Resistente StÀrke: 100 Gramm kalte Kartoffeln sparen nur 3,5 Kilokalorien
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 12:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In sozialen Netzwerken und Online-Foren kursiert seit LĂ€ngerem die Empfehlung, gekochte Nudeln vor dem Verzehr abkĂŒhlen zu lassen, um Gewicht zu verlieren. Das Prinzip dahinter stĂŒtzt sich auf die sogenannte resistente StĂ€rke, die bei diesem Prozess entsteht.
Eine Bestandsaufnahme in Medienberichten, unter anderem in einem Bericht vom 3. Oktober 2026, zieht jedoch eine ernĂŒchternde Bilanz: Der versprochene Schlankmach-Effekt hĂ€lt einer wissenschaftlichen ĂberprĂŒfung kaum stand, auch wenn die verĂ€nderte StĂ€rke durchaus Vorteile fĂŒr die Darmgesundheit bietet.
Chemische Umwandlung beim AbkĂŒhlen
Die biochemische Grundlage des PhĂ€nomens ist unbestritten. Wie Marcus Kever vom Uniklinikum Essen gegenĂŒber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erlĂ€uterte, ordnen sich die StĂ€rkemolekĂŒle beim AbkĂŒhlen und anschlieĂenden WiedererwĂ€rmen neu an. Durch diese strukturelle VerĂ€nderung kann der menschliche DĂŒnndarm die StĂ€rke nicht mehr wie gewohnt spalten und verdauen.
Dieser Prozess benötigt allerdings etwas Zeit. Nach Angaben der dpa sind nach circa 12 Stunden rund 10 % der ursprĂŒnglichen StĂ€rke in die resistente Form umgewandelt.
Birgit Blumenschein empfiehlt in diesem Zusammenhang, stĂ€rkehaltige Speisen wie Nudeln oder Kartoffeln fĂŒr 12 bis 24 Stunden abgekĂŒhlt ruhen zu lassen. Ein anschlieĂendes WiederaufwĂ€rmen der Mahlzeit fĂŒhrt dazu, dass sich der Anteil der resistenten StĂ€rke sogar noch etwas weiter erhöht.
Kaum messbare Auswirkung auf das Körpergewicht
Trotz dieser Umwandlung reicht der Effekt bei weitem nicht aus, um signifikant an Gewicht zu verlieren. Birgit Terjung von der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) betonte laut dpa, dass ein relevanter Gewichtsverlust durch resistente StĂ€rke nach dem heutigen Wissensstand nicht erreichbar sei.
Kalte Nudeln als Abnehm-Trick â dieser Mythos hĂ€lt sich hartnĂ€ckig. Doch beim AbkĂŒhlen wandelt sich nur ein kleiner Teil der StĂ€rke um: Nach rund 12 Stunden sind es etwa 10 %, und 100 g abgekĂŒhlte Kartoffeln sparen gerade einmal 3,5 Kilokalorien. Was wirklich zĂ€hlt, sind die Vorteile fĂŒr Darmflora und Blutzucker. Kostenlosen Praxis-Guide zur resistenten StĂ€rke anfordern
Der Grund dafĂŒr liegt in der geringen Differenz des tatsĂ€chlichen Brennwerts. Konkrete Berechnungen verdeutlichen dies: Nach Angaben der Verbraucherzentrale Bayern enthalten 100 g abgekĂŒhlte Kartoffeln lediglich 3,5 Kilokalorien weniger als die frisch gekochte Variante. Wer gehofft hatte, allein durch den KĂ€ltezustand von Nudeln oder Beilagen Kalorien in spĂŒrbarem Umfang einzusparen, wird enttĂ€uscht.
Relevante Vorteile fĂŒr Darmflora und Stoffwechsel
Auch wenn der Verzehr abgekĂŒhlter Kohlenhydrate keine AbkĂŒrzung zur Traumfigur darstellt, ist er keineswegs nutzlos. Da die resistente StĂ€rke unverdaut in den Dickdarm gelangt, dient sie den dortigen Mikroorganismen als Nahrung.
Bei deren Abbau entstehen kurzkettige FettsĂ€uren wie ButtersĂ€ure, die das darmassoziierte Immunsystem stĂ€rken. DarĂŒber hinaus wirken diese Stoffe nach Angaben der Techniker Krankenkasse regulierend auf den Blutzuckerspiegel, was ein rasches Absinken und damit verbundene HeiĂhungerattacken verhindern kann.
BlĂ€hungen, BauchkrĂ€mpfe, Verdauungsprobleme â wer plötzlich auf abgekĂŒhlte Kohlenhydrate umstellt, ĂŒberfordert seinen Darm. Dabei entstehen beim Abbau der resistenten StĂ€rke kurzkettige FettsĂ€uren, die das Darm-Immunsystem stĂ€rken und den Blutzucker regulieren. Mit der richtigen Reihenfolge wird die Umstellung angenehm. Sanften Einstieg jetzt entdecken
Wer seinen Speiseplan nun vermehrt auf abgekĂŒhlte Speisen umstellen möchte, sollte dies jedoch behutsam tun. War der Körper bislang vorwiegend an eine ballaststoffarme ErnĂ€hrung gewöhnt, kann die plötzliche Zufuhr von schwer verdaulicher StĂ€rke das Verdauungssystem ĂŒberfordern.
In der Anfangsphase sind Begleiterscheinungen wie BlÀhungen, Verstopfung, BauchkrÀmpfe oder auch Durchfall möglich, weshalb eine schrittweise Anpassung der Essgewohnheiten ratsam ist.
