REM-Schlaf-Störung: 80 Prozent erkranken binnen zehn Jahren an Parkinson
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deExzessive SchlĂ€frigkeit am Tag oder auffĂ€llige motorische Reaktionen wĂ€hrend der Nachtruhe werden bei Ă€lteren Menschen hĂ€ufig als unvermeidbare Alterserscheinung fehlinterpretiert. Fachmediziner warnen jedoch davor, solche PhĂ€nomene vorschnell abzutun: VerĂ€nderte Schlafmuster und Parasomnien können frĂŒhe Indikatoren fĂŒr vaskulĂ€re SchĂ€den sowie beginnende neurodegenerative Erkrankungen sein.
ZerebrovaskulÀre Warnsignale und verÀnderte Schlafdauer
Anhaltende, unerklÀrliche SchlÀfrigkeit bei Àlteren Personen kann ein erstes Anzeichen einer ischÀmischen zerebrovaskulÀren Erkrankung darstellen. Wie der Neurologe Wang Jiyuan vom Harbin Red Cross Central Hospital darlegte, gelte dies selbst dann, wenn acht bis neun Stunden Nachtschlaf absolviert werden, die Betroffenen jedoch stÀndig gÀhnen oder sich nur schwer wecken lassen.
Liegen Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, HyperlipidÀmie, koronare Herzkrankheiten oder familiÀre Vorbelastungen vor, sei bei Begleitsymptomen wie verlangsamten Reaktionen, undeutlicher Sprache sowie einseitiger SchwÀche oder Taubheit eine unmittelbare neurologische AbklÀrung geboten.
PrĂ€ventiv empfahl Wang die strikte Einnahme verordneter Medikamente und regelmĂ€Ăige AktivitĂ€t am Tag, etwa durch SpaziergĂ€nge, um einer Tag-Nacht-Umkehr entgegenzuwirken.
Auch deutliche Abweichungen von den gewohnten Schlafgewohnheiten besitzen klinische Relevanz. Die Neurologin und Somnologin Elena Tsareva wies darauf hin, dass eine Schlafdauer von ĂŒber zwölf Stunden als abnorm einzustufen sei und auf Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen hinweisen könne.
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Relevant sei dabei stets die individuelle VerÀnderung, etwa wenn Personen mit einer lebenslangen Schlafdauer von sechs Stunden plötzlich zehn Stunden Schlaf benötigen.
Motorische AuffĂ€lligkeiten als Parkinson-FrĂŒhzeichen
Neben der Schlafdauer stehen motorische AuffĂ€lligkeiten im Fokus. Dr. Alejandro MelcĂłn Villalibre, Leiter der neurologischen Schlafstörungseinheit am Publio CordĂłn Memorial Hospital, betonte, dass nĂ€chtliche Bewegungen erst dann abklĂ€rungsbedĂŒrftig seien, wenn sie repetitive, komplexe Muster aufweisen â etwa durch Schreien, Um-sich-Schlagen oder traumbezogene Reaktionen mit Verletzungsgefahr. Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) setzt die physiologische Muskelhemmung wĂ€hrend der Traumphase aus.
Die RBD gilt in der Neurologie als besonders spezifischer Marker fĂŒr spĂ€tere ?-Synukleinopathien wie Parkinson. Untersuchungen zeigen, dass betroffene Personen eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent aufweisen, innerhalb von zehn Jahren an Parkinson zu erkranken; dieses Risiko fĂ€llt bei zusĂ€tzlichem Geruchsverlust noch höher aus.
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Derartige FrĂŒhzeichen können der eigentlichen motorischen Manifestation um bis zu 20 Jahre vorausgehen. Laut SchĂ€tzungen der Weltgesundheitsorganisation leben weltweit rund zehn Millionen Menschen mit Parkinson â eine Zahl, die sich durch den demografischen Wandel bis zum Jahr 2050 voraussichtlich verdoppeln wird.
Studienergebnisse verknĂŒpfen Schlafprobleme mit Demenz und SchlaganfĂ€llen
Zahlreiche epidemiologische Erhebungen untermauern den Zusammenhang zwischen Schlafarchitektur und neurologischen Erkrankungen:
- Erhöhtes Demenzrisiko durch TagesschlĂ€frigkeit: Eine in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlichte Studie unter der Leitung von Yue Leng und Sasha Milton begleitete 733 Ă€ltere Frauen mit einem Durchschnittsalter von 83 Jahren ĂŒber einen Zeitraum von fĂŒnf Jahren mittels Aktigraphie. Bei Teilnehmerinnen mit zunehmender TagesschlĂ€frigkeit zeigte sich nach statistischer Bereinigung um Faktoren wie Alter, Bildung und Vorerkrankungen ein verdoppeltes Demenzrisiko im Vergleich zu Frauen mit stabilen Schlafmustern.
- Risiken durch chronische Insomnie: Eine Ăbersichtsarbeit von Vignatelli et al. im Fachjournal Sleep Medicine Reviews, die Daten von ĂŒber 1,3 Millionen Personen auswertete, stellte bei chronischer Insomnie ein um 26 Prozent höheres Schlaganfallrisiko und eine um 28 Prozent gesteigerte Hospitalisierungsrate fest. Alexandria Muench von der University of Pennsylvania brachte dies unter anderem mit Blutdruckregulation sowie der nĂ€chtlichen Reinigung von Abfallproteinen im Gehirn in Verbindung.
- Bedeutung der Gesamtdauer: Eine Auswertung der britischen UK Biobank an 95.559 Teilnehmenden verknĂŒpfte Schlafdauern unter fĂŒnf Stunden pro Nacht mit einem erhöhten Risiko fĂŒr 37 Erkrankungen, wĂ€hrend Schlafdauern zwischen sechs und acht Stunden die statistisch niedrigsten Krankheitsrisiken aufwiesen.
