Sprachenlernen: Gezieltes Hören verbessert Aussprache bei Erwachsenen
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas bewusste Fokussieren auf fremdsprachige KlÀnge kann die SprachlernfÀhigkeit und die Aussprache bei Erwachsenen signifikant verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame wissenschaftliche Untersuchung des University College London (UCL) und der UniversitÀt Tohoku, die im Fachblatt Journal of Experimental Psychology: General veröffentlicht wurde. Die Analyse beleuchtet, wie grundlegende auditive FÀhigkeiten und neuronale Verarbeitungsmuster das Erlernen neuer Lautsysteme beeinflussen.
Auditive PrÀzision und neuronale Sprachverarbeitung
Im Rahmen der Untersuchung analysierten die Forscher unter anderem eine Stichprobe von 67 japanischen Englischlernenden sowie eine weitere Teilgruppe von 140 japanischen UniversitĂ€tsstudierenden im Alter von 19 bis 27 Jahren. Dabei zeigte sich, dass eine höhere auditive PrĂ€zision â also das prĂ€zise Erkennen feiner Unterschiede in Tonhöhe, LĂ€nge und Klang bei Nicht-Sprach-GerĂ€uschen â mit einer schnelleren und prĂ€ziseren Aussprache korreliert.
Bei einem Testverfahren mit drei Tönen und minimalen Unterschieden im zweiten Formanten ging diese sensorische Genauigkeit mit einer besseren Identifikation englischer Vokale einher, die im Japanischen keine direkte Entsprechung besitzen, wie etwa bei den Wortpaaren cap und cup sowie bag und bug.
ErgÀnzende Messungen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) bei 67 Teilnehmenden untersuchten die Unterscheidung der englischen Vokale /Ê/ (wie in cat) und /?/ (wie in cup).
Die Daten zeigten deutliche Unterschiede in den HirnaktivitĂ€ten: Lernende mit hoher auditiver PrĂ€zision nutzten bei diesen Lauten das linke sensomotorische System in geringerem MaĂe; ihre AktivitĂ€tsmuster Ă€hnelten vielmehr der Verarbeitung von Nicht-Sprach-Signalen.
Teilnehmer mit geringerer auditiver Genauigkeit griffen hingegen verstĂ€rkt auf dieses linke sensomotorische Netzwerk und bestehende muttersprachliche Schablonen zurĂŒck. Sie wiesen bei Wortvergleichen eine erhöhte AktivitĂ€t in der linken sensomotorischen Region auf, nicht jedoch bei reinen Tönen.
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PĂ€dagogische Konsequenzen fĂŒr den Fremdsprachenunterricht
Aus den Ergebnissen leiten die Wissenschaftler methodische Anpassungen fĂŒr das Sprachenlernen ab. Studienleiter Kazuya Saito-van Poeteren, Professor fĂŒr Zweitsprachenbildung an der UCL, erklĂ€rte laut Berichten von Mitte Oktober 2026, dass Lernende mit einem geschulten Gehör neue fremdsprachige KlĂ€nge objektiv wahrnehmen könnten, ohne diese unmittelbar als Sprache zu interpretieren.
Wenn eine Person die Fremdsprache wöchentlich nur wenige Stunden nutze und höre, falle ein gutes Gehör besonders stark ins Gewicht. Das Problem bestehe hĂ€ufig darin, dass Lernende zu wenig relevantes Wissen erhielten und Unterrichtsmethoden angewendet wĂŒrden, die das Hören kaum trainierten. Der Fremdsprachenunterricht mĂŒsse daher ĂŒber das reine Ăbungsvolumen hinausgehen und gezielt die HörfĂ€higkeit schulen.
In eine Ă€hnliche Richtung wies Padraic Monaghan von der Lancaster University: WĂ€hrend traditionelle Lernkonzepte auf strukturierter Ăbung basierten, sei das menschliche Gehirn von Natur aus darauf eingestellt, Sprachen ĂŒber Exposition und Wahrnehmung zu erwerben. Das Forscherteam empfiehlt daher, vermehrt auf Gehörtraining statt auf reine Vokabel- und Konversationsmethoden zu setzen und den Fokus auf KlĂ€nge statt auf Grammatik zu legen.
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Grenzen der Studienergebnisse und nÀchste Schritte
Die Autoren weisen zugleich auf methodische EinschrÀnkungen der Erhebung hin. So erfasste das Testdesign primÀr die Identifikation zweier spezifischer englischer Vokale, nicht jedoch die aktive AussprachefÀhigkeit im freien Sprechen oder umfassende Englischkenntnisse.
Zudem liegen keine LĂ€ngsschnittdaten vor, und weitere Faktoren wie vorangegangene Auslandsaufenthalte oder gezieltes Aussprachetraining spielen fĂŒr den Gesamterfolg eine erhebliche Rolle. Als nĂ€chsten Arbeitsschritt plant das Team von UCL und UniversitĂ€t Tohoku die Entwicklung eines kombinierten Sprach- und Hörtrainings.
