Schlaf und Gehirn: Sieben Stunden zeigen das stabilste Wohlbefinden
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 17:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deKleine Anpassungen der tĂ€glichen Routine können maĂgeblich dazu beitragen, die kognitiven FĂ€higkeiten bis ins hohe Alter zu bewahren. Berichten von Fachleuten zufolge spielen dabei insbesondere das kontinuierliche Erlernen neuer FĂ€higkeiten, gezielte GedĂ€chtnistechniken sowie eine verbesserte SchlafqualitĂ€t eine zentrale Rolle.
Neues lernen und neuronale Netzwerke fordern
Nach Erkenntnissen von Professorin Barbara Sahakian und Dr. Christelle Langley von der University of Cambridge stellt das Erlernen neuer Dinge das wirksamste Mittel gegen nachlassende GedÀchtnisleistungen dar.
Dieser Prozess bremse die Gehirnalterung insbesondere bei Menschen ĂŒber 50 Jahren. Dabei mĂŒssen es keine akademischen GroĂprojekte sein: Bereits AktivitĂ€ten wie das Ausprobieren neuer Rezepte, Tanzen, Stricken oder Schachspielen reichen aus, um kognitive Prozesse anzuregen.
Die Forscherinnen beschreiben vier wesentliche Effekte dieser mentalen Herausforderungen: eine verbesserte GedÀchtnisleistung, eine erhöhte AktivitÀt in neuronalen Netzwerken des Frontal- und Parietalkortex, eine gesteigerte Effizienz der Hirnfunktion sowie strukturelle Anpassungen des Gewebes.
So zeigte sich bei Ă€lteren Menschen, die Jonglieren lernten, ein Zuwachs an grauer Substanz unter anderem im Hippocampus. Die FĂ€higkeit des Gehirns zur NeuroplastizitĂ€t bleibt auch im fortgeschrittenen Alter bestehen, setzt jedoch regelmĂ€Ăige Reize voraus.
Gezielte GedÀchtnismethoden und Konzentration
Wer seine geistigen FĂ€higkeiten gezielt fordern möchte, kann bereits mit kurzen tĂ€glichen Ăbungen einen spĂŒrbaren Unterschied fĂŒr die Konzentration bewirken. Dieser kostenlose Ratgeber liefert Ihnen 11 praktische AnsĂ€tze, um Ihr GedĂ€chtnis nachhaltig zu stĂ€rken. Diese 11 AlltagsĂŒbungen halten Ihr Gehirn bis ins hohe Alter fit
Neben dem Wissenserwerb helfen strukturierte Mnemotechniken dabei, den Informationsabruf im Alltag zu erleichtern. Die GedĂ€chtnissportlerin Katie Kermode rĂ€t zu visuellen VerknĂŒpfungen, vertrauten Routen sowie der Methode des GedĂ€chtnispalasts und zeitlich gestaffelten Wiederholungen. FĂŒr Lernphasen bieten sich zudem Akronyme, Mindmaps und klassische Karteikarten an.
Kermode und die GedĂ€chtnistrainerin Sania Alam heben zudem hervor, wie wichtig bewusste Ruhephasen fĂŒr die Informationsverarbeitung und Konzentration sind.
Digitale Begleiter können diesen Prozess stören: Sahakian und weitere Experten weisen darauf hin, dass stĂ€ndige Aufmerksamkeitswechsel durch Smartphones den Fokus schwĂ€chen und eine ĂŒbermĂ€Ăige AbhĂ€ngigkeit von Technologie Vergesslichkeit begĂŒnstigen kann.
Neurowissenschaftler Charan Ranganath erklĂ€rt Vergessen zwar grundsĂ€tzlich als gesunde Filterfunktion des prĂ€frontalen Cortex, warnt jedoch vor chronischem Stress und permanentem Multitasking, da diese Faktoren das Gehirn kurzfristig beeintrĂ€chtigen. Ranganath rĂ€t dazu, Ablenkungen durch Benachrichtigungen gezielt abzuschalten und neue EindrĂŒcke durch ungewohnte Orte oder Perspektiven zuzulassen.
Die Rolle von Schlaf und Bewegung
Oft lĂ€sst sich im Alltag schwer einschĂ€tzen, ob gelegentliche Vergesslichkeit bereits ein ernsthaftes Warnsignal darstellt oder noch im normalen Bereich liegt. Ein kurzer, anonym unter Experten entwickelter Selbsttest bietet hier in nur zwei Minuten eine erste Orientierung. Gewissheit in 2 Minuten: Check auf frĂŒhe Demenz?Anzeichen
Ein weiterer zentraler Pfeiler fĂŒr die geistige Gesundheit ist ausreichende Erholung. Sahakian empfiehlt Erwachsenen mindestens sieben Stunden Schlaf pro Nacht, da das Gehirn die aufgenommenen Informationen primĂ€r wĂ€hrend der Nachtruhe konsolidiert.
Erkenntnisse aus der UK-Biobank stĂŒtzen diese RichtgröĂe: Bei Erwachsenen mittleren und höheren Alters zeigte sich bei sieben Stunden tĂ€glichem Schlaf das stabilste kognitive Wohlbefinden.
Schlafforscherin Dr. Christine Blume von der UniversitĂ€t Basel betont zugleich, dass Schlaf schlechter werde, sobald er zu viel krampfhafte Aufmerksamkeit erhalte. Sinnvoller sei es, den individuellen Schlafrhythmus zu berĂŒcksichtigen und fĂŒr regelmĂ€Ăige Zubettgehzeiten sowie Tageslicht zu sorgen.
ErgĂ€nzt wird der Schutz der Gehirngesundheit durch regelmĂ€Ăige körperliche AktivitĂ€t. Bewegung steigert die Durchblutung, verbessert die Sauerstoff- und NĂ€hrstoffversorgung des Gehirns und regt die AusschĂŒttung des Botenstoffs BDNF an, was die Neurogenese im Hippocampus fördert. Dabei erweist sich die RegelmĂ€Ăigkeit der Bewegung auf Dauer als entscheidender als die reine IntensitĂ€t.
