SpÀte Mahlzeiten: OHSU-Studie findet 20 bis 30 Prozent höheres Leberrisiko
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 10:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deNicht nur die Zusammensetzung der Nahrung, sondern auch der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme beeinflusst die metabolische Gesundheit maĂgeblich. Eine Untersuchung der Oregon Health & Science University (OHSU), die Mitte Oktober 2026 im Fachjournal Clinical Gastroenterology and Hepatology erschien, belegt einen engen Zusammenhang zwischen spĂ€ten Mahlzeiten und schweren LeberschĂ€den.
Wer regelmĂ€Ăig nach dem Abendessen oder innerhalb von zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen isst, weist ein um 20 bis 30 Prozent höheres Risiko fĂŒr metabolische Fettlebererkrankungen (MASLD) und Leberzirrhose auf â selbst bei einer insgesamt ausgewogenen ErnĂ€hrungsweise.
Hohes Risiko fĂŒr MASLD und Zirrhose
FĂŒr die Auswertung unter Leitung von Robert Wilechansky analysierte das Forschungsteam der OHSU Daten aus drei groĂen Kohorten: der Nurses' Health Study, der Nurses' Health Study II und der Health Professionals Follow-up Study. Die Stichprobe umfasste fast 200.000 Teilnehmer, die zu Beginn der Erhebungen frei von Lebererkrankungen waren, bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 16 Jahren.
In der gepoolten Analyse traten 4.492 neue MASLD-FĂ€lle und 315 FĂ€lle von Leberzirrhose auf. Die statistische Modellierung ergab fĂŒr gewohnheitsmĂ€Ăiges spĂ€tes Essen eine bereinigte Hazard Ratio von 1,36 fĂŒr MASLD und 1,28 fĂŒr Zirrhose.
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Wurde in einer SensitivitĂ€tsanalyse zusĂ€tzlich fĂŒr Nachtschichtarbeit adjustiert, stieg das relative Risiko fĂŒr eine Zirrhose sogar auf eine Hazard Ratio von 1,49, wĂ€hrend der Wert fĂŒr MASLD unverĂ€ndert blieb.
Auch eine Latenzanalyse ĂŒber einen Zeitraum von vier Jahren bestĂ€tigte das Bild mit einer Hazard Ratio von 1,31 fĂŒr Zirrhose und 1,36 fĂŒr MASLD. Andere Faktoren wie das Auslassen des FrĂŒhstĂŒcks oder eine variable Mahlzeitenfrequenz zeigten nach der Multivariablen-Adjustierung hingegen keine signifikante Verbindung zu den Lebererkrankungen.
Zirkadiane Rhythmen und methodische Einordnung
Die biologische Ursache verorten Mediziner im Zusammenspiel von Stoffwechsel und Biorhythmus. Die Leberfunktionen sind eng mit zirkadianen Rhythmen synchronisiert, weshalb spÀte Mahlzeiten die Verarbeitung von NÀhrstoffen messbar erschweren.
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Hauptautor Wilechansky erklĂ€rte, dass die Begrenzung der Nahrungsaufnahme auf ein Zeitfenster einige Stunden vor dem Schlafen vorteilhaft sein könne. Eine Anpassung der Essenszeiten biete das Potenzial, die Gesundheit zu verbessern, ohne zwingend die Auswahl der Lebensmittel verĂ€ndern zu mĂŒssen.
Gleichzeitig verweisen Fachleute auf methodische Grenzen der Untersuchung. Da es sich um eine Beobachtungsstudie auf Basis von Selbstangaben der Teilnehmer handelt, belegen die Daten eine Assoziation, jedoch keinen kausalen Nachweis. Mögliche Störfaktoren wie SchlafqualitÀt, körperliche Bewegung oder Schichtarbeit können die Ergebnisse beeinflussen.
Zudem entwickelte sich nur bei einem kleinen Teil der Teilnehmer mit einer Fettleber letztlich eine schwere Lebererkrankung. Um die physiologischen Effekte weiter zu ĂŒberprĂŒfen, rekrutiert die OHSU derzeit Probanden fĂŒr ein Projekt, das experimentell prĂŒft, ob eine Vorverlegung der Mahlzeiten die Biomarker bei Patienten mit bestehender Fettleber verbessert.
