Traditionelle Medizin: China will Lebenserwartung auf 80 Jahre erhöhen
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Peking treibt die Modernisierung der Traditionellen Chinesischen Medizin massiv voran. Mit dem 15. Fünfjahresplan (2026–2030) will die Regierung die TCM flächendeckend ins Gesundheitssystem integrieren – und räumt gleichzeitig mit unsicheren Medikamenten auf.
Lebenserwartung soll auf 80 Jahre steigen
Der Staatsrat bestätigte im Juli die Pläne: Bis 2030 soll ein flächendeckendes TCM-Dienstleistungssystem stehen, das die gesamte Lebensspanne abdeckt. Zehn Hauptaufgaben, 27 spezifische Maßnahmen und 37 Großprojekte sollen das ermöglichen.
Das ehrgeizige Ziel: Die durchschnittliche Lebenserwartung von 79,25 Jahren (2025) auf 80 Jahre zu erhöhen. Rund 450 Millionen chronisch kranke Menschen in China sollen besser versorgt werden. Dafür ist ein „15-Minuten-Gesundheitskreis“ auf Basisebene geplant – medizinische Versorgung in kürzester Zeit für alle Bürger.
Konkrete Umsetzungspläne gibt es bereits. In der Provinz Yunnan sollen bis 2030 rund 80 Prozent der TCM-Krankenhäuser auf Präfekturebene den höchsten Qualitätsstandard (Grad 3A) erreichen. 90 Prozent der Kreiskrankenhäuser sollen den Standard 2A erfüllen. Zudem ist eine flächendeckende Versorgung mit TCM-Zentren in allen Gemeindegesundheitszentren vorgesehen.
Schluss mit „noch unklar“: Strengere Regeln für Medikamente
Parallel zur Infrastruktur-Offensive verschärft Peking die Regulierung von Fertigarzneimitteln. Seit dem 1. Juli 2026 werden Angaben wie „noch unklar“ bei Gegenanzeigen, Nebenwirkungen oder Vorsichtsmaßnahmen bei der Neuregistrierung nicht mehr akzeptiert.
Die Tragweite dieser Neuerung ist enorm: Von den rund 57.000 registrierten TCM-Produkten weisen über 40.000 Lücken in den Sicherheitsinformationen auf. Branchenexperten rechnen damit, dass in den nächsten drei bis fünf Jahren 20 bis 30 Prozent der Zulassungen vom Markt verschwinden könnten. Pharmaunternehmen müssen nun Sicherheitsbewertungen nach der Markteinführung durchführen – Kosten pro Wirkstoff: sechs- bis siebenstellig.
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Auch für Krankenhaus-eigene TCM-Präparate gibt es neue Richtlinien. In der Provinz Jilin sind sie bereits in der Abstimmungsphase. Ziel: Qualitätssicherung und strikte Begrenzung der Anwendung auf die jeweilige Institution.
KI, Meeresmedizin und Kulturtourismus
Die Modernisierung setzt verstärkt auf digitale Technologien. Auf Branchenkonferenzen im Juli wurden KI-Modelle und IoT-Systeme präsentiert, die TCM-Diagnoseverfahren digital kodieren sollen. Möglich werden so eine kontinuierliche Überwachung der körperlichen Konstitution und eine frühzeitige Risikoerkennung.
Ein weiteres Wachstumsfeld: die maritime Pharmazie. Acht Ministerien veröffentlichten im Juli Leitlinien zur Förderung mariner Arzneimittel. Die Branche erzielte 2025 eine Wertschöpfung von 99,6 Milliarden Yuan und soll durch eine koordinierte Innovationskette weiter gestärkt werden.
Auch Hongkong baut seine TCM-Kapazitäten aus. Für Ende Juli 2026 ist der Start spezialisierter Programme zur Behandlung von Schlaganfällen und Rückenschmerzen angekündigt. Langfristig sollen innerhalb von fünf Jahren insgesamt 23 spezialisierte Behandlungsprogramme eingeführt werden – unter anderem für Fruchtbarkeitsbehandlungen und Entwicklungsstörungen.
Und weil Medizin auch Kultur ist: In Tianjin wurden im Juli thematische Routen vorgestellt, die TCM-Kulturdenkmäler und Museen mit modernen Angeboten verknüpfen. Ziel ist es, die Traditionelle Chinesische Medizin für breitere Bevölkerungsschichten und internationale Besucher erlebbar zu machen.
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