Selbstregulation: Forscher fordern Leitperspektive im Schulsystem
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Zentrum steht die Fähigkeit zur Selbstregulation – sie gilt als Schlüssel für schulischen Erfolg und psychische Gesundheit.
Wissenschaftler fordern neue Leitperspektive
Eine im Juli 2026 im Fachjournal Educational Psychology Review veröffentlichte Stellungnahme macht ernst. Ulrich Trautwein, Janina Eberhart und Charlotte Dignath fordern, Selbstregulation als zentrale Leitperspektive im Bildungssystem zu verankern. Die gezielte Förderung dieser Kompetenz habe maßgeblichen Einfluss auf die individuelle Entwicklung.
Bereits 2024 hatte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina ähnlich empfohlen. Ziel: die Resilienz von Schülern stärken.
Parallel dazu fordert Bildungsexperte Klaus Hurrelmann eine umfassende Schulreform. Das bestehende System stamme in seinen Grundstrukturen noch aus der Babyboomer-Zeit. Es werde der heutigen Jugendgeneration nicht mehr gerecht. Er plädiert für neue Bewertungsmethoden, Zeugnisse und Unterrichtsgestaltung – mit der Persönlichkeitsentwicklung im Mittelpunkt.
Jeder vierte Schüler fühlt sich psychisch belastet
Die Dringlichkeit zeigt das Schulbarometer: Rund ein Viertel der Schüler zwischen 8 und 17 Jahren fühlt sich psychisch belastet. 60 Prozent der Eltern berichten von Einsamkeitsgefühlen bei ihren Kindern. Die Versorgungslage ist angespannt – Wartezeiten für Therapieplätze betragen bis zu acht Monate.
Die Pädagogin Sandra Weckert fordert einen grundlegenden Perspektivwechsel. Statt den Leistungsdruck zu erhöhen, müsse die Schule als Ort verlässlicher Beziehungen fungieren. Bindung sei eine zentrale Bildungsaufgabe – Voraussetzung für erfolgreiches Lernen und emotionale Stabilität.
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Pilotprojekt: Schüler simulieren Krisenstab
Die Universität zu Köln startete im Juli 2026 das Projekt „Neustart:Schule“. Gemeinsam mit einem Gymnasium in Essen simulieren 15- bis 16-Jährige einen Krisenstab – etwa während eines fiktiven Stromausfalls. Ziel: Handlungsfähigkeit unter Druck testen.
Nach einer ersten Realsimulation Mitte Juli ist geplant, das Modell bis zum Schuljahr 2027/28 auf weitere Regionen zu übertragen.
Auch die Konzentrationsfähigkeit rückt in den Fokus. Eine 2025 in eNeuro veröffentlichte Studie (Kim et al.) belegt: Tägliches kurzes Training verbessert die Aufmerksamkeitskontrolle messbar. Bereits zehn bis 15 Minuten Achtsamkeitsübungen über 30 Tage zeigen signifikante Effekte.
Digitale Bildung: Schutz oder Kompetenz?
Der Umgang mit digitalen Medien spaltet die Bildungspolitik. Im Juli 2026 beriet der Liechtensteiner Landtag über eine Motion für eine Schutzstrategie zur Smartphone-Nutzung. Gefordert werden verbindliche Medienbildung und technische Einschränkungen für soziale Medien an Schulen.
Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann setzt dagegen auf Aufklärung und Wertevermittlung im digitalen Raum. Statt flächendeckender Handyverbote will er Phänomenen wie Cyber-Mobbing entgegenwirken.
Nur fünf Minuten tägliche Präsenz können ausreichen, um die Konzentrationsfähigkeit nachhaltig zu steigern und Alltagsstress besser zu bewältigen. Kostenloses E-Book: Welche Achtsamkeitsübungen im vollsten Alltag funktionieren
Unternehmen setzen auf Skills – nicht auf Noten
Der Arbeitsmarkt wandelt sich. Unternehmen setzen laut Berichten vom Juli 2026 verstärkt auf „Skills-based Hiring“. Konkrete Fähigkeiten sind wichtiger als Schulnoten. Analytisches Denken und Resilienz gelten als Top-Kompetenzen.
Gleichzeitig konstatieren Arbeitgeber Defizite bei KI-Kompetenzen unter Berufseinsteigern. Experten schlagen vor, den kritischen Umgang mit künstlicher Intelligenz bereits in der Schule zu fördern. Ein mögliches Aufgabenformat: die Fehleranalyse von KI-Modellen.
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