MĂ€nner, Fleisch

Können MÀnner wÀhlen, essen sie mehr Fleisch als Frauen

14.06.2024 - 03:42:09

Sie isst einen Salat, er packt sich Fleisch auf den Teller: So ein Anblick dĂŒrfte vielen Menschen vertraut sein. Eine Forschergruppe hat untersucht, in welchen LĂ€ndern dieses Verhalten auftaucht.

MĂ€nner essen hĂ€ufiger Fleisch als Frauen - aber dieses Essverhalten ist einer neuen Studie zufolge nicht in allen LĂ€ndern der Welt zu beobachten. Es handele sich also wohl nicht um einen generellen Unterschied zwischen den Geschlechtern, heißt es in einer Untersuchung, die in der Fachzeitschrift «Scientific Reports» veröffentlicht wurde. Vielmehr kam Folgendes heraus: Je entwickelter das Land war und je mehr MĂ€nner und Frauen in dem Land gleichgestellt waren, desto grĂ¶ĂŸer waren die Unterschiede beim Fleischkonsum.

Die Forschenden um Christopher Hopwood von der UniversitĂ€t ZĂŒrich schreiben, dass hĂ€ufig das Gegenteil angenommen werde, nĂ€mlich dass mit zunehmender Gleichberechtigung auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern abnĂ€hmen. Doch immer mehr Forschung zeigte das Gegenteil, nĂ€mlich dass die Unterschiede zunĂ€hmen. 

Wo Ehemann und Ehefrau unterschiedliche Speisen wÀhlen 

Howood und seine Kollegen geben eine ErklĂ€rung dafĂŒr: «Menschen in LĂ€ndern mit grĂ¶ĂŸerer Gleichstellung der Geschlechter haben mehr Möglichkeiten, das zu essen, was sie wollen - weil es dort einen grĂ¶ĂŸeren finanziellen Spielraum gibt und weil der Druck aufgrund der Geschlechterrollen geringer ist.» Zum Beispiel könnten sich Ehepartner bei einer gemeinsamen Mahlzeit auch mal fĂŒr unterschiedliche Dinge entscheiden. DafĂŒr sei das Geld da, es gebe ausreichend vegetarische Optionen und es sei gesellschaftlich akzeptiert.

Da Fleisch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig teuer sei, werde in Ă€rmeren LĂ€ndern tendenziell weniger gegessen, fĂ€hrt Howood fort. Könnten es sich die Menschen aber leisten und frei wĂ€hlen, dann schlĂŒgen vor allem MĂ€nner bei Steak, Wurst und GeflĂŒgel zu. «Frauen in wohlhabenden und geschlechtergerechteren LĂ€ndern essen möglicherweise weniger Fleisch, als man aufgrund der Gesamtwirkung von Wohlstand und Geschlechtergleichheit vermuten könnte.»

Deutschland liegt in der Studie ganz vorne

FĂŒr ihre Untersuchung befragten die Forschenden mehr als 20.000 Menschen aus 23 LĂ€ndern online dazu, wie hĂ€ufig sie Fleisch essen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus Nord- und SĂŒdamerika, aus Europa und Asien. Dabei fiel auf: In Indien, China und Indonesien gab es beim Fleischverzehr wenig Unterschiede zwischen MĂ€nnern und Frauen. Am grĂ¶ĂŸten waren die Unterschiede unter den untersuchten LĂ€ndern in Deutschland. Die Forschenden weisen aber selbst darauf hin, dass 23 LĂ€nder eine «bescheidene Anzahl» sei.

Die genauen GrĂŒnde fĂŒr den Fleischkonsum haben die Forschenden fĂŒr ihre Studie nicht abgefragt. Sie erklĂ€ren aber, dass in vielen Kulturen der Konsum von Fleisch mit MĂ€nnlichkeit und Potenz in Verbindung gebracht werde. Sich vegetarisch ernĂ€hrende MĂ€nner wĂŒrden mancherorts als weniger attraktiv betrachtet als alles essende MĂ€nner. Wie hĂ€ufig MĂ€nner also Fleisch auf ihre Teller legten, könne also auch von kulturellen Normen abhĂ€ngen.

@ dpa.de