Stablecoin-Aufstand: 140 Konzerne starten Open USD gegen Circle
05.07.2026 - 00:39:23 | boerse-global.de
Mehr als 140 Unternehmen, darunter Visa, Mastercard, BlackRock und Google, bringen einen neuen Stablecoin auf den Markt – und stellen damit das Geschäftsmodell von Branchenprimus Circle infrage.
Der unter dem Namen Open USD (OUSD) gestartete Stablecoin wurde am 30. Juni 2026 von der Organisation Open Standard vorgestellt. CEO Zach Abrams verfolgt ein ungewöhnliches Modell: Statt die Erträge aus den hinterlegten Reserven selbst einzustreichen, sollen sie an die beteiligten Unternehmen ausgeschüttet werden. Für die Nutzer entfallen zudem sämtliche Gebühren für die Ausgabe und Rücknahme der Token.
Marktführer gerät unter Druck
Die Ankündigung traf den etablierten Wettbewerber hart. Die Aktien von Circle, Herausgeber des Marktführers USDC, stürzten am 30. Juni um rund 17 Prozent ab und notierten am Folgetag bei etwa 63,85 Dollar – ein deutlicher Rückgang gegenüber den Höchstständen des Jahres. Dabei kommt USDC derzeit noch auf eine Marktkapitalisierung von rund 74 Milliarden Dollar.
Der Grund für die Nervosität liegt auf der Hand: Rund 96 Prozent der Circle-Erlöse stammen aus Zinserträgen der USDC-Reserven. Das OUSD-Modell würde diese Einnahmequelle radikal umverteilen.
Coinbase wechselt die Seiten
Ein besonders schwerer Schlag für Circle: Coinbase, bislang enger Partner bei der Entwicklung von USDC, schloss sich am 4. Juli dem OUSD-Konsortium an. Der Zeitpunkt ist brisant, denn der bestehende Verteilungsvertrag mit Circle steht im August 2026 zur Neuverhandlung. 2024 hatte Circle noch 908 Millionen Dollar an Coinbase überwiesen, die Stablecoin-Erlöse der Börse beliefen sich 2025 auf rund 1,35 Milliarden Dollar.
OUSD soll noch 2026 schrittweise eingeführt werden – zunächst auf der Solana-Blockchain, später folgen Stellar, Base und Polygon. Circle-CEO Jeremy Allaire zeigt sich trotzig: Man setze auf den Netzwerkeffekt, die Einhaltung der EU-Kryptoregulierung MiCA und einen Umlauf von 77 Milliarden Dollar Ende des ersten Quartals 2026.
Europäische Banken drängen auf den Markt
Während der OUSD-Verbund auf den Dollar-Markt zielt, treiben europäische Institute parallel die Einführung von Euro-Stablecoins voran. Die MiCA-Verordnung schafft dafür den rechtlichen Rahmen.
Die Crédit Agricole brachte am 3. Juli 2026 EURXT auf den Markt – einen Euro-Stablecoin auf der Ethereum-Blockchain, ausgegeben über die Tochter CACEIS Bank. Erste Anwendung: die Abwicklung eines Geldmarktfonds der Amundi.
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Gleichzeitig stellte das Qivalis-Konsortium aus zwölf Großbanken – darunter BNP Paribas, BBVA, ING und UniCredit – einen eigenen Euro-Stablecoin über die Fireblocks-Plattform vor. Ziel ist es, institutionelle Volumina anzuziehen und eine regulierte Alternative zu den Dollar-Token zu schaffen, die derzeit 99 Prozent des 305 Milliarden Dollar schweren Stablecoin-Marktes ausmachen.
Infrastruktur-Anbieter holen Lizenzen
Mehrere Dienstleister sicherten sich Anfang Juli wichtige Genehmigungen:
- Bridge (im Besitz von Stripe) erhielt am 2. Juli MiCA- und E-Geld-Lizenzen in Luxemburg
- Crossmint bekam am 3. Juli PSD2- und MiCA-Klasse-2-Zulassungen, die kryptobasierte Zahlungen in allen 27 EU-Staaten ermöglichen
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Weltweite Expansion schreitet voran
Auch außerhalb Europas integrieren Finanzinstitute Stablecoins in ihre Angebote:
Die Standard Chartered startete am 2. Juli die institutionelle USDC-Ausgabe und -Rücknahme im Dubai International Financial Centre. Kunden können damit auf Blockchain-Abwicklung zugreifen, ohne eigene Konten bei Circle zu führen.
In Subsahara-Afrika launchten Visa, M-Pesa und Onafriq am 3. Juli einen Stablecoin-Pilot im Kongo. USDC dient dabei der kostengünstigen Abwicklung von Überweisungen – die Gebühren in der Region liegen derzeit bei durchschnittlich acht Prozent.
In Japan entwickelt die Startale Group gemeinsam mit Sony und SBI den ersten Yen-gestützten Stablecoin JPYSC unter einem Treuhandbanken-Modell. Startale hatte zuvor 63 Millionen Dollar von Sony Innovation Fund und SBI eingesammelt.
Das Startup Checker sicherte sich acht Millionen Dollar Seed-Finanzierung unter Führung von Galaxy Ventures und Al Mada Ventures. Seine API, die Finanzinstitute mit Stablecoin-Liquidität verbindet, hat in den vergangenen zwölf Monaten ein Volumen von über drei Milliarden Dollar abgewickelt.
Weitere regulatorische Klarheit verspricht der GENIUS Act, dessen neue Regeln am 18. Juli 2026 veröffentlicht werden sollen.
