Deutschland, Verbraucher

SchnÀppchen ohne Ende - Warum uns das stressen kann

27.11.2025 - 04:00:14

Zum Black Friday wird besonders mit Rabatten geworben - und viele Menschen haben das GefĂŒhl, alles im Blick haben und zugreifen zu mĂŒssen. Aber was passiert, wenn die SchnĂ€ppchen-Flut zum Alltag wird?

  • Ein SchnĂ€ppchen zu machen, fĂŒhlt sich gut fĂŒr uns an. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpa

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  • Wenn alle billig einkaufen, will keiner der Dumme sein, der mehr zahlt. (Archivbild) - Foto: Etienne Dötsch/dpa

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  • Wenn die SchnĂ€ppchen-Flut kein Ende nimmt, ist stĂ€ndig Selbstkontrolle gefragt. (Archivbild) - Foto: Christoph Soeder/dpa

    Christoph Soeder/dpa

Ein SchnĂ€ppchen zu machen, fĂŒhlt sich gut fĂŒr uns an. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpaWenn alle billig einkaufen, will keiner der Dumme sein, der mehr zahlt. (Archivbild) - Foto: Etienne Dötsch/dpaWenn die SchnĂ€ppchen-Flut kein Ende nimmt, ist stĂ€ndig Selbstkontrolle gefragt. (Archivbild) - Foto: Christoph Soeder/dpa

Super-Sale, 50 Prozent auf die gesamte Kollektion, Aktions-Rabatt - ob in den sozialen Medien, per Mail oder in den GeschĂ€ften, ĂŒberall werden wir zurzeit mit Angeboten bombardiert. Doch lĂ€ngst beschrĂ€nkt sich die große Rabattschlacht nicht mehr nur auf die Tage rund um den Black Friday. SchnĂ€ppchen-Zeit ist gefĂŒhlt das ganze Jahr. Viele Menschen freuen sich darĂŒber, andere fĂŒhlen sich ĂŒberfordert angesichts der vielen Angebote. Das sollte man dazu wissen: 

Wieso sind SchnÀppchen so beliebt?

Wer ein SchnĂ€ppchen mache, fĂŒhle sich gut, sagt die Konsumpsychologin und Studien-Leiterin Katharina Gangl vom NĂŒrnberg Institut fĂŒr Marktentscheidungen (NIM). «Dieses GefĂŒhl, dass man etwas billiger bekommen hat, macht uns glĂŒcklich.» Dieses GefĂŒhl könne aber auch dazu fĂŒhren, dass man beim nĂ€chsten Rabatt unĂŒberlegt zugreife. «Das Ganze verstĂ€rkt sich, da muss man aufpassen», sagt die Expertin.

«Die Erwartung auf ein SchnĂ€ppchen löst einen Dopamin-Schub aus, die Erregungskurve steigt, wir handeln impulsiv», ergĂ€nzt der Neuromarketing-Experte Jan Michael Rasimus, der das Eye Tracking Labor an der Dualen Hochschule Baden-WĂŒrttemberg in Karlsruhe leitet. Dort untersuchen er und sein Team unter anderem das Blick- und Einkaufsverhalten von Probanden in GeschĂ€ften und im Internet. 

Wann fĂŒhrt die SchnĂ€ppchen-Jagd zu Stress?

Wenn aus Rabatt-Tagen Wochen oder Monate werden, kann das nach Angaben von Rasimus dazu fĂŒhren, dass unser Belohnungssystem dauerhaft aktiviert wird. «Wir sehen ĂŒberall die Rabatte und wollen reflexartig zugreifen», sagt er. Es sei also viel Selbstkontrolle gefragt und gleichzeitig plage uns die Angst, ein gutes SchnĂ€ppchen zu verpassen. 

«FOMO» - kurz fĂŒr «Fear of Missing Out» nennen Fachleute diese Angst, die zu Stress und Unruhe fĂŒhren kann. VerstĂ€rkt werden kann sie durch gesellschaftlichen Druck, meint Gangl. «Wenn alle billig einkaufen, will keiner der Dumme sein, der mehr zahlt.»

