Perimenopause, Alzheimer

Perimenopause und Alzheimer: NIH fördert Forschung mit 3,4 Millionen Dollar

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 09:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine fĂŒnfjĂ€hrige NIH-Förderung ermöglicht die Untersuchung, wie hormonelle VerĂ€nderungen in der Perimenopause mit Alzheimer-AnfĂ€lligkeit zusammenhĂ€ngen.

Rosalind Franklin University erhĂ€lt 3,4 Millionen Dollar fĂŒr Alzheimer-Forschung
Mikroskopische Aufnahme neuronaler Netzwerke und synaptischer Verbindungen im menschlichen Gehirn. Illustration mit AI erstellt.

Die Rosalind Franklin University erhĂ€lt eine fĂŒnfjĂ€hrige Förderung der US-Gesundheitsbehörde NIH ĂŒber 3,4 Mio. US-Dollar, um den Zusammenhang zwischen hormonellen VerĂ€nderungen in der Perimenopause und der AnfĂ€lligkeit fĂŒr die Alzheimer-Krankheit zu erforschen.

Das Forschungsteam widmet sich der Frage, wie die hormonellen UmbrĂŒche der Wechseljahre neuronale Prozesse und die GehirnaktivitĂ€t verĂ€ndern. Daten der Alzheimer's Association verdeutlichen den geschlechtsspezifischen Unterschied bei der Erkrankung: Das lebenslange Alzheimer-Risiko ab einem Alter von 65 Jahren liegt bei Frauen bei 1 zu 5, wĂ€hrend es bei MĂ€nnern 1 zu 10 betrĂ€gt.

ZellulÀre Mechanismen im Hippocampus im Fokus

Im Rahmen des geförderten Projekts analysiert das Team der Rosalind Franklin University gezielt den Hippocampus, eine fĂŒr das GedĂ€chtnis zentrale Hirnregion. Die Forschenden untersuchen dort verschiedene Zelltypen, die neuronale Kommunikation sowie potenzielle VerknĂŒpfungen mit typischen pathologischen VerĂ€nderungen von Alzheimer. Die Arbeiten sollen aufklĂ€ren, auf welchen Wegen hormonelle Schwankungen biologische Prozesse im Gehirn beeinflussen.

Dass die Menopause messbare Spuren im Körper hinterlÀsst, belegen auch Veröffentlichungen in Fachjournalen. Wie Nature Reviews Neurology in einem Bericht vom 9. Oktober 2026 darlegte, zeigte eine Untersuchung an 80 Frauen im Alter von 35 bis 60 Jahren ohne menopausale Hormontherapie deutliche Verschiebungen von Blutproteinen.

Betroffen waren Prozesse rund um EntzĂŒndungen, Synapsen, den Stoffwechsel sowie Alzheimer-relevante Signalwege. Die beobachteten Muster hingen demnach stĂ€rker mit den Sexualhormonen als mit dem biologischen Alter zusammen.

Validierungen in weiteren Kohorten verknĂŒpften dieses Menopause-Proteom mit ungĂŒnstigeren kognitiven Werten, wobei die Befunde reine ZusammenhĂ€nge und keinen Kausalnachweis darstellen.

Proteom-VerÀnderungen und kognitiver Abbau

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Parallel dazu identifizierte eine in Nature Medicine veröffentlichte Studie der University of California, San Francisco (UCSF) an 80 Frauen im Alter von 40 bis 59 Jahren insgesamt 16 Blutproteine, deren Konzentrationen sich wÀhrend der Wechseljahre verÀnderten. Wie Berichte vom 9. Oktober 2026 zusammenfassen, korrelierten diese Werte ebenfalls stÀrker mit Hormonwerten als mit dem Lebensalter.

BestĂ€tigt wurden diese Resultate an mehr als 2.800 Frauen aus der UK Biobank. Bei fast 12.000 Ă€lteren Frauen aus vier weiteren Studien erwiesen sich höhere Werte als assoziiert mit schlechteren GedĂ€chtnisleistungen. Zudem ging ein höherer Menopause-Proteomik-Score mit einem um 15 % höheren Risiko fĂŒr Alzheimer-Demenz einher, wobei auch hier kein ursĂ€chlicher Nachweis erbracht wurde.

Einen zeitlichen Aspekt beleuchtete eine im Journal JAMA Network Open veröffentlichte Langzeitstudie mit 2.603 Frauen, die zu Studienbeginn durchschnittlich 78 Jahre alt waren und ĂŒber meist rund sieben, teils bis zu 18 Jahre beobachtet wurden.

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Ein frĂŒherer Beginn der Menopause war darin mit einem schnelleren geistigen Abbau, insbesondere des episodischen GedĂ€chtnisses, und einer frĂŒheren Alzheimer-Diagnose verknĂŒpft. Laut Modellberechnung entsprach eine um zehn Jahre frĂŒhere Menopause 1,8 Jahren weniger ohne Alzheimer.

Bei 778 Teilnehmerinnen dokumentierten MRT-Aufnahmen zudem schnellere VerĂ€nderungen der weißen Hirnsubstanz: Eine um fĂŒnf Jahre frĂŒhere Menopause könnte nach zehn Jahren rechnerisch mit rund 15 % mehr VerĂ€nderungen einhergehen. Eine direkte Ursache konnte jedoch auch in diesen Untersuchungen nicht nachgewiesen werden.

Einordnung zum Einsatz von Hormontherapien

Vor dem Hintergrund dieser ZusammenhĂ€nge betonen medizinische Fachleute den differenzierten Umgang mit HormonprĂ€paraten. Eine menopausale Hormontherapie wird nicht zur Vorbeugung von Demenz, Herzinfarkt oder Diabetes empfohlen, und Behandlungen sollten jĂ€hrlich ĂŒberprĂŒft werden.

Bei gesunden Frauen unter 60 Jahren, deren letzte Periode weniger als zehn Jahre zurĂŒckliegt und die unter belastenden Beschwerden leiden, könne der Nutzen einer Hormontherapie die Risiken ĂŒberwiegen.

FachĂ€rzte verweisen dabei auf Nutzen-Risiko-AbwĂ€gungen: In einem Rechenbeispiel erkranken ohne Hormone bis zu 14 von 1.000 Frauen im Alter von 50 bis 54 Jahren im betrachteten Zeitraum an Brustkrebs; bei einer fĂŒnfjĂ€hrigen Östrogen-Gestagen-Therapie seien es bis zu 17 von 1.000, was drei zusĂ€tzlichen FĂ€llen entspricht. Zudem erhöhen Östrogentabletten das Thromboserisiko, wĂ€hrend dieses bei der Anwendung von Pflastern, Sprays oder Gelen geringer ausfĂ€llt.

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