Spätes, Essen

Spätes Essen: Studie verknüpft Mahlzeiten nach dem Abendessen mit 36 Prozent mehr MASLD-Risiko

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Langzeitanalyse verbindet späte Mahlzeiten mit höheren relativen Risiken für MASLD und Leberzirrhose, belegt jedoch keine Ursache.
Ein leerer, schattiger Essbereich in der Nacht, der die Stille und die Bedeutung des Zeitpunkts der Nahrungsaufnahme betont. Illustration mit AI erstellt.

Die zeitliche Organisation der Nahrungsaufnahme rückt zunehmend in den Fokus der medizinischen Stoffwechselforschung. Eine am 9. Oktober 2026 im Fachjournal Clinical Gastroenterology and Hepatology veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass spätes Essen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für schwerwiegende Lebererkrankungen einhergeht.

Forschende der Oregon Health & Science University sowie des Massachusetts General Hospital stellten fest, dass Mahlzeiten nach dem Abendessen oder nach der gewohnten Schlafenszeit mit einem um 36 Prozent höheren Risiko für eine metabolische dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) und einem um 28 Prozent höheren Risiko für eine Leberzirrhose verbunden sind.

Umfangreiche Datenbasis über anderthalb Jahrzehnte

Die Analyse stützt sich auf die Daten von 199.155 Teilnehmenden aus der Nurses’ Health Study I und II sowie der Health Professionals Follow-up Study. Das mediane Alter der Kohorte betrug 59 Jahre, wobei der Frauenanteil bei 78 Prozent lag. Über einen medianen Nachbeobachtungszeitraum von rund 16 Jahren hinweg wurden 4.492 Diagnosen einer MASLD sowie 315 Neuerkrankungen an Zirrhose dokumentiert.

Der Zusammenhang zwischen späten Mahlzeiten und den Erkrankungen blieb auch nach der statistischen Bereinigung um zahlreiche Begleitfaktoren stabil. Die Forschenden adjustierten ihre Auswertung unter anderem für Alter, Body-Mass-Index, tägliche Kalorienaufnahme, Diabetesstatus, Alkoholkonsum, körperliche Bewegung, Rauchgewohnheiten, Lipidwerte und Ernährungsqualität.

Bei den ermittelten Werten handelt es sich um einen relativen Unterschied von rund 20 bis 30 Prozent für ein höheres Erkrankungsrisiko, nicht um absolute Prozentpunkte.

Zirkadiane Rhythmen und methodische Einordnung

Nach Angaben des Hauptautors Robert Wilechansky von der Oregon Health & Science University handelt es sich um die erste Langzeitstudie, die einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Mahlzeiten und der Verfettung der Leber abbildet.

Als vermuteter biologischer Mechanismus gilt eine Störung zirkadianer Rhythmen, da die Leber über eine eigene innere Uhr verfügt. Wilechansky betonte zugleich, dass eine Leberverfettung keineswegs mit einer Zirrhose gleichzusetzen sei, da nur ein kleiner Teil der MASLD-Fälle tatsächlich in ein Zirrhosestadium übergehe.

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Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, liefert sie keinen direkten Kausalitätsnachweis. Zudem wurde in der Untersuchung keine fixe Uhrzeit für das Kriterium des späten Essens definiert. Zur weiteren Überprüfung ist eine klinische Follow-up-Studie mit direkter Beobachtung vorgesehen.

Co-Autor Andrew McHill verwies darauf, dass sich aus der Auswertung noch keine definitiven klinischen Leitlinien ableiten ließen, riet jedoch dazu, zwei bis vier Stunden vor der Nachtruhe auf Nahrung zu verzichten. Melissa Mroz-Planells von der Akademie für Ernährung und Diätetik hob hervor, dass ein gelegentlicher Snack vor dem Einschlafen für sich genommen nicht zwingend ungesund sei.

Verbreitung und Begleitforschung zum Mahlzeiten-Timing

Fettlebererkrankungen stellen ein wachsendes Gesundheitsproblem dar: In Italien ist etwa eine von fünf Personen betroffen, in den USA liegt die Prävalenz bei 30 Prozent. Im Kontext der aktuellen Arbeit wird eine nächtliche Essenspause von 10 bis 12 Stunden nahegelegt.

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Dass auch Veranlagungen eine Rolle spielen, belegt eine Studie des schwedischen Karolinska-Instituts in Nature Genetics, in der bei 71.488 Personen europäischer Abstammung aus der UK Biobank 60 genetische Regionen für Leberfett identifiziert wurden, davon 31 neu.

Weitere Arbeiten untermauern die Bedeutung des Zeitpunkts der Nahrungsaufnahme. Eine auf der Konferenz Digestive Disease Week 2026 vorgestellte Beobachtungsstudie zeigte, dass Personen, die mehr als ein Viertel ihrer Tageskalorien nach 21 Uhr zu sich nehmen und unter hoher emotionaler Belastung stehen, eine bis zu 2,5-fach höhere Wahrscheinlichkeit für Verdauungsbeschwerden wie Durchfall oder Verstopfung sowie eine geringere Vielfalt der Darmmikrobiota aufweisen.

Eine Veröffentlichung in Nutrition & Diabetes brachte zudem den Konsum von mehr als der Hälfte der Tageskalorien nach 17 Uhr mit einer schlechteren Stoffwechselgesundheit in Verbindung. Kardiologische Vorarbeiten weisen darauf hin, dass ein größerer zeitlicher Abstand zwischen letzter Mahlzeit und Nachtruhe vorteilhafte Effekte auf Blutdruck, Cortisolspiegel und Insulinsensitivität haben kann.

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