Ordnung, Wechseljahren

Ordnung in den Wechseljahren: La Ordenatriz rÀt zum Ausmisten statt Neukauf

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Expertinnen empfehlen schrittweises EntrĂŒmpeln; Umfragen zeigen zugleich, dass Unordnung im Haushalt oft Streit auslöst.
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Raum mit leeren, ordentlichen Regalen und einer ruhigen AtmosphÀre. Illustration mit AI erstellt.

Praktische Ordnungssysteme können in Umbruchphasen des Lebens fĂŒr spĂŒrbare Entlastung sorgen. Die spanische Ordnungsexpertin Begoña PĂ©rez, bekannt als La Ordenatriz, empfiehlt Frauen in den Wechseljahren um das 50. Lebensjahr herum, das eigene Zuhause gezielt zu vereinfachen.

Ihr Ansatz lautet, ÜberflĂŒssiges konsequent zu entfernen und AblĂ€ufe zu verschlanken. FĂŒr Frauen in dieser Lebensphase sei ein freies Schubfach oft wertvoller als ein neues Auto. Vor der Anschaffung neuer Ordnungssysteme oder Boxen solle stets zuerst das bestehende Mobiliar komplett ausgerĂ€umt werden.

Auch bei HaushaltsgerĂ€ten rĂ€t PĂ©rez zur ZurĂŒckhaltung: Ein Heißluftfrittierer könne bei kleinen Portionen Zeit und Energie gegenĂŒber dem Backofen sparen. Vor jedem Kauf sollten Verbraucher jedoch kritisch hinterfragen, wie oft das GerĂ€t tatsĂ€chlich zum Einsatz kommt und ob die spĂ€tere Reinigung nicht zusĂ€tzlichen Aufwand verursacht.

Strukturierung in schwierigen Lebensphasen

Dass Ă€ußere Ordnung kein Allheilmittel ist, aber in schwierigen Zeiten Orientierung bieten kann, betont auch die Ordnungsexpertin Esther Torras in ihrem Buch ĂŒber die Signale von Unordnung.

Anhaltendes Chaos deute hĂ€ufig auf emotionale Überlastung, fehlende Routinen oder unklare PrioritĂ€ten hin. Sie unterscheidet vier typische AusprĂ€gungen: die ĂŒberlastete Frau, die nach außen hin perfekt wirkt, ererbte GegenstĂ€nde von verstorbenen Angehörigen, unordentliche Jugendzimmer sowie Minimalisten, die die Kontrolle verloren haben. Torras selbst habe die strukturierte Organisation des Haushalts geholfen, eine Krebserkrankung eines ihrer Kinder durchzustehen.

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Die Psychologin Petra Jagow verweist darauf, dass den meisten Menschen das Aussortieren schwerfalle, da viele weit mehr GegenstĂ€nde besitzen als nötig. Dinge könnten Macht ĂŒber ihre Besitzer gewinnen und Druck erzeugen. Das Schaffen von Ă€ußerer Ordnung stĂ€rke nach belastenden Einschnitten wie einer KĂŒndigung die persönliche Selbstwirksamkeit.

Psychologische Barrieren und gezieltes Ausmisten

Aus Sicht der Psychologin Eva Wlodarek erscheint das Wegwerfen oft wie das schmerzhafte EingestĂ€ndnis einer Fehlinvestition oder basiert auf der vagen Hoffnung, Dinge spĂ€ter noch zu nutzen. Wlodarek empfiehlt daher, in kleinen Schritten vorzugehen, etwa mit einem einzelnen Regalbrett oder einer TĂŒte pro Monat.

Fragen nach Schönheit, Nutzen und Freude an einem Gegenstand erleichtern die Auswahl. Nicht mehr benötigte Kleidung könne durch Anprobieren bewertet werden; ungenutzte StĂŒcke ließen sich probehalber fĂŒr ein Jahr in einem Koffer verstauen und bei Nichtbeachtung entsorgen.

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Besonders sensibel ist der Umgang mit NachlĂ€ssen. Nach einem Todesfall sei die Briefbindung an persönliche Dinge hoch, weshalb Angehörige das Ausmisten aufschieben sollten, bis die akute Phase der Trauer abgeklungen ist. Bei anhaltender HandlungsunfĂ€higkeit bieten Trauerbegleiter, WohlfahrtsverbĂ€nde oder psychologische Beratungsstellen UnterstĂŒtzung.

RealitÀt und Konflikte im hÀuslichen Alltag

Gleichzeitig muss Unordnung nicht immer auf schlechtes Management hinweisen. Eine Untersuchung der Auckland University of Technology unter Leitung von Jamal Abarashi an 22 Haushalten ergab, dass temporĂ€re Unordnung Alltagsaufgaben sogar erleichtern kann. Drei Strategien dominieren im Alltag: wegrĂ€umen, tolerieren oder verstecken. Sichtbare GegenstĂ€nde auf Esstischen oder KĂŒcheninseln dienen vielen Bewohnern schlicht als praktische GedankenstĂŒtze.

Dass die RealitĂ€t in WohnrĂ€umen dennoch oft zu Spannungen fĂŒhrt, belegt der Wohnmonitor von Ikea Schweiz und dem Institut Sotomo, fĂŒr den im April 2410 Personen befragt wurden. Fast zwei Drittel der Befragten fĂŒhlen sich demnach nur in einer aufgerĂ€umten Wohnung wohl.

KĂŒche (86 Prozent) und Wohnzimmer (76 Prozent) sind meist am besten organisiert, wĂ€hrend Keller (29 Prozent) und AbstellrĂ€ume (21 Prozent) die grĂ¶ĂŸten Probleme bereiten. Drei Viertel aller Haushalte besitzen eine sogenannte Chaos-Schublade.

Zudem ist Ordnung eine hĂ€ufige Ursache fĂŒr Streit: 56 Prozent der Befragten berichten von mindestens monatlichen Spannungen. 65 Prozent der MĂ€nner gehen davon aus, die AufrĂ€umarbeit werde gleichmĂ€ĂŸig geteilt, wĂ€hrend 57 Prozent der Frauen die Hauptlast bei sich sehen.

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