Sensomotorisches Training: 24-Wochen-Studie zeigt Vorteile ab 55
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deWissenschaftliche Untersuchungen liefern neue Einblicke in die gezielte Bewegungsförderung für ältere Erwachsene. Eine Untersuchung der portugiesischen Universität Évora, die im Fachjournal „Frontiers in Psychology“ publiziert wurde, zeigt, dass sensomotorisches Training für Menschen ab 55 Jahren besonders geeignet und in Teilen wirksamer ist als klassische Angebote wie Pilates oder Aqua-Aerobic.
Deutliche Vorteile im 24-Wochen-Vergleich
An der wissenschaftlichen Erhebung nahmen 153 Personen im Alter von über 55 Jahren teil, die über einen Zeitraum von 24 Wochen hinweg beobachtet wurden. Die Probanden wurden in vier Gruppen eingeteilt: eine Kontrollgruppe, eine Aqua-Aerobic-Gruppe, eine sensomotorische Gruppe sowie eine Pilates-Gruppe. Über die gesamte Studiendauer hinweg überprüften die Fachleute regelmäßig standardisierte Kraft-, Flexibilitäts- und Fitnesstests.
Die Ergebnisse fielen dabei differenziert aus: Die Teilnehmenden der sensomotorischen Gruppe erzielten in sämtlichen durchgeführten Leistungstests Verbesserungen. Die Aqua-Aerobic-Gruppe verzeichnete Fortschritte beim Aufstehen aus dem Sitzen sowie bei der Kraft des Oberkörpers. Bei der Kontrollgruppe und der Pilates-Gruppe zeigten sich hingegen keine nennenswerten Verbesserungen.
Relevanz für das Sturzrisiko im höheren Alter
Die Optimierung von Koordination und Stabilität gewinnt mit zunehmendem Alter an Dringlichkeit. Laut einer im Journal „Systematic Reviews“ erschienenen Publikation stürzen jedes Jahr schätzungsweise 20 bis 30 Prozent der über 65-jährigen Personen mindestens einmal. Schwache Stabilisatoren an den Füßen sowie an den Sprunggelenken gelten dabei als zentrale Ursachen für folgenschwere Stürze.
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Dass körperliche Aktivität eine messbare Schutzwirkung entfaltet, bestätigt auch die medizinische Fachliteratur: Eine im Jahr 2024 im Fachjournal „JAMA“ erschienene Untersuchung verdeutlicht, dass gezieltes körperliches Training die Sturzrate ähnlich deutlich senken kann wie umfangreiche Mehrkomponenten-Programme. Regelmäßige Bewegung stärkt die Muskeln, stabilisiert das Gleichgewicht und entlastet das Herz-Kreislauf-System.
Degeneration des Gleichgewichtssinns und Trainingsansätze
Der biologische Hintergrund für den Verlust der Standsicherheit ist physiologischer Natur. Das Gleichgewichtsempfinden nimmt bei vielen Erwachsenen bereits zwischen dem 30. und dem 40. Lebensjahr schrittweise ab. Dies liegt daran, dass Rezeptoren in den Gelenken und Füßen zunehmend unpräzisere Rückmeldungen liefern. Gleichzeitig büßen Muskelstränge an Kraft und Reaktionsgeschwindigkeit ein, während das Nervensystem die Reize langsamer verarbeitet.
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Fachberichte betonen jedoch, dass die Balance bis ins hohe Alter trainierbar bleibt. Durch koordinative Reize werden das Zusammenspiel aus visuellem System, Vestibularsystem und Propriozeption geschult.
Zur Stärkung dieser Fähigkeiten eignen sich auch alltagstaugliche Einheiten: So trainiert bereits ein Einbeinstand von 30 bis 60 Sekunden pro Seite – beispielsweise verteilt auf zwei Mal zwei Minuten am Tag und steigerbar durch geschlossene Augen – die neuronale Steuerung und das Zusammenspiel der Haltemuskulatur.
