Zucker und Antibiotika: 100 Gramm gehen mit 24 Prozent weniger Darmvielfalt einher
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 10:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wie spezifische ErnÀhrungsweisen und NÀhrstoffe die Zusammensetzung und Funktion des Darmmikrobioms beeinflussen, ist Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen.
Zahlreiche Arbeiten beleuchten die komplexen Wechselwirkungen zwischen NÀhrstoffzufuhr, bakteriellen Stoffwechselprodukten und der Gesundheit verschiedener Spezies. Die Ergebnisse verdeutlichen sowohl das therapeutische Potenzial gezielter ErnÀhrungsinterventionen als auch die Risiken bestimmter ErnÀhrungsmuster.
Zuckeraufnahme und bakterielle Vielfalt unter Antibiotika
Eine in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Untersuchung an 173 stationÀr behandelten Patientinnen und Patienten mit Blutkrebs nach Stammzelltransplantation liefert neue Hinweise auf ErnÀhrungseffekte wÀhrend medizinischer Behandlungen.
Die Forschenden analysierten 9.419 Mahlzeiten sowie serielle Stuhlproben von 158 Betroffenen. Dabei zeigte sich, dass eine zuckerreiche ErnÀhrung wÀhrend einer Antibiotikatherapie mit einem deutlichen Verlust an bakterieller Vielfalt einherging.
Laut Modellrechnung sank die mikrobielle Alpha-DiversitĂ€t je 100 Gramm zusĂ€tzlicher Nahrung aus zuckerreichen Kategorien um etwa 24 Prozent. Betrachteten die Forschenden die reine Zuckeraufnahme in den 48 Stunden vor der Behandlung, war jede zusĂ€tzliche Menge von 100 Gramm mit einem RĂŒckgang der DiversitĂ€t um 21 Prozent verbunden. Gleichzeitig stieg das Vorkommen von Enterococcus faecium.
In ergĂ€nzenden Mausexperimenten war die Menge an Enterokokken unter Antibiotikagabe in Kombination mit Saccharose am dritten Tag um das 16,3-Fache und am sechsten Tag um das 33,4-Fache erhöht gegenĂŒber Tieren ohne Zuckerzufuhr. Da es sich um schwer erkrankte Probanden handelte, bleibt die direkte Ăbertragbarkeit auf gesunde Personen jedoch offen.
Was Gelenkschmerzen, Blutzuckerspitzen und stĂ€ndige MĂŒdigkeit gemeinsam haben, ist oft eine Fehlbesiedlung im Körper. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie mit den 12 stĂ€rksten natĂŒrlichen EntzĂŒndungs-Killern gezielt gegen Beschwerden vorgehen können. EntzĂŒndungshemmende ErnĂ€hrung: Gratis-Ratgeber sichern
Gezielte NĂ€hrstoffzufuhr und Stoffwechselmarker
Andere Untersuchungen widmen sich den Effekten spezifischer Nahrungsmittel auf Darmbakterien und Stoffwechselparameter. In einer kontrollierten Studie mit 15 Erwachsenen ersetzten die Teilnehmenden ĂŒber vier Wochen hinweg einen Snack durch tĂ€glich 42,5 Gramm Mandeln, ohne die Gesamtkalorienzahl zu steigern.
In der Folge nahm das Bakterium Faecalibacterium prausnitzii zu, wĂ€hrend einige EntzĂŒndungsmarker sanken und die Peptidhormone GLP-1 sowie Peptid YY anstiegen. Die GesamtdiversitĂ€t verĂ€nderte sich dabei nicht signifikant.
An der UniversitĂ€t Bern wird unterdessen der Einsatz von ballaststoffhaltigem Kaugummi zur Adipositasbehandlung erforscht. In einer Studie mit 105 adipösen Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 16 Jahren, die dreimal tĂ€glich fĂŒr rund 20 Minuten den Kaugummi kauten, sank der BMI-Z-Score nach sechs Monaten im Schnitt um etwa 7,5 Prozent. Der genaue mikrobiologische Wirkmechanismus wird derzeit weiter untersucht.
Wer sich mit dem Einfluss von ErnĂ€hrung auf die Blutwerte befasst, sollte die Bedeutung der Laborergebnisse richtig einordnen können. Erfahren Sie in diesem kostenlosen 25-seitigen PDF-Report, wie Sie Ihre Werte selbst verstehen und MĂ€ngel frĂŒhzeitig erkennen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt herunterladen
Auch mikrobielle Stoffwechselprodukte selbst stehen im Fokus. In Nature Metabolism beschrieben Forschende bereits fĂŒr das Jahr 2025, wie mikrobiell gebildetes Trimethylamin experimentell die Kinase IRAK4 hemmte und metabolische EntzĂŒndungen dĂ€mpfte. Cholin-Gaben verbesserten in diesen Modellversuchen die InsulinsensitivitĂ€t, sofern die mikrobielle Umwandlung intakt blieb.
Mikrobielle Proteine und veterinÀrmedizinische Befunde
Der Einfluss von NĂ€hrstoffen reicht ĂŒber den Menschen hinaus. Im September 2026 erschien in PLOS ONE ein Heimversuch mit 30 Hunden und 30 Katzen, bei dem Trockenfutter mit einem Anteil von 10 Prozent mikrobiellem Protein getestet wurde. Hunde fraĂen ĂŒber 72 Prozent der angebotenen Nahrung auf Mikrobenbasis, und auch Katzen nahmen das Futter gut an.
Zudem untersuchte das US-amerikanische Bridge Animal Referral Center Stuhlproben von 51 Hunden mit Krebserkrankungen, die eine Immuntherapie erhielten. Dabei korrelierten elf Bakterienarten unabhĂ€ngig von Rasse und Tumorart mit den Ăberlebenszeiten. Ob sich diese ZusammenhĂ€nge therapeutisch ĂŒber Probiotika oder Mikrobiomtransfers nutzen lassen, ist wissenschaftlich noch nicht belegt.
