Vitamin-D-Test, Fachleute

Vitamin-D-Test: Fachleute fordern einheitliche Messung des Blutspiegels

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 02:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Unterschiedliche Testmethoden und Grenzwerte erschweren die Bewertung des Vitamin-D-Status; Fachleute verlangen standardisierte Messungen.
Modernes Laborgerät zur Blutanalytik in einem sterilen, hellen medizinischen Umfeld. Illustration mit AI erstellt.

Die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels im Blut gewinnt in der medizinischen Praxis zunehmend an Bedeutung, wirft jedoch erhebliche methodische Fragen auf. Fachleute fordern eine Standardisierung der 25(OH)D-Bestimmung im Serum.

Der Marker gilt als die einzige zuverlässige Messgröße, um den Versorgungsstatus verlässlich abzubilden. Die Messung soll dabei sowohl vor dem Beginn als auch während einer laufenden Vitamin-D-Therapie erfolgen, um Dosierungen präzise zu steuern.

Hintergrund der Initiative ist die weltweite Verbreitung von Versorgungsdefiziten. Global sind über 1 Milliarde Menschen von einem Vitamin-D-Mangel betroffen. Zudem leiden fast 2 Milliarden Frauen an Osteoporose; in der Altersgruppe der 60- bis 70-jährigen Frauen ist etwa ein Drittel betroffen, bei den über 80-Jährigen steigt der Anteil auf zwei Drittel.

Methodische Unterschiede bei Laboranalysen

Ein zentrales Problem der Diagnostik stellen Abweichungen zwischen den angewandten Testverfahren dar. Laut Professor Pan Baishan von der Fudan-Universität weichen viele etablierte Messmethoden vom Referenzstandard ID-XLC-MS/MS ab.

Anzeige

Wer sich mit der Bedeutung von Blutuntersuchungen befasst, sollte die Interpretation der Ergebnisse nicht allein dem Zufall überlassen. Dieser kostenlose Report erklärt verständlich, was wichtige Werte wirklich aussagen und wie Sie Fehldiagnosen vermeiden. Laborwerte-Selbstcheck: Jetzt kostenlos herunterladen

Während Verfahren wie HPLC und LC-MS/MS als genauer eingestuft werden, gelten sie in der Praxis als teuer und langsam. Aus diesem Grund setzen klinische Einrichtungen überwiegend auf automatisierte Immunchemilumineszenz-Verfahren.

Dass diese Methoden teils heterogene Resultate liefern, belegt unter anderem eine niederländische Untersuchung unter Leitung von Heijboer. Die Studie verglich sechs Verfahren – namentlich Architect, Centaur, iSYS, Liaison, Elecsys sowie einen Radioimmunoassay (RIA) – mit dem Goldstandard ID-XLC-MS/MS.

Als eine wesentliche Ursache für messtechnische Ungenauigkeiten wurde unter anderem das Vitamin-D-Bindungsprotein identifiziert. Innerhalb des Vergleichs zeigte das Verfahren Elecsys eine gute Übereinstimmung mit LC-MS/MS bei einem Intra-Assay-Variationskoeffizienten von höchstens 6 Prozent und einem Inter-Assay-Variationskoeffizienten von maximal 8 Prozent.

Zielgruppen und uneinheitliche Grenzwerte

Für Risikogruppen empfehlen Fachkreise eine Bestimmung des Ausgangswerts (Baseline) sowie eine Kontrollmessung nach drei Monaten, bis der angestrebte Zielwert erreicht ist. Eine Fachärztin für integrative Medizin rät Personen mit erhöhtem Risiko dazu, die 25(OH)D-Werte im Serum gezielt prüfen zu lassen, anstatt auf das Auftreten von Symptomen zu warten.

Gleichzeitig grenzen Fachgesellschaften den Kreis der Testpersonen ein. Eine Leitlinie der Endocrine Society spricht sich gegen routinemäßige Messungen bei gesunden Menschen aus. Ein potenzieller Zusatznutzen durch Tests wird demnach nur bei vier konkreten Gruppen gesehen: Schwangeren, Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 bis 18 Jahren, Personen über 75 Jahren sowie Menschen mit Prädiabetes.

Anzeige

Neben Vitaminen spielen auch andere Vitalstoffe eine entscheidende Rolle für das körperliche Wohlbefinden im Alter. Erfahren Sie in diesem 25-seitigen Leitfaden, welche zehn Werte Sie kennen sollten, um Ihre Gesundheit aktiv zu schützen. Gratis-PDF: Die 10 wichtigsten Vitalstoff-Werte

Uneinheitlich präsentieren sich die Definitionen der Grenzwerte. Kai-J. Lüthgens vom Labor Enders definiert einen Mangel ab einem Wert von unter 20 ng/ml. Das Robert Koch-Institut (RKI) ordnet diesen Bereich hingegen als suboptimale Versorgung ein und spricht erst bei Werten unter 10 ng/ml von einem schweren Mangel.

Das RKI verweist zudem darauf, dass 25(OH)D starken saisonalen Schwankungen unterliegt und ein klinischer Mangel erst bei längerem Ausbleiben der körpereigenen Synthese sowie deutlichen Symptomen anzunehmen sei.

Als Zielbereich empfiehlt das RKI Werte von 30 bis 50 ng/ml, wobei 20 ng/ml als untere Norm gelten und ab mehr als 50 ng/ml eine mögliche Überversorgung gesehen wird. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) wiederum stuft Werte unter 25 bis 30 nmol/l (10 bis 12 ng/ml) als mangelhaft ein und benennt Werte ab 50 nmol/l (20 ng/ml) als anzustrebenden Bereich.

Regionale Befunde und Testkosten

Untersuchungen verdeutlichen das Ausmaß geografischer und saisonaler Effekte. Nach Angaben der Eidgenössischen Ernährungskommission weisen rund 50 Prozent der Schweizer Bevölkerung niedrige Vitamin-D-Werte auf; eine Untersuchung an Schwangeren in Bern ergab bei 73 Prozent Werte von unter 50 nmol/L.

Ähnliche Tendenzen zeigen Daten aus der Region Irkutsk, die einer Studie zufolge von September beziehungsweise Oktober bis März beziehungsweise Mai in einer Zone mit UV-Unterversorgung liegt.

Die Auswertung von 3261 Analysen von Kindern und Erwachsenen über das Irkutsker klinische Diagnostikzentrum und das Labor Invitro belegte einen generell niedrigen 25(OH)D3-Status, insbesondere bei Jugendlichen und Personen über 70 Jahren. Bei 68 Prozent der dort erfassten Kinder wurde eine Insuffizienz oder ein Mangel festgestellt.

Für Patienten in Deutschland variiert der finanzielle Aufwand: Ein Bluttest schlägt laut Stiftung Warentest mit etwa 20 bis 50 Euro zu Buche. Liegt ein begründeter Verdacht auf einen Mangel vor, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für die Diagnostik.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70401532 |