SturzprÀvention im Alter: Gezieltes Training kann 32 Millionen Euro sparen
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gezielte körperliche AktivitÀt gewinnt bei der Erhaltung der SelbststÀndigkeit und LebensqualitÀt im höheren Lebensalter zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche Initiativen von Vereinen, Kommunen und Betreuungseinrichtungen verdeutlichen, dass angepasste Trainingsangebote nicht nur physische FÀhigkeiten stabilisieren, sondern auch die gesellschaftliche Teilhabe sichern und Einsamkeit mindern können.
Volkswirtschaftlicher Nutzen und wissenschaftliche Erkenntnisse
Die Relevanz regelmĂ€Ăiger körperlicher BetĂ€tigung wird durch wissenschaftliche und ökonomische Erhebungen gestĂŒtzt. Eine gemeinsame Relevanzanalyse des Berufsverbands Physio Austria und des Forschungsinstituts Economica beziffert das jĂ€hrliche Einsparpotenzial durch gezielte SturzprĂ€vention auf bis zu 32 Millionen Euro.
Bei chronischen RĂŒckenschmerzen könnten demnach jĂ€hrlich 16 bis 34 Millionen Euro an vermiedenen Operationskosten sowie 43 bis 87 Millionen Euro an Krankenstandskosten eingespart werden. Bei Kniearthrose liegen die berechneten Einsparpotenziale zwischen 12 und 32 Millionen Euro pro Jahr.
Auf dem gemeinsamen Kongress der gerontologischen Fachgesellschaften DGGG und DGG, der vom 23. bis 26. September 2026 mit rund 1.200 Teilnehmenden in Frankfurt am Main stattfand, betonte KongressprÀsident Hans-Werner Wahl die notwendige Verbindung von Forschung, PrÀvention und Versorgung.
Brian Kennedy von der National University of Singapore thematisierte in seiner Grundsatzrede Biomarker des Alterns und verwies auf PrĂ€ventionsprogramme in Singapur, wo bereits jeder fĂŒnfte Einwohner Ă€lter als 65 Jahre ist und die Lebenserwartung bei der Geburt im Jahr 2025 fast 84 Jahre betrug.
VielfÀltige Formate in Kommunen und Seniorenresidenzen
In der Praxis etablieren sich unterschiedliche lokale Konzepte. Im BELLINI Quartier in Krefeld findet seit ĂŒber einem Jahr alle zwei Wochen ein Bewegungstraining mit Trainer Jannik Jost statt. Einrichtungsleiterin Sandra Trispel erklĂ€rte, dass die Ăbungen den Seniorinnen und Senioren dabei helfen, leichter aufzustehen und sich besser zu bewegen.
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Beim Seniorenbeirat HambrĂŒcken standen am 1. Oktober 2026 BewegungsĂŒbungen fĂŒr Personen ab 70 Jahren auf dem Programm, die gezielt auch im Sitzen oder im Rollstuhl ausgefĂŒhrt werden können. Dass Bewegungsgruppen zugleich soziale Isolation abbauen, zeigt sich bei der Seniorengymnastik des DRK Rössing, wo körperliche AktivitĂ€t mit GesprĂ€chen verknĂŒpft wird.
Auch kommunale Sport- und Kursangebote verzeichnen Zulauf. In Langenselbold bietet ein seit Januar 2025 bestehendes Ballettprogramm fĂŒr Personen ab 55 Jahren mittlerweile fast 40 Teilnehmenden spezialisierte Bewegungseinheiten nach einem wissenschaftlich entwickelten Konzept der Royal Academy of Dance.
Der Pensionistenverband Ăsterreichs (PVĂ) Wien kooperiert mit ASKĂ Seniorensport Wien fĂŒr ein Kursprogramm, das neben Yoga und GedĂ€chtnistraining auch GehfuĂball und Tischtennis umfasst. In Dresden eröffnete am 9. Oktober 2026 zudem eine Einrichtung, die ein Zirkeltraining an zwölf GerĂ€ten nach norwegischem Vorbild anbietet.
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Gezielte Ăbungsauswahl zur SturzprĂ€vention
Im Fokus vieler Programme steht die StĂ€rkung von Gleichgewicht und Kraft, um dem altersbedingten Sturzrisiko durch schwindende Muskelkraft entgegenzuwirken. Die frĂŒhere SkirennlĂ€uferin Nici Schmidhofer empfiehlt zur Förderung von Balance und StabilitĂ€t fĂŒnf BasisĂŒbungen: den Einbeinstand, das seitliche Beinheben, Kniebeugen mit Festhalten, den UnterarmstĂŒtz sowie seitliche Schritte mit einem elastischen Widerstandsband.
Als alltagsnahe funktionelle Ăbung gilt zudem das einbeinige Aufsteigen auf eine stabile Stufe oder Bank. Diese Bewegung beansprucht GesĂ€Ă- und Oberschenkelmuskulatur sowie die stabilisierenden Muskeln von Rumpf, Knie und Sprunggelenk. Solche Ăbungen unterstĂŒtzen alltĂ€gliche Anforderungen wie das Treppensteigen oder das Einsteigen in Busse und tragen direkt dazu bei, die MobilitĂ€t im Alter eigenstĂ€ndig aufrechtzuerhalten.

