Ultraverarbeitete, Nahrung

Ultraverarbeitete Nahrung: Studie zeigt höhere Insulinantwort trotz gleicher NÀhrwerte

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei vergleichbaren NÀhrwerten lösten stark verarbeitete Mahlzeiten eine höhere Insulinantwort und messbare Verschiebungen im Energiestoffwechsel aus.

Virginia-Tech-Studie: Verarbeitungsgrad verÀndert die Insulinreaktion
NatĂŒrliche, unverarbeitete Lebensmittel wie eine Banane, ein Ei und ein StĂŒck KĂ€se auf einer rustikalen HolzoberflĂ€che. Illustration mit AI erstellt.

Die Debatte ĂŒber die gesundheitlichen Folgen industriell verarbeiteter Nahrung gewinnt an SchĂ€rfe. Eine im Fachjournal Nature Metabolism veröffentlichte Untersuchung des Fralin Biomedical Research Institute an der Virginia Tech legt nahe, dass der Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln direkte Stoffwechselreaktionen steuert – selbst wenn die NĂ€hrwerte auf dem Papier nahezu identisch sind.

Das Forschungsteam um Zach Hutelin und Alexandra DiFeliceantonio analysierte, wie der Körper auf ultraverarbeitete im Vergleich zu minimal verarbeiteten Mahlzeiten reagiert.

Identische NĂ€hrstoffprofile, abweichende Insulinreaktion

In der randomisierten kontrollierten Crossover-Studie untersuchten die Fachleute 57 normalgewichtige Erwachsene im Alter von 18 bis 45 Jahren mit normalem Body-Mass-Index (BMI). Die Teilnehmenden ernĂ€hrten sich im Alltag zu gewohnheitsmĂ€ĂŸig rund 54 Prozent von ultraverarbeiteten Produkten. Im Experiment erhielten die Probanden zwei Testmahlzeiten von jeweils circa 300 Kilokalorien.

Die Mahlzeiten waren mithilfe von Algorithmen prĂ€zise aufeinander abgestimmt: Hinsichtlich Gewicht, Energiegehalt, MakronĂ€hrstoffen, glykĂ€mischem Index, Ballaststoffen, Natrium und Wasser lag die maximale Abweichung bei lediglich 1,6 Prozent oder darunter. Die wenig verarbeitete Mahlzeit setzte sich aus Banane, KĂ€se und Ei zusammen. Das ultraverarbeitete GegenstĂŒck bestand aus Keksen, FrĂŒhstĂŒckscerealien und Instant-KartoffelpĂŒree.

Insgesamt 32 Teilnehmer absolvierten beide Stoffwechseltests. Über einen Zeitraum von drei Stunden zeigte die Blutzucker-FlĂ€che unter der Kurve (AUC) keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden Mahlzeiten. Dennoch fiel die Insulinantwort nach dem Verzehr der ultraverarbeiteten Nahrung insgesamt signifikant höher aus. Besonders deutlich trat diese erhöhte InsulinausschĂŒttung im Zeitraum von 40 bis 120 Minuten nach dem Essen auf.

Verschiebungen bei Verbrennung und Energieverbrauch

Neben dem Insulinhaushalt erfassten die Forscher weitere metabolische Parameter. Nach der ultraverarbeiteten Mahlzeit verzeichneten sie eine höhere Stoffwechselrate und einen höheren Energieverbrauch. Zugleich sank der respiratorische Austauschquotient (RER): Die Kohlenhydratverbrennung fiel geringer aus, wÀhrend die Fettoxidation zunahm.

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Der typische physiologische Wechsel von Fett- zu Kohlenhydratverbrennung nach einer Mahlzeit war dadurch merklich abgeschwĂ€cht. Erstautor Zach Hutelin erklĂ€rte hierzu, das Forschungsteam sei ĂŒberrascht gewesen, dass tatsĂ€chlich jede einzelne gemessene Stoffwechselmetrik abgewichen sei.

Die Ergebnisse erweitern frĂŒhere Beobachtungen. So hatte bereits eine Studie der US-Gesundheitsbehörde NIH aus dem Jahr 2019 gezeigt, dass eine ultraprozessierte ErnĂ€hrungsweise zu einer zusĂ€tzlichen Aufnahme von rund 500 Kilokalorien pro Tag und folglich zu einer Gewichtszunahme fĂŒhrte. Die neuen Daten der Virginia Tech verdeutlichen nun, dass metabolische Abweichungen bereits auf Ebene einzelner Mahlzeiten auftreten.

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Signale im Gehirn und methodische Grenzen

Parallel zu den Stoffwechseltests durchliefen 52 Probanden eine Untersuchung mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT). Dabei betrachteten sie jeweils 14 Abbildungen von ultraverarbeiteten und 14 Bildern von wenig verarbeiteten Lebensmitteln.

Die Messungen ergaben, dass Wertsignale im linken Fusiform- und Lingualgyrus fĂŒr nicht-ultraprozessierte Produkte positiv, fĂŒr ultraprozessierte hingegen negativ ausfielen. Ein ĂŒbereinstimmendes Signalmuster zeigte sich im rechten Putamen und Caudatus.

Die individuelle Zahlungsbereitschaft fĂŒr die gezeigten Produkte unterschied sich dagegen nicht signifikant. Bei 29 Teilnehmenden mit auswertbaren kombinierten Daten stand die Kohlenhydratverbrennung zudem in Zusammenhang mit der Reaktion im Striatum.

Trotz der detaillierten Messungen weisen die Autoren auf methodische EinschrÀnkungen hin. Es handelte sich um eine akute Untersuchung an einer kleinen Stichprobe von Normalgewichtigen, bei der lediglich eine einzelne Mahlzeit verabreicht wurde.

Zudem unterschieden sich die eingesetzten Proteinquellen zwischen den Bedingungen, und die physikalische Lebensmittelmatrix wurde nicht direkt messtechnisch erfasst. Weitere Untersuchungen mĂŒssen klĂ€ren, welche langfristigen Folgen diese akuten Stoffwechselverschiebungen fĂŒr die Entstehung chronischer Krankheiten haben.

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