USA, Deutschland

Trump warnt Schwangere vor Paracetamol: Experte widerspricht

23.09.2025 - 12:18:17

US-PrĂ€sident Donald Trump warnt schwangere Frauen wegen eines angeblichen Autismus-Risikos fĂŒr ihre Kinder öffentlich vor der Einnahme von Paracetamol. Zurecht? Experten sind sich einig: Nein.

  • Trump und sein Gesundheitsminister nehmen Autismus in den Fokus.  - Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa

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  • Schwangere sollten Medikamente nach Angaben des Berufsverbands der FrauenĂ€rzte grundsĂ€tzlich nur nach Ă€rztlichem Rat nehmen. (Symbolbild) - Foto: Patrick Pleul/dpa

    Patrick Pleul/dpa

Trump und sein Gesundheitsminister nehmen Autismus in den Fokus.  - Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpaSchwangere sollten Medikamente nach Angaben des Berufsverbands der FrauenÀrzte grundsÀtzlich nur nach Àrztlichem Rat nehmen. (Symbolbild) - Foto: Patrick Pleul/dpa

US-PrĂ€sident Donald Trump hat schwangere Frauen wegen angeblicher Autismus-Gefahr fĂŒr ihre Kinder vor der Einnahme von Paracetamol gewarnt - Experten widersprechen ihm jedoch deutlich. «Da ist natĂŒrlich nichts dran», betont Maik Pommer, Sprecher des Bundesinstituts fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

«Solche Aspekte werden selbstverstĂ€ndlich in der gesamten EU gemeinsam durch alle Gesundheits- und Arzneimittelbehörden engmaschig ĂŒberwacht», erklĂ€rte Pommer. Die Studienlage bei dem Thema sei eindeutig. Wie auch bei anderen Medikamenten seien alle Risiken in der Packungsbeilage aufgefĂŒhrt, eine solche Autismus-Warnung sei nicht darunter.

Trump warnte Schwangere vor der Einnahme des fiebersenkenden Schmerzmittels Tylenol, das Paracetamol enthĂ€lt, mehrmals mit klaren Worten und brachte dabei ein Risiko von Autismus-Folgen fĂŒr ihre Kinder ins Spiel. Schwangere sollten es nur dann einnehmen, wenn es absolut notwendig sei. Trump lieferte keine Belege fĂŒr seine Warnung. 

Widerspruch auch aus den USA

Auf der Webseite der Medikamenten-Marke Tylenol der Firma Kenvue hieß es, seit Generationen vertrauten Familien auf das Medikament. Wissenschaftliche Daten ergĂ€ben keinen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Autismus und der Einnahme des Medikaments. 

Auch die zustÀndige amerikanische Fachgesellschaft «The American College of Obstetricians and Gynecologists» (ACOG) stellte sich in einem Statement klar gegen die Empfehlung der US-Regierung, die auch vom Gesundheitsministerium veröffentlicht wurde. Die EinschÀtzung ignoriere sÀmtliche wissenschaftliche Erkenntnisse und vereinfache die vielfÀltigen und komplexen Ursachen neurologischer Probleme bei Kindern auf gefÀhrliche Weise.

ACOG: Warnung «höchst beunruhigend» und «unverantwortlich»

«Es ist höchst beunruhigend, dass unsere Bundesgesundheitsbehörden bereit sind, eine AnkĂŒndigung zu machen, die die Gesundheit und das Wohlbefinden von Millionen von Menschen beeintrĂ€chtigt, ohne dass hierfĂŒr verlĂ€ssliche Daten vorliegen», heißt es auf der ACOG-Webseite.

Zudem seien Trumps Empfehlungen «unverantwortlich, wenn man bedenkt, welche schĂ€dliche und verwirrende Botschaft sie schwangeren Patientinnen vermitteln, einschließlich derjenigen, die wĂ€hrend der Schwangerschaft möglicherweise auf dieses nĂŒtzliche Medikament angewiesen sind.» Keine einzige seriöse Studie könne einen Zusammenhang belegen. Paracetamol wird oft auch Acetaminophen genannt.

