REM-Schlaf, Minuten

REM-Schlaf: 48 Minuten mehr pro Nacht hÀngen mit weniger Erkrankungen zusammen

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 22:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verknĂŒpfen Schlafphasen und Erinnerungsverarbeitung mit kognitiver Leistung sowie Risiken fĂŒr verschiedene Erkrankungen.
Ein sanft beleuchtetes, ruhiges Schlafzimmer bei Nacht mit einfallendem Mondlicht, das Schatten auf ein ungemachtes Bett wirft. Illustration mit AI erstellt.

WĂ€hrend des Schlafs schaltet das menschliche Gehirn keineswegs ab. Die Schlafforschung zeigt vielmehr, wie nĂ€chtliche Prozesse und TrĂ€ume fortlaufend dazu beitragen, Erlebnisse des Alltags zu verarbeiten, und welche zentrale Rolle der Schlaf fĂŒr das GedĂ€chtnis spielt.

Das Gehirn bleibt aktiv und durchlĂ€uft verschiedene Etappen in Zyklen, die meist zwischen 80 und 100 Minuten dauern, jedoch variieren können. Schlaf unterstĂŒtzt dabei, Informationen systematisch zu organisieren und dauerhaft zu konservieren, was fĂŒr LernvorgĂ€nge und Erinnerungsvermögen grundlegend ist.

ZellulÀre Steuerung und GedÀchtniskonsolidierung

Besondere Bedeutung kommt den unterschiedlichen Schlafphasen zu. TrĂ€ume treten vor allem im REM-Schlaf auf, in dem sich die Augen schnell bewegen und die meisten Muskeln vorĂŒbergehend entspannt bleiben, um Bewegungen nicht physisch auszufĂŒhren. Dieser Phase wird zudem die Verarbeitung von GefĂŒhlen sowie die Entstehung kreativer Ideen zugeschrieben.

Auf zellulÀrer Ebene identifizierten Forschende um Feng in einer Untersuchung an MÀusen mittels Einzelzell-Transkriptomik und Faserphotometrie hippocampale GABAerge Interneurone mit dem inhibitorischen Acetylcholin-Rezeptor CHRM2. Diese Neurone sind bevorzugt im NREM-Schlaf aktiv und regulieren schlafabhÀngige Sharp-Wave-Ripples sowie die GedÀchtniskonsolidierung.

Gleichzeitig bestimmt der emotionale Gehalt von Erinnerungen die Schlafstruktur: Eine im Fachjournal Science veröffentlichte prĂ€klinische Untersuchung an MĂ€usen ergab, dass die Reaktivierung negativer GedĂ€chtnis-Engramme ĂŒber Hippocampus-Amygdala-Schaltkreise den Körper aktiv in die Wachheit treibt.

Die Reaktivierung positiver Erinnerungen fördert dagegen die NREM-SchlafkontinuitÀt. Unter chronischem Stress verstÀrkte sich dieser Effekt. Wurde die Reaktivierung experimentell blockiert, stellte sich der normale Schlaf wieder her, was belegt, dass Schlafstörungen direkt an die GedÀchtnisverarbeitung gekoppelt sind.

HirnaktivitÀt, Alterung und kognitive Leistung

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Wie sich neuronale Muster im Lebensverlauf verĂ€ndern, untersuchte eine Studie der University of California, Berkeley. Bei gesunden jĂŒngeren Erwachsenen Anfang 20 wandern langsame Wellen im Tiefschlaf in Clustern ĂŒber grĂ¶ĂŸere Hirnareale. Bei Ă€lteren Personen zwischen Mitte 60 und Mitte 70 treten sie hingegen kĂŒrzer und isolierter auf.

Ablagerungen von Tau-Proteinen waren mit mehr solchen isolierten Wellen assoziiert. Teilnehmende mit mehr isolierten Wellen erinnerten am Morgen weniger Wortpaare. Bei spÀteren Nachuntersuchungen ging ein Anstieg von frontalem Tau mit einer schlechteren Koordination der langsamen Wellen und einer verringerten nÀchtlichen GedÀchtnisretention einher, wenngleich ein Kausalnachweis noch aussteht.

Grundlegende Mechanismen der Informationsweiterleitung analysierten zudem Forschende der UniversitĂ€t TĂŒbingen. Im vorderen Thalamus der Maus reagieren Kopfrichtungszellen nicht nur auf die Ausrichtung des Kopfes, sondern mit kurzer Latenz auch auf Sinnesreize wie Töne oder die BerĂŒhrung eines Tasthaars. Diese gesteigerte AktivitĂ€t trat auch bei Erregung und sozialen Kontakten auf, was auf eine Funktion dieser Zellen als Eingangsknoten fĂŒr Sinnes-, Aufmerksamkeits- und GefĂŒhlsinformationen in das episodische GedĂ€chtnis hindeutet.

Weitreichende gesundheitliche Folgen

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Die SchlafqualitĂ€t wirkt sich auch direkt auf die körperliche Gesundheit aus. Eine Analyse der UniversitĂ€t Peking von Daten von rund 100.000 Teilnehmenden der UK Biobank zeigte, dass etwa 48 Minuten mehr REM-Schlaf pro Nacht mit einem verringerten Risiko fĂŒr 83 Erkrankungen einhergingen.

Dazu zĂ€hlten RĂŒckgĂ€nge beim Parkinson-Syndrom um 80 Prozent, bei Multipler Sklerose um 52 Prozent, bei Demenz um 46 Prozent und bei Herzinsuffizienz um 26 Prozent. Umgekehrt erhöhte eine Schlafdauer von ĂŒber acht Stunden das Depressionsrisiko um 60 Prozent, wĂ€hrend Schlafdauern unter sechs Stunden das Herzinsuffizienzrisiko um 30 Prozent steigerten.

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