TUM RoboGym: 48 Trainingszellen für rund 100 Roboter am Münchner Flughafen
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 02:02 Uhr | Redaktion boerse-global.deNEURA Robotics hat mit dem 4NE1 Gen 4 einen neuen humanoiden Roboter für die Serienproduktion vorgestellt und gemeinsam mit der Technischen Universität München das TUM RoboGym am LabCampus nahe dem Flughafen München eröffnet.
Kurz vor dem Startschuss für die neue Plattform kündigte das Unternehmen zudem eine Partnerschaft mit NXAI an, die auf xLSTM-Architekturen von Sepp Hochreiter setzt und den Bereich der physischen künstlichen Intelligenz erweitern soll, auch wenn der Einsatz im 4NE1 Gen 4 noch nicht bestätigt ist.
Neue Generation mit taktiler Textilhaut und Reflexen
Der 4NE1 Gen 4 wurde laut NEURA Robotics um 20 Prozent leichter konstruiert als sein Vorgängermodell. Das Gewicht sank demnach von 80 Kilogramm auf 64 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,80 Metern.
Der Humanoide verfügt über 55 Freiheitsgrade sowie zwei Hände mit jeweils 12 Freiheitsgraden. Das Gehäuse ist schlanker gestaltet und mit einer schwarzen Textilhaut versehen, die kapazitive und taktile Sensoren integriert.
Für die Steuerung nutzt das System Smart Limbs mit Reflexen auf Gliedmaßenebene sowie das Modell Neuron AI. Dieses Modell verarbeitet als Wahrnehmungs-, Sprach- und Handlungsarchitektur visuelle Signale, Tastsinn, Kraftmessungen, Töne und interne Systemzustände.
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Während der Roboter bereits täglich in firmeneigenen Trainingsstätten aktiv ist, nannte NEURA Robotics bislang keine Angaben zu Preisen, Lieferterminen, konkreten Kunden oder geplanten Stückzahlen, betonte jedoch die Vorbereitung auf die Serienfertigung.
Großangelegte Trainingsinfrastruktur am Flughafen München
Gemeinsam mit der Technischen Universität München betreibt das Unternehmen am LabCampus das TUM RoboGym. Die Einrichtung umfasst über 2.300 Quadratmeter und wird von TUM MIRMI und NEURA betrieben.
Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Professor Lorenzo Masia, die Koordination übernimmt Professor Achim Lilienthal. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt und umfasst eine Gesamtinvestition von rund 17 Millionen Euro, von denen etwa 11 Millionen Euro durch NEURA Robotics finanziert werden.
In der Einrichtung stehen 48 modulare Trainingszellen bereit, in denen eine gemischte Flotte aus rund 100 humanoiden, mobilen und kollaborativen Robotern zum Einsatz kommt, darunter humane Einheiten sowie Modelle wie MiPA und Maira-Arme. Zu den typischen Aufgaben gehören die Montage von Bauteilen, der Umgang mit Werkzeugen, das Falten und Handhaben von Kartons, das Abfüllen von Flaschen sowie das Be- und Entladen von Holzbauteilen.
Datenbasis für Industrie und Dienstleistung
Hauptziel des Zentrums ist es, den Mangel an Trainingsdaten im Bereich der verkörperten künstlichen Intelligenz durch Robotertraining, Simulation und Computing zu beheben. Die gesammelten Daten fließen in die NeuraCloud beziehungsweise in einen kuratierten Cloud-Datenlake. Unternehmen aus mehr als zehn Branchen, darunter Automobilbau, Pharma, Medizintechnik, Logistik und Pflege, nutzen die Anlage bereits für eigene Prozessabläufe.
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NEURA-Chef David Reger bezeichnete die Münchner Einrichtung als erstes offizielles Zentrum dieser Art mit buchbaren Zellen. Der Standort soll als Ausgangspunkt für ein internationales Netzwerk dienen; weitere Zentren sind in Europa, den USA und China sowie in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen geplant.
Parallel eröffnete die TUM vor Ort das TUM Convergence Center für Robotik, KI und Mobilität, zu dem auch die KI.Fabrik und weitere Transferlabore gehören.
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Wissenschaftsminister Markus Blume verwiesen auf das Potenzial intelligenter Robotik für Fertigung und gesellschaftliche Bereiche; das Wirtschaftsministerium unterstützt den Robotik-Inkubator robo.innovate an der Hochschule bis Mitte 2029 mit 7 Millionen Euro.
