Screensh, Studie

Screensh Studie mit 892 Teilnehmenden zeigt schwächeres Erinnern

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 16:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen verbinden KI-gestütztes Lernen und kurze Videos mit schwächerer späterer Erinnerung beziehungsweise Aufmerksamkeit.
Ein minimalistischer Schreibtisch aus Holz mit einem leeren Notizbuch und einem geschlossenen Buch im sanften Sonnenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Die fortschreitende Digitalisierung und die zunehmende Verbreitung von Systemen mit künstlicher Intelligenz werfen vermehrt Fragen zu den Auswirkungen auf die menschliche Kognition auf. Prof. Dr. Nevzat Tarhan von der Üsküdar Universität warnt in diesem Zusammenhang davor, dass intensive Bildschirm- und KI-Nutzung die kognitive Konzentration spürbar beeinträchtigt.

Der Begriff der digitalen Demenz stelle zwar keine klinische Diagnose dar, fungiere jedoch als treffende Metapher für eine reale Gedächtniserosion, von der insbesondere Kinder betroffen seien.

Fokusmangel und geistige Trägheit statt Gedächtnisverlust

Nach Einschätzung von Tarhan fungieren digitale Endgeräte zunehmend als eine Art Ersatzgehirn. Das menschliche Denkorgan merke sich vermehrt bloße Fundorte anstelle der eigentlichen Inhalte, was dem neurologischen Grundsatz folge, dass ungenutzte Fähigkeiten verkümmern.

Die im Alltag beobachtete Vergesslichkeit beruhe dabei primär auf einem Mangel an Fokus und nicht auf einem klassischen Gedächtnisverlust. Multitasking und das fortlaufende Scrollen durch digitale Feeds verkürzten die Aufmerksamkeitsspanne erheblich und verhinderten tiefes Lernen.

Während die Aufmerksamkeitsspanne im Unterricht früher bei etwa 14 bis 15 Minuten gelegen habe, falle sie heute mitunter auf 3 bis 4 Minuten ab. Werde die Verknüpfung von Ereignissen systematisch an digitale Werkzeuge delegiert, führe dies zu geistiger Trägheit. Künstliche Intelligenz könne eigenständiges Denken und Bewerten prinzipiell nicht ersetzen.

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Tarhan plädiert daher dafür, Technologie sinnvoll zu integrieren statt sie vollständig zu verbieten. Empfohlen werden unter anderem feste Bildschirmpausen, der Verzicht auf elektronische Geräte vor dem Schlafen sowie ein wöchentlicher Zeitraum für gemeinsames Lesen ohne digitale Medien.

Kognitive Entlastung und Automatisierungsverzerrung

Auch psychologische Fachleute weisen auf Risiken hin, die durch das fortlaufende Auslagern von Denkprozessen an KI-Anwendungen entstehen. Wird geistige Anstrengung vermieden, wähle das Gehirn den Weg des geringsten Widerstands. Eine kurzfristige Entlastung im Alltag könne langfristig zum Abbau neurologischer Fähigkeiten im motorischen, sprachlichen und sozialen Bereich beitragen.

Dazu trägt auch die sogenannte Automatisierungsverzerrung bei, durch die von Maschinen generierte Antworten unkritisch übernommen werden. Gleichzeitig mindere vorgefertigter KI-Output die eigene Denkanstrengung, obgleich automatisierte Resultate keineswegs garantiert fehlerfrei sind.

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Nachlassende Behaltensleistung in experimentellen Studien

Die kognitiven Folgen lassen sich auch in wissenschaftlichen Versuchsreihen beobachten. Experimente zum Lernerfolg mit KI-Unterstützung zeigen ein geteiltes Bild: Probanden, die Lernprozesse mithilfe künstlicher Intelligenz absolvierten, schnitten bei einer unmittelbaren Abfrage zwar schneller und besser ab, wiesen jedoch nach einem Zeitraum von 45 Tagen eine geringere Behaltensleistung auf als Teilnehmer, die ohne KI gelernt hatten.

Eine im Jahr 2026 im Fachjournal Memory & Cognition veröffentlichte Untersuchung mit 892 Teilnehmenden über sieben Experimente hinweg wies zudem nach, dass allein das Anfertigen von Screenshots die Gedächtnisleistung für visuelle Inhalte durchgehend verschlechterte. Diese kognitive Auslagerung führte dazu, dass Details schlechter erinnert wurden – selbst dann, wenn den Probanden vorab ein Test angekündigt worden war.

Zudem untersuchte eine im Fachblatt Psychological Bulletin veröffentlichte Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 anhand von 71 Studien mit rund 98.000 Personen den Medienkonsum.

Die Auswertung zeigte eine Assoziation zwischen dem vermehrten Konsum kurzer Videoformate und schwächeren Leistungen bei Aufmerksamkeit und Impulskontrolle, wenngleich daraus kein direkter kausaler Zusammenhang abgeleitet werden kann. Fachleute raten daher übereinstimmend zu einem bewussteren Medienumgang und gezielten Hürden im Alltag, um anspruchsvolle Denkarbeit weiterhin selbst zu leisten.

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