂ€t Berkeley in der Fachzeitschrift Cell beschreibt zudem, dass neuronale Schaltkreise des Hypothalamus im Tiefschlaf die AusschĂŒttung von Wachstumshormonen anregen; mehr als 70 Prozent der tĂ€glichen Menge werden in diesen Phasen abgegeben.
Die langfristigen Folgen unzureichenden Schlafs verdeutlichte eine schwedische MRT-Analyse in der Fachzeitschrift BioMedicine an ĂŒber 27.000 Personen mittleren Alters: Probanden mit schlechten Schlafgewohnheiten wiesen ein Gehirnalter auf, das im Schnitt ein Jahr ĂŒber ihrem chronologischen Alter lag.
Als beitragende Faktoren gelten chronische EntzĂŒndungsprozesse mit niedriger IntensitĂ€t, die rund 10 Prozent dieses Effekts erklĂ€ren, sowie BeeintrĂ€chtigungen des kardiovaskulĂ€ren Systems und der nĂ€chtlichen Abfallentsorgung.
Richtwerte fĂŒr gesunden Schlaf
Nach Angaben der Nationalen Autonomen UniversitĂ€t von Mexiko (UNAM) fĂŒhrt dauerhafter Schlafmangel nicht nur zu Risiken wie Hypertonie, Adipositas und Diabetes, sondern steht auch direkt mit Volumenverlusten im Gehirn sowie EinbuĂen beim Reaktions- und Denkvermögen in Verbindung.
FĂŒr gesunde Erwachsene empfiehlt die American Academy of Sleep Medicine eine Schlafdauer von sieben bis neun Stunden pro Nacht, wĂ€hrend fĂŒr Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren acht bis zehn Stunden als Orientierungswert gelten.
