SpÀt essen: Studie mit knapp 200.000 Menschen zeigt höheres Leberrisiko
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 10:56 Uhr | Redaktion boerse-global.de
ErnĂ€hrungsexperten und Zahnmediziner weisen verstĂ€rkt darauf hin, wie eng die Wahl der abendlichen Mahlzeiten mit der Mundgesundheit und dem allgemeinen Wohlbefinden verknĂŒpft ist. WĂ€hrend die Zusammensetzung der Nahrung direkte Auswirkungen auf den Zahnschmelz hat, spielen auch der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme und die nĂ€chtliche Mundhygiene eine wesentliche Rolle bei der Vorbeugung von Karies und Begleiterkrankungen.
Die Mechanismen der Kariesentstehung
Karies entsteht durch ein Zusammenspiel von Bakterien wie Streptococcus mutans und Laktobazillen, der zugefĂŒhrten Nahrung sowie dem Faktor Zeit. Diese Mikroorganismen verwerten zuckerhaltige Nahrungsbestandteile und produzieren dabei SĂ€uren, die den pH-Wert im Mundraum absenken.
In der Folge werden wichtige Mineralstoffe aus dem Zahnschmelz gelöst, was als Demineralisation bezeichnet wird. Nach dem Essen verharrt das Mundmilieu typischerweise fĂŒr etwa 20 bis 30 Minuten in diesem sauren Bereich, wie bereits Untersuchungen aus den 1940er-Jahren zur sogenannten Stephan-Kurve im Journal of Dental Research darlegten.
AnschlieĂend sorgt der Speichelfluss dafĂŒr, dass Kalzium und Phosphat an den Schmelz zurĂŒckgefĂŒhrt werden (Remineralisation). Fluorid unterstĂŒtzt diesen Prozess maĂgeblich. Ein Cochrane-Review bestĂ€tigt die kariesvorbeugende Wirkung von fluoridhaltiger Zahnpasta.
Zudem empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), freien Zucker auf unter 10 Prozent, idealerweise auf unter 5 Prozent der tĂ€glichen Energiezufuhr zu begrenzen. Die konsequente Vorsorge zeigt Wirkung: Laut Erhebungen im Bundesgesundheitsblatt sank der Anteil der KariesfĂ€lle bei ZwölfjĂ€hrigen in Deutschland ĂŒber einen Zeitraum von 25 Jahren von ĂŒber 87 Prozent auf knapp 18 Prozent.
FrĂŒhere Thesen aus den 1920er- und 1930er-Jahren, wonach primĂ€r ein allgemeiner Mineralmangel Karies verursache, werden von der modernen Zahnmedizin nicht gestĂŒtzt; auch PhytinsĂ€ure fĂŒhrt bei ausgewogener ErnĂ€hrung nicht zu Karies.
ZusÀtzlicher Schutz durch Kaugummi und Speichelfluss
Zuckerfreie Kaugummis, insbesondere Varianten mit Xylit, können den Schutz nach dem Essen unterstĂŒtzen. Werden sie etwa 20 Minuten nach der Mahlzeit gekaut, regen sie den Speichelfluss an, unterstĂŒtzen das WegspĂŒlen von Speiseresten, neutralisieren SĂ€uren und transportieren Kalzium sowie Phosphat zum Zahnschmelz.
Eine systematische Ăbersichtsarbeit verzeichnete, dass Xylit-Kaugummi in 12 von 14 Studien kariesverursachende Bakterien im Vergleich zu Sorbit reduziertierte.
Zudem ergab die Auswertung rund 28 Prozent weniger neue KariesfĂ€lle im Vergleich zu keinem Kaugummi sowie rund 33 Prozent bei Xylit-Kaugummis, wenngleich die Evidenz als vorlĂ€ufig und gemischt eingestuft wird. Eine separate Cochrane-Auswertung zu Xylit-Kaugummis ergab keine eindeutigen SchlĂŒsse.
Zahnpflegekaugummis ersetzen weder das ZĂ€hneputzen noch Zahnseide oder Fluoridanwendungen. Zudem birgt ĂŒbermĂ€Ăiger Konsum Risiken: Ein Kauen von ĂŒber drei Stunden tĂ€glich kann Kieferschmerzen oder Probleme am Kiefergelenk begĂŒnstigen.
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Die enthaltenen Zuckeralkohole wie Xylit, Sorbit oder Mannit können Magenprobleme und Kopfschmerzen auslösen. Bei festen Zahnspangen, Alignern, Schluckbeschwerden sowie bei Kleinkindern wegen Erstickungsgefahr wird vom Kaugummikauen abgeraten.