Besonders stressig kann ihr zufolge die SchnĂ€ppchen-Jagd im Internet werden, wo viele verschiedene Angebote lockten und miteinander verglichen werden mĂŒssten. «Offline kann man auch mal eine VerkĂ€uferin bitten, diese vielen Informationen fĂŒr einen zu sortieren und in ein VerhĂ€ltnis zu setzen.» Im Internet mĂŒsse man dagegen die ganze Zeit aufpassen, nicht im falschen Moment zu klicken. Das sei kognitiv herausfordernd. 

Was können die Folgen sein?

Wer auf SchnĂ€ppchen-Jagd geht, muss stĂ€ndig Entscheidungen treffen. Ist das Angebot gut? Brauche ich das neue Produkt wirklich? «Das kann eine KonsummĂŒdigkeit auslösen - Ă€hnlich der NachrichtenmĂŒdigkeit», sagt Rasimus. Eine dauerhafte Rabattschlacht könne auch dazu fĂŒhren, dass sich die Referenzpunkte verschieben wĂŒrden. «Also, dass man zum Normalpreis gar nicht mehr einkauft. Es wird zur Dauersuche nach einem SchnĂ€ppchen-Kick.» 

Wie stark sich die Menschen dadurch belastet fĂŒhlen, hĂ€ngt aus Sicht der Konsumpsychologin Gangl von Haltung und Interesse ab. Wer Rabattaktionen gezielt nutze, um bei ohnehin geplanten Anschaffungen etwas zu sparen, könne die Informationsflut besser filtern und empfinde sie als nĂŒtzlich, sagt sie. «Menschen hingegen, die nicht unbedingt geplant haben, etwas zu kaufen, fĂŒr die ist das natĂŒrlich viel zu viel Information und diese fĂŒhlen sich dann auch gestresst davon.»

Was bedeutet das fĂŒr Kinder und Jugendliche?

In den sozialen Medien werden auch Kinder und Jugendliche mit Werbung bombardiert, können dieser aber schwerer widerstehen als Erwachsene. So zeigten Befunde, dass Kinder schon im Grundschulter auf Rabatte reagieren und diese ihr Entscheidungsverhalten verĂ€ndern, erlĂ€utert der Wirtschaftspsychologe Oliver BĂŒttner von der UniversitĂ€t Duisburg-Essen. Gleichzeitig seien bei ihnen kognitive FĂ€higkeiten wie das Rechnen noch nicht so ausgebildet und das Wissen ĂŒber Preise in der Regel geringer. 

«Jugendliche haben hier zwar eher schon die notwendigen Fertigkeiten, allerdings ist auch bei ihnen noch die SelbstkontrollfĂ€higkeit niedriger als bei Erwachsenen», sagt BĂŒttner. «Dementsprechend handeln Jugendliche impulsiver.»

Auch die Angst im Vergleich zu anderen etwas zu verpassen - also «FOMO» - sei bei Kindern und Jugendlichen stĂ€rker als bei Erwachsenen, sagt Rasimus. «Bei Kindern und Jugendlichen ist das prĂ€frontale Kontrollzentrum noch nicht so ausgebaut. DafĂŒr sind das Belohnungssystem und die soziale SensibilitĂ€t gegenĂŒber anderen ĂŒberaktiv.» Der Gruppendruck wirkt also stĂ€rker.

Wie kann man sich und seine Kinder vor unĂŒberlegten KĂ€ufen schĂŒtzen?

Vorbereitung ist bei der SchnĂ€ppchen-Jagd alles. Gangl empfiehlt, sich vorher genau zu ĂŒberlegen, was man braucht und sich zu informieren, zu welchen Preisen das Produkt ĂŒblicherweise erhĂ€ltlich ist. Außerdem warnt sie davor, in Gruppen mit anderen shoppen zu gehen. «In der Gruppe gibt man eher mehr Geld aus. Oft kauft man wegen der Gruppendynamik etwas, das man eigentlich nicht wollte.» Das gleiche gelte, wenn man hungrig einkaufen gehe. 

Eltern sollten außerdem zusammen mit ihren Kindern ĂŒben, wie man vernĂŒnftige Kaufentscheidungen trifft, sagt sie. «FĂŒr Weihnachten könnte man zum Beispiel gemeinsam ĂŒberlegen, wem man etwas schenken möchte, wo man danach suchen und wie man die Preise vergleichen könnte.» NĂŒtzlich sei es auch, gemeinsam eine Einkaufsliste zu erstellen.

@ dpa.de

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