WHO warnt vor vorschnellen RĂŒckschlĂŒssen 

Ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf sagte, es habe zwar einige Beobachtungsstudien gegeben, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Autismus und dem Wirkstoff Acetaminophen nahegelegt hĂ€tten, wenn er frĂŒh in der Schwangerschaft eingenommen wurde. «Aber die Beweislage bleibt uneinheitlich», sagte er. «Mehrere Studien, die danach durchgefĂŒhrt wurden, haben keinen solchen Zusammenhang festgestellt.» 

Wenn es einen starken Zusammenhang gĂ€be, hĂ€tte dies in mehreren Studien ĂŒbereinstimmend festgestellt werden mĂŒssen. «Diese mangelnde Reproduzierbarkeit erfordert daher große Vorsicht bei der Ableitung von KausalitĂ€ten hinsichtlich der Rolle von Acetaminophen bei Autismus», sagte der Sprecher. Schwangere sollten bei der Einnahme von Medikamenten immer dem Rat ihrer Ärzte oder GesundheitsfachkrĂ€fte folgen, die individuelle UmstĂ€nde beurteilen könnten.

Das unterstreicht auch der deutsche Berufsverband der FrauenĂ€rzte: «Schwangere Patientinnen sollten Medikamente grundsĂ€tzlich nur in RĂŒcksprache mit der FrauenĂ€rztin oder dem Frauenarzt einnehmen.» Dennoch orientiere man sich am BfArM und dem Institut Embryotox der Berliner UniversitĂ€tsmedizin CharitĂ©, die in der Studienlage um Paracetamol keine ausreichenden Hinweise fĂŒr einen Zusammenhang zu Autismus sehen.

Embryotox und «Nature» ordnen Studien ein

Embryotox bezeichnet auf seiner Webseite Paracetamol in einer Schwangerschaft als ein bewĂ€hrtes und gut vertrĂ€gliches Mittel gegen medikamentös behandlungspflichtige Schmerzen. «Wie jede andere Schmerzmedikation auch, darf Paracetamol nicht unkritisch und ohne Ă€rztlichen Rat tagelang oder sogar ĂŒber mehrere Wochen eingenommen werden», heißt es dort. «Besteht eine klare Indikation, so ist Paracetamol weiterhin als ein Mittel der Wahl anzusehen.»

Zwar gibt es laut Embryotox Studien, die einen Zusammenhang zwischen Paracetamol-Einnahme im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel und Autismus sehen, diese seien jedoch kritisch zu bewerten, da sie andere Einflussfaktoren nur unvollstÀndig erfasst hÀtten. Diese Faktoren seien beispielsweise die Genetik, das soziale Umfeld oder auch Erkrankungen der Mutter. Zudem hÀtten sie zahlreiche weitere methodische SchwÀchen.

Ein Artikel der Fachzeitschrift «Nature» verweist zudem auf eine schwedische Studie mit Geschwisterkindern, von denen nur eins wÀhrend der Schwangerschaft Paracetamol ausgesetzt war. Mit dieser Methode fanden die Forscher keinen Zusammenhang zwischen Paracetamol und Autismus.

Was ist Autismus?

Fachexperten beschreiben Autismus (auch Autismus-Spektrum-Störung) als eine Entwicklungsstörung. Als Merkmale gelten Probleme im sozialen Umgang mit anderen Menschen, Kommunikationsschwierigkeiten und Verhaltensweisen, die sich wiederholen.

Der Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus (autismus Deutschland e.V.) schreibt, dass es vorkommen könne, dass Menschen mit Autismus emotionale Signale schwer einschĂ€tzen und diese ebenso schwer aussenden könnten. Zudem hĂ€tten sie große Probleme, wenn sich HandlungsablĂ€ufe verĂ€nderten. Es ist demnach nicht vollstĂ€ndig aufgeklĂ€rt, welche Ursachen Autismus hervorrufen.

@ dpa.de

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