Abendliche Mahlzeiten und NĂ€hrstoffe
FĂŒr die Gestaltung des Abendessens empfehlen Fachleute nĂ€hrstoffreiche Zutaten, die den Körper versorgen, ohne die ZĂ€hne unnötig mit freiem Zucker zu belasten.
Als Snack oder MahlzeitenergĂ€nzung bieten sich NĂŒsse wie WalnĂŒsse an. Sie enthalten Tryptophan und pflanzliche Omega-3-FettsĂ€uren (Alpha-LinolensĂ€ure, ALA), die zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels beitragen. Diese positive Wirkung stellt sich bei einer tĂ€glichen Aufnahme von 2 Gramm ALA ein, was bereits durch eine Handvoll WalnĂŒsse (rund 30 Gramm mit circa 2,5 Gramm ALA) erreicht wird.
Eine randomisierte kontrollierte Crossover-Studie der UniversitĂ€t Barcelona untersuchte dazu 2025 den tĂ€glichen Verzehr von 40 Gramm WalnĂŒssen zum Abendessen ĂŒber acht Wochen an 76 gesunden jungen Erwachsenen.
Als einfache und zuckerarme Option fĂŒr den Abend gelten auch Fischgerichte. So liefern etwa Thunfisch-Taler, zubereitet aus abgetropftem Thunfisch im eigenen Saft, gekochten Kartoffeln und Ei, hochwertiges EiweiĂ. Laut BundeslebensmittelschlĂŒssel enthĂ€lt abgetropfter Thunfisch im eigenen Saft pro 100 Gramm rund 96 Kilokalorien, 22,9 Gramm EiweiĂ und 0,4 Gramm Fett bei kaum messbaren Kohlenhydraten.
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Risiken von spÀten Mahlzeiten und Mundtrockenheit
Auch der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme ist relevant. Ein Forschungsteam der Oregon Health & Science University um Robert Wilechansky und Andrew McHill wertete im Rahmen einer 2026 im Fachjournal Clinical Gastroenterology and Hepatology publizierten Beobachtungsstudie Daten von knapp 200.000 Teilnehmenden dreier US-Langzeitstudien aus.
Personen, die regelmĂ€Ăig spĂ€t aĂen oder nĂ€chtliche Snacks zu sich nahmen, wiesen ein um 20 bis 30 Prozent höheres Risiko fĂŒr Fettlebererkrankungen und Leberzirrhose auf als Vergleichspersonen, die spĂ€tabends auf Essen verzichteten. Andrew McHill verwies darauf, dass die Nahrungsaufnahme in der Nacht die FĂ€higkeit verringere, NĂ€hrstoffe effizient zu verstoffwechseln.
Nachts nimmt der schĂŒtzende Speichelfluss natĂŒrlicherweise ab. Laut dem National Health Service (NHS) ist ein trockener Mund in der Nacht selten ernst und oft auf Mundatmung, FlĂŒssigkeitsmangel, Angst oder Medikamente gegen Bluthochdruck, Depressionen und BlasenschwĂ€che zurĂŒckzufĂŒhren.
Das US-Institut NIDCR betont, dass Speichel ZĂ€hne vor Karies und SchleimhĂ€ute vor Pilzinfektionen schĂŒtzt. Betroffene sollten ausreichend Wasser trinken und auf sĂ€urehaltigen Speichelersatz bei echten ZĂ€hnen verzichten.
GrĂŒndliche Mundhygiene als Basis
UnabhĂ€ngig von der ErnĂ€hrung bleibt die mechanische Plaque-Entfernung elementar. ZahnzwischenrĂ€ume machen 30 bis 40 Prozent der gesamten ZahnoberflĂ€che aus. Bleiben sie ungepflegt, bilden dort angesiedelte Bakterien geruchsintensive Schwefelverbindungen, die laut zahnĂ€rztlichen Angaben fĂŒr rund 90 Prozent aller FĂ€lle von Mundgeruch verantwortlich sind.
Fachleute empfehlen, zweimal tĂ€glich mit einer erbsengroĂen Menge fluoridhaltiger Zahnpasta zu putzen und die ZahnzwischenrĂ€ume tĂ€glich mit Zahnseide oder InterdentalbĂŒrsten zu reinigen. Eine professionelle Zahnreinigung (PZR) senkt das Risiko von Karies und Zahnfleischerkrankungen zusĂ€tzlich und unterstĂŒtzt den dauerhaften Erhalt der ZĂ€hne.
