Semaglutid, Wechseljahren

Semaglutid in den Wechseljahren: Frauen verlieren im Schnitt fast 20 Prozent

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hormonelle VerÀnderungen beeinflussen Fettverteilung und Stoffwechsel; Bewegung, ausgewogene ErnÀhrung und medizinische Kontrollen stehen im Fokus.
Gesunde Mahlzeit mit frischem GemĂŒse und Vollkornprodukten auf einem Holztisch bei natĂŒrlichem Licht Illustration mit AI erstellt.

Die hormonellen Umstellungen in den Wechseljahren bringen fĂŒr viele Frauen spĂŒrbare körperliche VerĂ€nderungen mit sich. FachbeitrĂ€ge und klinische Untersuchungen analysieren verstĂ€rkt die Ursachen fĂŒr die Zunahme von Bauchfett wĂ€hrend dieser Lebensphase und diskutieren Strategien wie gezielte ErnĂ€hrung, Krafttraining sowie medikamentöse AnsĂ€tze zur Gegensteuerung.

SchĂ€tzungen aus der ErnĂ€hrungsberatung legen nahe, dass 70 Prozent oder mehr der Frauen wĂ€hrend des Übergangs an Gewicht zulegen – meist zwischen einigen Kilo und bis zu 15 Kilogramm, wobei sich das Fett vor allem in der Bauchregion anlagert.

Hormonelle Dynamik und verÀnderte Fettverteilung

Hinter der verĂ€nderten Silhouette stehen tiefgreifende hormonelle Prozesse. Eine Untersuchung eines Forschungsteams um Uri Alon vom Weizmann Institute in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ analysierte ĂŒber 300 Millionen Labordaten von mehr als einer Million Frauen in den USA (1999–2022) und Israel (2004–2024).

Bei 52 von 90 Parametern traten um die Menopause, die im Schnitt im Alter von 51 Jahren eintritt, abrupte VerÀnderungen auf. Dies betraf unter anderem die Blutfette, den Knochenstoffwechsel sowie die Funktion von Leber und Nieren.

Den Studiendaten zufolge fiel das Anti-MĂŒller-Hormon bereits rund 15 Jahre vor der Menopause verstĂ€rkt ab, der Östradiolspiegel sank etwa zwölf Jahre zuvor, wĂ€hrend das follikelstimulierende Hormon rund 14 Jahre vor dem Ereignis anstieg. Unter einer Hormontherapie fielen diese biologischen AusschlĂ€ge geringer aus. Die Berner Expertin Petra Stute warnte in diesem Kontext davor, die Übergangsphase dramatisch als physiologischen Absturz zuzuspitzen.

Untersuchungen von Prof. Kim Seul-gi am Bundang Hospital der Seoul National University zeigen zudem, dass sich die Zuwachsrate des Körperfetts etwa zwei Jahre vor der letzten Monatsblutung verdoppelt, wÀhrend die Muskelmasse abnimmt. Nach der Menopause lagert sich bevorzugt stoffwechselaktives viszerales Fett an.

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Stoffwechselrisiken und medizinische Vorsorge

Das Absinken der Östrogenspiegel kann neben der Zunahme von Bauchfett auch eine Insulinresistenz und ungĂŒnstige Blutfettwerte begĂŒnstigen. Damit steigt die Gefahr von Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Problemen und Lebererkrankungen. Nach der Perimenopause ĂŒbersteigt das kardiovaskulĂ€re Risiko von Frauen das von MĂ€nnern, zudem verlieren Frauen in den fĂŒnf Jahren um den Übergang etwa 20 Prozent ihrer Knochendichte.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) rĂ€t Frauen in der Lebensmitte zu einem gezielten Stoffwechsel-Check. Kontrolliert werden sollten NĂŒchternglukose, HbA1c-Wert, Blutdruck, Blutfette, Gewicht, Taillenumfang und Leberwerte.

Nach Angaben der DDG-Expertin Szendrödi tragen Frauen mit einer frĂŒhen Menopause vor dem 45. Lebensjahr ein um rund 30 Prozent höheres Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes. Zudem können hormonell bedingte Hitzewallungen die Symptome einer Unterzuckerung imitieren, was bei vorbestehendem Diabetes engmaschigere Kontrollen erfordert.

ErnÀhrung, Bewegung und medikamentöse AnsÀtze

Zur Stabilisierung des Stoffwechsels und zur Erhöhung der InsulinsensitivitĂ€t empfehlen Fachorganisationen zwei- bis dreimal wöchentliches Krafttraining, ergĂ€nzt durch Ausdauereinheiten. Bei der ErnĂ€hrung sehen Fachleute wie die ErnĂ€hrungsberaterin Diana Reid keine Notwendigkeit fĂŒr extreme DiĂ€tprogramme; allgemeine Empfehlungen fĂŒr eine ausgewogene Kost seien ausreichend.

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Geraten wird zu Proteinquellen wie Eiern, Fisch, HĂŒlsenfrĂŒchten oder Tofu sowie zu Kalzium und Vitamin D zur KnochenstĂ€rkung. Eine systematische Auswertung aus dem Jahr 2025 fand zudem keine ĂŒberzeugenden Belege dafĂŒr, dass KollagenprĂ€parate die Hautalterung aufhalten.

Dr. Verena Buchinger-KÀhler von der Fastenklinik Buchinger Wilhelmi weist darauf hin, dass der Wegfall der Menstruation den tÀglichen Energiebedarf von Frauen um schÀtzungsweise 250 Kilokalorien verringert. Zwar berichten Mediziner von positiven Effekten des Fastens auf Hitzewallungen, systematische Studien zu lÀngerem therapeutischem Fasten stehen jedoch noch aus.

In FĂ€llen mit ausgeprĂ€gtem Übergewicht gewinnen auch pharmakologische AnsĂ€tze an Bedeutung: Eine Post-hoc-Analyse zur Therapie mit Semaglutid zeigte bei Frauen in der Menopause-Transition einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 19,7 Prozent und bei postmenopausalen Frauen von 19,8 Prozent.

Zudem belegte die SELECT-Studie fĂŒr diesen Wirkstoff bei ĂŒbergewichtigen Erwachsenen mit Vorerkrankung eine 20-prozentige Senkung des Risikos schwerer kardiovaskulĂ€rer Ereignisse.

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