Ultraverarbeitete, Lebensmittel

Ultraverarbeitete Lebensmittel: 32 Erkrankungen in BMJ-Studie belegt

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 01:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Forschung belegt: Hochverarbeitete Produkte erhöhen Risiko für 32 Erkrankungen und schädigen die Darmflora.

Ultraverarbeitete Lebensmittel: Neue Studien zu Gesundheitsrisiken
Eine Nahaufnahme von frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln wie GemĂĽse, Obst und Getreide auf einem Holztisch, im Kontrast zu verschwommenen industriellen Elementen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Gleichzeitig boomen Trends wie Clean Eating und Protein-Produkte. Ein Ăśberblick ĂĽber die aktuelle Forschungslage.

Die „Fettsignatur“ im Blut

Eine viel beachtete BMJ-Studie zeigt: Der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPF) erhöht das Risiko für 32 Erkrankungen – darunter Typ-2-Diabetes, Adipositas, Herzinfarkte und bestimmte Krebsarten. Epidemiologen schlagen Alarm.

Noch konkreter werden die Ergebnisse der EPIC-Studie unter Leitung von Dr. Jessica Blanco-López. 15.200 Probanden nahmen teil. Die Forscher dokumentierten eine charakteristische „Fettsignatur“ im Blut der UPF-Konsumenten: signifikant niedrigere Omega-3-Fettsäuren (DHA), dafür mehr industrielle Transfette und gesättigte Fettsäuren. Insgesamt waren 22 Stoffwechselprodukte und acht spezifische Fettsäuren betroffen.

Angriff auf die Darmflora

Die Verarbeitung hinterlässt aber nicht nur im Blut Spuren. Eine Studie von NutraIngredients aus dem Jahr 2026 belegt: Hochverarbeitete Lebensmittel verändern die Zusammensetzung des Mikrobioms massiv. Die Bestände an gesundheitsfördernden Bakterien wie Bifidobacterium und Lactobacillus gehen zurück, die Produktion von Butyrat sinkt.

Besonders kritisch sehen Forscher Emulgatoren wie Polysorbat 80 oder Carrageenan. Sie schädigen die schützende Darmschleimhaut – und das unabhängig von der Kalorienbilanz. Die Expertin Michaela Axt-Gadermann empfiehlt daher: stark verarbeitete Frühstücksprodukte meiden, lieber zu eingeweichten Haferflocken oder Overnight Oats greifen.

Clean Eating statt Fleisch-Imitate

Das Bewusstsein der Verbraucher wächst – und das zeigt sich im Geldbeutel. Zwischen 2022 und 2024 sank der Umsatz mit stark verarbeiteten Bio-Fleischimitaten jährlich um rund 15 Prozent. Stattdessen gewinnen naturbelassene Alternativen wie Tofu, Tempeh und Seitan. Der Trend heißt „Clean Eating“: kurze Zutatenlisten, verständliche Inhaltsstoffe.

Der Fleischkonsum selbst bleibt stabil – in der Schweiz etwa bei 50 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

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Die BMJ-Studie zeigt: 32 Erkrankungen hängen mit ultraverarbeiteten Lebensmitteln zusammen. Doch wie erkennt man UPF im Alltag und findet gesunde Alternativen? Unser kostenloser Guide liefert die Antworten. Jetzt Clean-Eating-Guide anfordern

Der Protein-Hype

Gleichzeitig erleben proteinreiche Produkte einen Boom. Marktforscher von Nielsen IQ beobachten: Konsumenten reagieren positiv auf „Protein“-Etiketten. Unternehmen nutzen das für geschickte Neupositionierungen. Harzer Käse heißt plötzlich „Quäse Protein“ – bei unveränderter Rezeptur. Skyr ist zeitweise ausverkauft.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht das kritisch. „Spezielle High-Protein-Produkte sind in der Regel überflüssig“, sagt Silke Restemeyer von der DGE. Eine ausgewogene Ernährung decke den Bedarf problemlos.

Neue Technologien als Ausweg?

Die Industrie sucht nach Antworten. Ein Beispiel: die Kooperation zwischen Crespel & Deiters und dem finnischen Partner Happy Plant Protein. In Helmond setzen sie auf Trockenextrusion von Ackerbohnen und Erbsen. Das Verfahren trennt Protein und Stärke in einem Schritt – ganz ohne Chemikalien. Beim Proteinnovation Summit 2026 galt die Technologie bereits als richtungsweisend.

Vorsicht vor Werbeversprechen

Doch nicht jeder Trend hält, was er verspricht. „Glow Coffee“ etwa – Kaffee mit Kollagenpulver für schöne Haut – ist aus wissenschaftlicher Sicht Unsinn. „Kollagen wird im Verdauungstrakt wie jedes andere Eiweiß zerlegt“, erklärt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat keinen entsprechenden Health Claim zugelassen.

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Ihr Mikrobiom leidet unter Emulgatoren wie Polysorbat 80 und Carrageenan – das belegt eine aktuelle Studie. Statt teurer Fleisch-Imitate setzen Experten auf Clean Eating. Erfahren Sie in 3 Schritten, wie Sie Ihre Darmflora stärken. Darmflora-Ratgeber jetzt sichern

Auch der Nutri-Score steht in der Kritik. Der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop bezeichnet ihn als irreführend: Die Gesundheit eines Menschen lasse sich nicht durch die Bewertung einzelner Industrieprodukte bestimmen. Entscheidend sei eine ganzheitliche Betrachtung des Lebensstils – inklusive Bewegung und natürlicher Nährstoffquellen.

Ein historischer Vergleich untermauert diese Sicht: Der Fleischkonsum lag um 1900 auf ähnlichem Niveau wie heute. Der tägliche Zuckerkonsum betrug 1938 jedoch nur 68 Gramm – heute sind es 90 Gramm. Die höhere Rate an Zivilisationskrankheiten führen Experten vor allem auf den Kalorienüberschuss bei gleichzeitigem Bewegungsmangel zurück.

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