Oxytocin-Nasenspray: Studie zeigt 48 Prozent weniger akute Stressreaktionen
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 00:17 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Gabe von Oxytocin ĂŒber ein Nasenspray vor der Narkoseeinleitung kann bei Patienten mit traumatischen KnochenbrĂŒchen das Auftreten akuter Stressreaktionen deutlich verringern. Dies geht aus einer randomisierten, doppelblinden Studie hervor, die in der Fachzeitschrift JAMA Internal Medicine veröffentlicht wurde.
Untersucht wurden 328 erwachsene Patientinnen und Patienten am General Hospital of Western Theater Command im chinesischen Chengdu. Jeweils zehn Minuten vor der Einleitung der AnÀsthesie erhielten 164 Teilnehmende 40 Internationale Einheiten (IE) Oxytocin intranasal, wÀhrend die Kontrollgruppe aus ebenfalls 164 Personen ein Placebo verabreicht bekam.
Signifikante Reduktion akuter Stresssymptome
Nach drei Tagen zeigte sich bei den mit Oxytocin behandelten Personen eine spĂŒrbare Entlastung: Im sogenannten Stanford Acute Stress Reaction Questionnaire fielen 15,9 Prozent (26 Betroffene) der Oxytocin-Gruppe positiv auf, verglichen mit 30,5 Prozent (50 Betroffene) in der Placebogruppe. Dies entspricht einer Differenz von 14,6 Prozentpunkten und einer relativen Verringerung um rund 48 Prozent. Die Autoren wiesen darauf hin, dass dieser Fragebogen als Screening dient und keine klinische Diagnose darstellt.
Neben dem Fragebogen spiegelten auch biologische Marker den verminderten Stress wider. Bei den Probanden der Oxytocin-Gruppe wurden niedrigere Werte von Cortisol und Malondialdehyd im Speichel gemessen.
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Keine statistisch signifikanten Unterschiede traten hingegen beim postoperativen Schmerzempfinden, beim Schmerzmittelverbrauch oder bei der kognitiven LeistungsfÀhigkeit auf. Schwere Nebenwirkungen wurden im Rahmen der Untersuchung nicht registriert.
Limitationen und offene Fragen zur Langzeitwirkung
Trotz der positiven Ergebnisse weist die Untersuchung methodische Grenzen auf. Die Beobachtungsdauer war auf 72 Stunden begrenzt, die Studie wurde an einem einzelnen Zentrum durchgefĂŒhrt und es lagen keine psychologischen Ausgangsdaten der Probanden vor dem Unfall vor. Auch Aussagen zu einer möglichen Entwicklung posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) lassen sich aus den Daten nicht ableiten.
In einem begleitenden Editorial forderte Balachundhar Subramaniam von der Harvard University deshalb gröĂere und lĂ€nger angelegte Studien. Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Metaanalyse zum Thema hatte zudem uneindeutige Ergebnisse erbracht.
Relevanz von Trauma und Vorerkrankungen im Alter
Die Vermeidung psychischer Traumafolgen spielt in der Unfallchirurgie eine wachsende Rolle, da Verletzungen hÀufig gravierende Folgen nach sich ziehen. In einer im Journal of Affective Disorders erschienenen Untersuchung von Sabrina Sghirripa an der Adelaide University berichteten 87 Prozent von 745 befragten Personen im Alter von 50 bis 86 Jahren von mindestens einem direkten Trauma.
Der Forscherin zufolge erleben 70 bis 90 Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens ein potenziell traumatisches Ereignis. Eine höhere kognitive Reserve war in der Erhebung mit geringeren PTBS-Symptomen und besserer Kognition nach einem solchen Ereignis assoziiert.
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Welche Risiken Frakturen insbesondere fĂŒr Ă€ltere Generationen bedeuten, verdeutlicht eine Dissertation von Erika Olofsson an der UniversitĂ€t UmeĂ„, die am 20. November verteidigt werden soll. In Schweden erleiden jĂ€hrlich etwa 17.000 Menschen eine HĂŒftfraktur, der GroĂteil davon im höheren Alter.
In einer Teilstudie mit 1.277 Hochbetagten starben 47,8 Prozent der Betroffenen innerhalb des ersten Jahres nach dem Knochenbruch. Eine weitere Teilstudie mit 404 Patienten ab 70 Jahren zeigte zudem, dass Demenz â allein oder in Verbindung mit Depressionen â mit einer höheren Sterblichkeit einherging, wĂ€hrend eine Depression ohne Demenz keinen statistisch signifikanten Zusammenhang aufwies.
Olofsson betonte, dass Risiko, Sterblichkeit und die oft von Fortschritten und RĂŒckschlĂ€gen geprĂ€gte Erholung nicht allein vom chronologischen Alter, sondern wesentlich vom physischen und psychischen Allgemeinzustand abhĂ€ngen.
