Süßstoffe: Cambridge-Studie findet über 100 Wechselwirkungen mit Darmbakterien
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 23:55 Uhr | Redaktion boerse-global.deKünstliche und pflanzliche Süßungsmittel gelten in der Ernährung oft als kalorienarme Alternative zu herkömmlichem Zucker. Welche Auswirkungen diese Substanzen auf die menschliche Darmflora haben und wie sie mit anderen alltäglichen Verbindungen interagieren, ist Gegenstand biochemischer Untersuchungen.
Eine Laborstudie der MRC Toxicology Unit an der University of Cambridge liefert nun detaillierte Einblicke in Wechselwirkungen zwischen Süßungsmitteln, Darmbakterien und Arzneimitteln.
Zahlreiche Wechselwirkungen im Laborexperiment
Im Rahmen der in der Fachzeitschrift Molecular Systems Biology veröffentlichten Forschungsarbeit untersuchte das Team der University of Cambridge insgesamt 39 Süßstoffe im Kontakt mit 25 verschiedenen Darmbakterienarten. Die Analysen ergaben, dass rund drei Viertel der getesteten Süßstoffe das Wachstum von mindestens einer Bakterienart im Reagenzglas beeinflussten.
Darüber hinaus testeten die Forscher Kombinationen der Süßungsmittel mit weiteren Substanzen, darunter Koffein, das Aroma Vanillin, der Süßstoff Advantam sowie acht weit verbreitete Medikamente. Dabei dokumentierten die Wissenschaftler über 100 unerwartete Wechselwirkungen. In 34 Fällen zeigte sich eine verstärkte Wirkung auf das bakterielle Wachstum, während in 68 Fällen ein hemmender oder abschwächender Effekt verzeichnet wurde.
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Ausgeprägte Effekte bei Kombination mit Duloxetin
Besonders deutliche Veränderungen beobachteten die Wissenschaftler der University of Cambridge beim Zusammenspiel bestimmter Substanzen: Die Kombination aus dem Süßstoff Isosteviol und dem Antidepressivum Duloxetin unterdrückte das Wachstum der Bakterienarten Roseburia intestinalis und Parabacteroides merdae stark.
Duloxetin gehört zu den häufig verordneten Psychopharmaka. In den USA erhielten im Jahr 2023 über 4,2 Millionen Patienten entsprechende Rezepte. In einer im Labor simulierten Darmgemeinschaft aus 25 Arten führte das Zusammenspiel der Substanzen dazu, dass die bakterielle Diversität sank. Zudem zeigten die Zellen im Versuchsaufbau eine erhöhte Toxizität gegenüber Wirtszellen, was auf eine Störung der mikrobiellen Balance hindeutet.
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Grenzen der Übertragbarkeit auf den Menschen
Trotz der deutlichen Befunde ordnen die Autoren der University of Cambridge die Ergebnisse vorsichtig ein. Bei den Daten handelt es sich um Beobachtungen aus standardisierten Laborversuchen. Die Übertragbarkeit auf den lebenden menschlichen Organismus ist bislang nicht belegt.
Es bleibt nach Angaben der Forscher unklar, ob und in welchem Ausmaß derartige Effekte auch unter normalen Ernährungsbedingungen und bei üblichen Verzehrmengen im Verdauungstrakt auftreten. Die Laboruntersuchungen dienten vor allem dazu, grundlegende biochemische Schnittstellen aufzudecken.
Finanziert wurde das wissenschaftliche Vorhaben durch den UK Medical Research Council sowie das europäische Rahmenprogramm EU Horizon 2020. Weitere Studien müssen nun klären, inwieweit die festgestellten Effekte im komplexen Verdauungssystem des Menschen klinische Relevanz besitzen.
