Rohrzucker: Neue Kokristallisierung senkt glykämischen Index deutlich
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 18:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Lebensmitteltechnologie wurden neue Ansätze zur Modifikation von Haushaltszucker entwickelt, um dessen physiologische Auswirkungen auf den menschlichen Stoffwechsel zu optimieren.
Forscher des Konsortiums PBIS, dem unter anderem die staatliche Universität Campinas (Unicamp), die Universität von São Paulo (USP) sowie das Institut für Lebensmitteltechnologie (Ital) und neun private Unternehmen angehören, haben ein Verfahren zur Herstellung von Rohrzucker-Saccharose mit einem reduzierten glykämischen Index vorgestellt. Das Besondere an diesem Verfahren ist die Nutzung von Reststoffen aus der Agrarindustrie zur funktionalen Aufwertung des Süßungsmittels.
Technologische Innovation durch Reststoffverwertung
Der Kern der Entwicklung liegt in einem speziellen Extraktions- und Kokristallisationsverfahren. Dabei wird herkömmliche Saccharose aus Zuckerrohr mit Antioxidantien angereichert, die aus Resten der Kaffee- und Erdnussproduktion gewonnen werden.
Regiane de Brito Vieira von der Unicamp erläuterte hierzu, dass die Einlagerungskapazität des angewandten Extraktionsverfahrens durch die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse um den Faktor 7,5 gesteigert werden konnte.
Durch diesen Prozess entsteht eine kokristallisierte Saccharose, deren physikalische Struktur die Freisetzung und Absorption der Glukose im Körper beeinflusst.
Ein wesentlicher Aspekt für die potenzielle industrielle Nutzung ist die Erhaltung der sensorischen Eigenschaften: Berichten zufolge verändere die Beigabe der antioxidativen Extrakte den gewohnten Geschmack des Zuckers nicht. Dies gilt als entscheidendes Kriterium für die Akzeptanz bei Verbrauchern und in der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie.
Klinische Ergebnisse und physiologische Auswirkungen
Die Wirksamkeit der modifizierten Saccharose wurde im Rahmen einer klinischen Studie untersucht. Über einen Zeitraum von sechs Tagen nahmen 25 Freiwillige an den Tests teil. Die Ergebnisse der Untersuchung mit einer Mischung aus Erdnuss- und Kaffee-Kokristallen belegten, dass der glykämische Index des Zuckers erfolgreich gesenkt werden konnte. Die Einstufung verbesserte sich dabei von einem mittleren auf einen niedrigen Bereich.
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Die physiologische Ursache für diese Veränderung liegt in einer verlangsamten Absorption der Saccharose im Verdauungstrakt. Während herkömmlicher Zucker zu einem raschen Anstieg des Blutzuckerspiegels führt, bewirkt die kokristallisierte Variante eine moderatere Reaktion des Organismus.
Offen bleibt bislang jedoch die energetische Bewertung des neuen Produkts; der genaue Kalorienwert dieser Saccharose-Variante wurde im Rahmen der aktuellen Studien noch nicht abschließend bewertet.
Entwicklungsstand und gewerbliche Schutzrechte
Das Projekt hat bereits einen fortgeschrittenen Technologiereifegrad erreicht. Laut den beteiligten Forschungseinrichtungen wird die Innovation auf der Skala der „Technology Readiness Level“ (TRL) bei 5 bis 6 eingeordnet. Dies bedeutet, dass die Technologie bereits in einer relevanten Umgebung validiert wurde und sich der Übergang von der Laborphase zur industriellen Prototypanwendung abzeichnet.
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Um die wirtschaftliche Verwertung der Forschungsergebnisse zu sichern, wurde ein entsprechendes Patent beim brasilianischen Institut für gewerbliches Eigentum (INPI) angemeldet.
Die Zusammenarbeit zwischen akademischen Institutionen und der Privatwirtschaft im Rahmen des PBIS-Verbunds unterstreicht das Ziel, die Forschungsergebnisse zeitnah in marktfähige Anwendungen für die Lebensmittelproduktion zu überführen. Damit könnte ein neuer Baustein für die Herstellung von Lebensmitteln zur Verfügung stehen, die eine bessere Kontrolle des Blutzuckerspiegels ermöglichen sollen.
