Schulmahlzeiten: Studie zeigt massive Defizite bei Calcium und Vitamin D
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 12:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Berichte aus verschiedenen LÀndern verdeutlichen die wachsende Dringlichkeit, Schulmahlzeiten verbindlich zu standardisieren, um FehlernÀhrung und NÀhrstoffdefizite bei Heranwachsenden wirksam zu bekÀmpfen.
Parallel dazu warnen Fachbehörden vor unkontrollierten VitaminprĂ€paraten und NahrungsergĂ€nzungsmitteln fĂŒr Kinder. Eine systematische Betrachtung der Daten zeigt, vor welchen Herausforderungen Bildungseinrichtungen und Gesundheitssysteme weltweit stehen.
Mangelnde NĂ€hrstoffdichte und fehlende Standards in Schulkantinen
In vielen Staaten ist die Schulverpflegung noch nicht flÀchendeckend reglementiert. In Vietnam fehlt bislang eine verbindliche nationale technische Vorschrift zur SchulernÀhrung.
Nach Angaben des dortigen Nationalen Instituts fĂŒr ErnĂ€hrung (Vi?n Dinh d??ng Qu?c gia) aus einer Untersuchung von 2025 arbeitet das Umfeld vieler Schulkantinen ohne ausreichende ernĂ€hrungswissenschaftliche Kontrolle, wodurch bei Fertigmahlzeiten und internen KĂŒchen Risiken von Massenvergiftungen bestehen.
In strukturschwachen Regionen erreichen lediglich 45 % der Grundschulen mit Halbtagsbetreuung den Standard fĂŒr Lebensmittelvielfalt von mindestens fĂŒnf aus acht grundlegenden Lebensmittelgruppen je Mahlzeit.
Laut der ErnĂ€hrungswissenschaftlerin TS.BS BĂči Th? Mai H??ng vom Nationalen Institut fĂŒr ErnĂ€hrung deckt das Mittagessen in der Halbtagsbetreuung zwar 30 bis 35 % des tĂ€glichen Energiebedarfs ab, doch weisen die Portionen erhebliche Defizite auf: Erreicht werden lediglich 30,2 % der empfohlenen Tagesdosis (RDA) an Calcium, 39,0 % an Vitamin A und 5,5 % an Vitamin D. Die nationale Erhebung T?ng ?i?u tra Dinh d??ng toĂ n qu?c 2019â2020 bezifferte die Rate von Ăbergewicht und Adipositas bei FĂŒnf- bis 19-JĂ€hrigen auf 19 % im Jahr 2020 gegenĂŒber 8,5 % im Jahr 2010. Zugleich lag die Wachstumsverzögerung bei unter FĂŒnfjĂ€hrigen in den nördlichen Bergregionen bei 37,4 %, begleitet von Zinkmangel bei 58 % und Vitamin-A-Mangel bei 9,5 %.
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Andere LĂ€nder passen ihre Regulierungen ebenfalls an: Das tĂŒrkische Gesundheitsministerium verschob die Ăbergangsfrist fĂŒr eine Schulverpflegungs-Regelung bei vorverpackten Waren in Kantinen und Cafeterien auf den 13. September 2027. Verpackungen sollen verpflichtende NĂ€hrwert-Scores von A bis C sowie ein spezielles Logo erhalten.
MikronÀhrstoffversorgung und Warnungen vor Supplementen
Fehlende NĂ€hrstoffe in regulĂ€ren Mahlzeiten verleiten Verbraucher hĂ€ufig zum Griff nach NahrungsergĂ€nzungsmitteln, doch Behörden mahnen zur Vorsicht. Das deutsche Bundesamt fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) stellt klar, dass die bloĂe Anzeige eines NahrungsergĂ€nzungsmittels keine behördliche Zulassung darstellt. Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) wies im Juli 2026 auf Risiken in diesem Segment hin.
Wissenschaftliche Erhebungen verdeutlichen die tatsĂ€chliche Zufuhrlage: Die RKI-Studie EsKiMo II an 2.644 Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 17 Jahren zeigte eine niedrige durchschnittliche Aufnahme von Calcium, Eisen und Jod bei den Sechs- bis ElfjĂ€hrigen, wĂ€hrend die Mittelwerte fĂŒr Vitamin B12 gĂŒnstiger lagen.
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Die KiESEL-Studie von Burgard et al. untersuchte 890 ĂŒberwiegend Ein- bis FĂŒnfjĂ€hrige auf Basis von Daten aus den Jahren 2014 bis 2017 im Abgleich mit Referenzwerten der EFSA.
Ein Faktencheck des Quarks-Studios vom 9. Oktober 2026 legte dar, dass etwa die empfohlene Tageszufuhr von 7 mg Eisen laut aktueller DGE-Tabelle nur fĂŒr Kinder von einem bis unter sieben Jahren gilt, wĂ€hrend fĂŒr Sieben- bis unter ZehnjĂ€hrige 10 mg empfohlen werden.
Praxisprobleme zwischen Logistik und VerpflegungsqualitÀt
Auch in Europa steht die praktische Umsetzung im Fokus. Auf dem Bundeskongress fĂŒr Kita- und Schulverpflegung in Berlin mit rund 400 Fachbesuchern hob Prof. Dr. Alena Buyx hervor, dass ErnĂ€hrung eine zentrale Stellschraube fĂŒr Gesundheit, Chancengleichheit und die gesellschaftliche Zukunft sei.
Rund sechs Millionen Kinder und Jugendliche essen in Deutschland tĂ€glich in Kitas und Schulen. Gleichzeitig warnte der Experte Torsten von Borstel davor, dass tĂ€glich Tausende Essensportionen unberĂŒhrt im MĂŒll landen, weshalb Caterer, Schulen und Kommunen gemeinsam LebensmittelabfĂ€lle reduzieren mĂŒssten.
Dass die rĂ€umlichen und zeitlichen Rahmenbedingungen vielerorts eng bleiben, zeigt sich an Beispielen wie der dreizĂŒgigen Grundschule Eppertshausen mit 237 SchĂŒlern, an der die Essenszeit in der beengten Mensa in fĂŒnf Schichten auf 20 Minuten begrenzt ist.

