Resistente Hypertonie: Meta-Analyse mit 35 Studien findet keinen klaren Sieger
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine im Fachjournal JACC: Advances veröffentlichte Meta-Analyse liefert neue Erkenntnisse zur Behandlung der resistenten Hypertonie. Die Untersuchung umfasst 35 randomisierte Studien mit insgesamt 8.648 Patientinnen und Patienten und vergleicht zwölf unterschiedliche Behandlungsansätze. Im Fokus des primären Endpunkts stand die Veränderung des systolischen Blutdrucks bei der Praxismessung.
Spironolacton und Radiofrequenz-Nierendenervation im Vergleich
Die Ergebnisse der Meta-Analyse zeigen, dass sowohl der Mineralokortikoid-Rezeptorantagonist Spironolacton als auch die Radiofrequenz-Nierendenervation (RDN) wirksamer sind als die jeweilige Ausgangstherapie.
Unter Spironolacton lag die mittlere Differenz des systolischen Praxisblutdrucks bei –12,43 mmHg (95%-Konfidenzintervall –17,68 bis –7,18; Evidenzgrad CINeMA moderat). Für die Radiofrequenz-Nierendenervation betrug die mittlere Differenz –8,74 mmHg (95%-Konfidenzintervall –12,96 bis –4,52; CINeMA moderat).
Trotz dieser signifikanten Effekte erwies sich in der Gesamtschau keine der untersuchten Interventionen als klar überlegen gegenüber den anderen Verfahren. In direkten Paarvergleichen schnitten neben diesen beiden Methoden auch die Wirkstoffe Aprocitentan, Baxdrostat und Darusentan im Vergleich zur Ausgangstherapie besser ab.
Erweiterung der therapeutischen Optionen
Die Einordnung der Interventionen fügt sich in die Entwicklung aktueller Behandlungsstandards ein. Bei der renalen Denervation handelt es sich um einen minimalinvasiven Kathetereingriff von etwa 60 Minuten Dauer unter Lokalanästhesie und leichter Sedierung.
Das Verfahren richtet sich an Betroffene mit resistenter Hypertonie, deren Blutdruck trotz der Einnahme von mindestens drei Medikamenten inklusive eines Diuretikums in optimaler Dosierung über den Zielwerten verharrt.
Frühere Studien wie SPYRAL und RADIANCE hatten nach sechs Monaten eine Senkung des ambulanten systolischen Drucks um etwa 5 bis 9 mmHg und in der Praxis oft um rund 10 mmHg gezeigt, mit anhaltender Wirkung über mehr als ein Jahr.
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Auch auf internationaler Ebene finden apparative und neuere pharmakologische Verfahren zunehmend Berücksichtigung. Die im Oktober 2026 in Dubai vorgestellten globalen Leitlinien der International Society of Hypertension (ISH) ergänzen für ausgewählte Betroffene an Expertenzentren sowohl renale Denervationen als auch Aldosteronsynthase-Inhibitoren.
Zugleich ersetzten die Leitlinien die bisherige Einstufung als „normal-hoch“ durch die Kategorie des „erhöhten Blutdrucks“, definiert als Werte von 130–139 mmHg systolisch und/oder 80–89 mmHg diastolisch.
Differenzierte Betrachtung bei schwer einstellbarem Blutdruck
Neben interventionellen Eingriffen und neuen Wirkstoffklassen spielen klassische Therapieregime weiterhin eine grundlegende Rolle. Thiaziddiuretika wie Hydrochlorothiazid (HCTZ) oder Indapamid bleiben bei volumenabhängigem Bluthochdruck häufig Mittel der Wahl, bedürfen jedoch bei Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Gicht einer genauen Kontrolle von Stoffwechsel und Elektrolyten.
In speziellen Konstellationen wie einer fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankung zeigte etwa Chlortalidon in Studien wie CLICK eine deutliche Blutdrucksenkung, ging jedoch ebenfalls mit erhöhten Risiken für Hypokaliämien und Stoffwechselstörungen einher.
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Fachleute weisen zudem darauf hin, dass einer scheinbaren Therapieresistenz häufig eine sogenannte Pseudo-Resistenz zugrunde liegt, etwa durch unzureichende Medikamenteneinnahme, zu kurze Wirkdauer, Interaktionen oder Messfehler.
Die systematische Aufarbeitung durch strukturierte Behandlungsteams sowie der differenzierte Einsatz evidenzbasierter medikamentöser und interventioneller Optionen wie Spironolacton und RDN bilden daher die Basis für eine erfolgreiche Blutdruckkontrolle bei schwer behandelbaren Patientengruppen.
