Zucker und Antibiotika: 100 Gramm mehr hängen mit 21 Prozent weniger Darmvielfalt zusammen
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 22:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen analysieren verstärkt den Zusammenhang zwischen dem Verlust nützlicher Darmbakterien bei Entzündungen und neuen Lebensmittelunverträglichkeiten sowie das Potenzial von Süßholzwurzel-Verbindungen als therapeutischen Ansatz. Parallel dazu beleuchten mehrere Studien, wie Ernährungsgewohnheiten, Medikamente und die mikrobielle Zusammensetzung des Darms Entzündungsprozesse im Körper steuern.
Zusammenspiel von Antibiotika und Zuckerkonsum
Eine US-Studie des Memorial Sloan Kettering Cancer Center untersuchte 173 Blutkrebspatienten nach einer Stammzelltransplantation unter dem Einfluss von Breitbandantibiotika. Die Forscher erfassten dabei 9.419 Mahlzeiten sowie 1.009 Stuhlproben von 158 Patienten.
Während der Antibiotikaeinnahme zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen zusätzlichem Zuckerkonsum und einer verringerten Vielfalt der Darmbakterien: Je 100 Gramm zusätzlichem Zucker sank die Diversität nach Berechnungen der Wissenschaftler um rund 21 Prozent, während der Keim Enterococcus faecium zunahm.
Nach dem Absetzen der Antibiotika war dieser Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Bakterienvielfalt nicht mehr nachweisbar. In Versuchen mit Mäusen trat ein vergleichbarer Effekt ebenfalls nur bei der Kombination von Zucker und Antibiotika auf. Die Autoren betonen, dass diese Beobachtungen einen Zusammenhang darstellen, aber keine Kausalität belegen.
Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen ohnehin, maximal 10 Prozent der täglichen Gesamtenergie über zugesetzten Zucker aufzunehmen, was bei Erwachsenen etwa 50 Gramm pro Tag entspricht.
Bakterielle Strukturen und Entzündungsreaktionen
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Einen weiteren Aspekt untersuchte ein Team um Kelsey Huus im Fachjournal Science. In einer Studie an 171 gesunden Erwachsenen im Alter von 18 bis 40 Jahren vor und nach der dritten Dosis des BioNTech-mRNA-Impfstoffs war ein Temperaturanstieg von mindestens 0,8 Grad Celsius mit einem höheren Anteil an Darmbakterien mit Flagellen vor der Impfung verbunden.
Mausversuche bestätigten, dass Mikrobiome mit vielen flagellierten Keimen stärkere Entzündungen und Impffieber hervorriefen. Eine Wiederholungsuntersuchung mit 1.014 Erwachsenen in Kanada stützte diese Ergebnisse.
Ergänzend dazu zeigte die µHEAT-Studie an gesunden jungen Erwachsenen, die 2021 und 2022 gegen SARS-CoV-2 geimpft wurden, dass Personen mit später höherem Fieber bereits vor dem Eingriff mehr bakterielle Bewegungsgene aufwiesen.
Eine pflanzliche Ernährungsweise war bei den Teilnehmenden tendenziell mit geringerem Fieber verknüpft, während stark verarbeitete oder fettreiche Nahrung bei Mäusen die Entzündungsreaktion verstärkte. Ein direkter ursächlicher Ernährungseffekt beim Menschen ist in diesem Rahmen jedoch noch nicht abschließend belegt.
Schleimhautbakterien, Butyrat und Diagnostik
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Einflüsse der Ernährung auf die Darmschleimhaut verdeutlichte zudem eine Untersuchung an 34 Erwachsenen mit 97 Dickdarmbiopsien. Ein höherer Konsum von Milch und Milchprodukten war mit einer höheren Alpha-Diversität der an der Schleimhaut gebundenen Bakterien sowie vermehrtem Auftreten von Faecalibacterium und Akkermansia verbunden.
Für den Erhalt der Darmbarriere spielt unter anderem Butyrat eine zentrale Rolle. Die kurzkettige Fettsäure entsteht beim bakteriellen Abbau von Ballaststoffen im Dickdarm und dient den Epithelzellen als Energiequelle.
Eine Übersicht von IH Research verweist auf eine kleine Untersuchung bei 42 Menschen mit Colitis ulcerosa in Remission: Unter zusätzlicher Gabe von mikroverkapseltem Natriumbutyrat lag die Remissionsrate bei 83,3 Prozent gegenüber 47,6 Prozent in der Kontrollgruppe.
Andere kontrollierte Studien, etwa bei 36 Patienten mit aktiver Colitis ulcerosa oder bei Kindern mit neu diagnostizierten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, konnten diesen Nutzen allerdings nicht bestätigen.
Zur klinischen Abklärung entzündlicher Prozesse spielt zudem der Biomarker Calprotectin eine wichtige Rolle. Eine Metaanalyse über 13 Studien mit 670 Erwachsenen zeigte für den Stuhlmarker eine Sensitivität von 93 Prozent und eine Spezifität von 96 Prozent zur Erkennung entzündlicher Darmerkrankungen, wodurch notwendige Darmspiegelungen um 67 Prozent reduziert werden konnten.

