Nokia und NVIDIA: AI-RAN-Plattform verspricht 50% mehr Effizienz
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 00:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der finnische Netzwerkausrüster Nokia und der US-Chipriese NVIDIA haben die erste kommerzielle KI-native Funkzugangsplattform (AI-RAN) vorgestellt. Die neue Technologie verspricht eine drastische Effizienzsteigerung – und könnte den Weg für 6G ebnen.
Die am Dienstag vorgestellte Plattform kombiniert Nokias anyRAN-Software mit NVIDIAs Aerial-Plattform. Statt auf herkömmliche Spezialchips zu setzen, nutzt das System handelsübliche Grafikprozessoren (GPUs), um sowohl Funkaufgaben als auch KI-Anwendungen zu bewältigen. Das ist ein grundlegender Wandel in der Netzwerkarchitektur.
Effizienzsprung von über 20 Prozent
Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Erste Tests zeigen eine Steigerung der spektralen Effizienz um mehr als 20 Prozent. Nokias Fahrplan sieht bis 2027 eine Verbesserung um 50 Prozent vor – und bis 2028 soll sich die Kapazität sogar verdoppeln. Das entspricht einem Effizienzgewinn von über 100 Prozent.
Hintergrund des technologischen Sprungs ist der steigende Datenhunger. Künftige 6G-Netze benötigen eine völlig neue Hardware-Generation, die mit den heutigen Speziallösungen nicht mehr zu realisieren sei, so Nokia.
Strategischer Schwenk weg von eigener Hardware
Die Kooperation markiert eine strategische Kehrtwende bei Nokia. Bisher setzte der Konzern vor allem auf kundenspezifische Chips von Partnern wie Marvell. Künftig setzt man auf NVIDIAs Standard-Hardware – sogenannte Merchant Silicon.
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„Die hohen Anforderungen künftiger 6G-Netze erfordern GPU-basierte Hardware, die eine längere Lebensdauer bietet als aktuelle Speziallösungen“, erklärte ein Nokia-Sprecher.
Bestehende Partnerschaften werden nicht vollständig aufgegeben. Marvell liefert weiterhin Chips für Massive-MIMO-Antennen. Allerdings dürfte dies die letzte Generation dieser speziellen Technologie sein, räumten Nokia-Verantwortliche ein.
Trotz der Hightech-Komponenten sollen die neuen Systeme nicht teurer werden als bisherige Lösungen. Auch der Stromverbrauch bleibe auf vergleichbarem Niveau.
Drei Wege ins Netz
Nokia bietet Netzbetreibern drei verschiedene Einsatzmöglichkeiten:
- AirScale-Plug-in: Eine Einschubkarte für bestehende Nokia-Basisstationen
- Eigenständiger AI-RAN-Knoten: Ein dediziertes Gerät für Hochleistungs-KI und Funkverarbeitung
- Cloud-native COTS-Lösung: Softwarebasierte Systeme auf handelsüblichen Servern
Die Plattform wird künftig als Software-Abonnement angeboten. Mehrere große Netzbetreiber sind bereits eingestiegen: T-Mobile US, Deutsche Telekom, Orange, Vodafone, BT, SoftBank und NTT DOCOMO.
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In Südkorea wurde SK Telecom ausgewählt, um den ersten kommerziellen AI-RAN-Pilotversuch des Landes zu leiten. Der Fokus liegt auf industriellen Anwendungen in petrochemischen Anlagen und Fabriken – über die nächsten zwei Jahre.
Milliardendeal und Kursrallye
Der Launch ist das Ergebnis einer tiefgreifenden finanziellen und technischen Integration. NVIDIA hatte im Oktober 2025 eine Milliarde Euro in Nokia investiert. Seither geht es für die Finnen steil bergauf: Die Nokia-Aktie legte im ersten Halbjahr 2026 um rund 90 Prozent zu.
Die Analysten von Dell‘Oro Group prognosticieren der AI-RAN-Technologie zwischen 2026 und 2030 kumulierte Umsätze von über 35 Milliarden Euro. Allerdings warnen sie: Die Technologie steigere zwar die Effizienz und ermögliche neue KI-gestützte Dienste, werde den Gesamtmarkt für Funkzugangsnetze aber nicht wesentlich vergrößern.
Wettbewerb mit Ericsson
Nokia steht nicht allein auf dem Feld. Der schwedische Konkurrent Ericsson verfolgt einen anderen technischen Ansatz und setzt auf anwendungsspezifische integrierte Schaltkreise (ASICs). Ericsson hat bereits mehr als 15 Live-Einsätze seiner eigenen KI-in-RAN-Lösungen gemeldet.
Die Pilotprojekte der Nokia-NVIDIA-Plattform sollen Ende 2026 abgeschlossen sein. Die vollständige kommerzielle Verfügbarkeit ist für 2027 geplant.
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