USA, Ukraine

Ukraine-GesprÀche gehen in die nÀchste Runde

20.12.2025 - 03:54:37

Auf Berlin folgt Miami: Was vergangene Woche in der deutschen Hauptstadt zwischen den USA, EuropÀern und der Ukraine besprochen wurde, wird nun mit Russland diskutiert. Ausgang offen.

Die Verhandlungen ĂŒber eine Friedenslösung in der Ukraine nach fast vier Jahren des russischen Angriffskriegs gehen in die nĂ€chste Runde. Nach den GesprĂ€chen zwischen fĂŒhrenden europĂ€ischen Staaten, den USA und der Ukraine in Berlin am vergangenen Sonntag und Montag wollen die amerikanischen UnterhĂ€ndler die Ergebnisse nun mit Vertretern Russlands in Miami im US-Bundesstaat Florida rĂŒckkoppeln.

Vor Tagen kĂŒndigte ein hochrangiger US-Beamter an, dass man sich in Arbeitsgruppen treffen wolle. MilitĂ€rvertreter sollen demnach auch dabei sein. Die USA sehen sich als Vermittler in dem Konflikt.

Auch ukrainische und europĂ€ische Regierungsvertreter werden in Florida erwartet, darunter der außenpolitische Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz, GĂŒnter Sautter. Er machte sich bereits am Freitag auf den Weg, um dort «informelle GesprĂ€che mit der US-Regierung» zu fĂŒhren, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr.

Medienberichten zufolge ist ein Treffen mit dem Ukraine-Sonderbeauftragten von US-PrĂ€sident Donald Trump, Steve Witkoff, geplant, an dem auch Vertreter von Großbritannien und Frankreich teilnehmen sollen. GesprĂ€che der deutschen und russischen Seite sind nicht vorgesehen.

Die russische Delegation soll den Berichten zufolge von PrĂ€sident Wladimir Putins Berater Kirill Dmitrijew angefĂŒhrt werden. Er soll mit Witkoff ĂŒber die Ergebnisse der zweitĂ€gigen GesprĂ€che in Berlin sprechen. 

Russische und ukrainische Angriffe

Ukrainische und russische MilitĂ€r ĂŒberzogen sich derweil mit neuen Angriffen. In der ukrainische Hafenstadt Odessa starben in der Nacht mindestens acht Menschen bei einem russischen Raketenangriff, weitere 32 Menschen wurden verletzt. Die russische MilitĂ€rfĂŒhrung berichtete von Angriffen gegen einen Betrieb der ukrainischen RĂŒstungsindustrie sowie von Attacken gegen Fahrzeugkolonnen der ukrainischen Armee. Diese Behauptungen wurden von ukrainischer Seite nicht kommentiert, von unabhĂ€ngiger Seite gab es dazu keine BestĂ€tigung.

Die Ukraine griff ihrerseits nach eigener Darstellung ein russisches Kriegsschiff und Erdölplattform im Kaspischen Meer mit Kampfdrohnen an. Bei einem Drohnenangriff gegen den russischen MilitĂ€rflughafen Belbek auf der besetzten Halbinsel Krim seien zwei Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi Su-27 sowie der Kontrollturm zerstört worden, teilte der Geheimdienst SBU mit. Von russischer Seite gab es dazu keine Angaben, von unabhĂ€ngiger Seite war keine ÜberprĂŒfung möglich. 

Bei den Sicherheitsgarantien gibt es Bewegung

In den Verhandlungen geht es um zwei zentrale Punkte: Sicherheitsgarantien und Gebietsfragen. Bei den geplanten Garantien fĂŒr den Fall eines Waffenstillstands gab es nach Angaben von allen Seiten Fortschritte. «Was die USA hier in Berlin an rechtlichen und an materiellen Garantien auf den Tisch gelegt haben, ist wirklich beachtlich», sagte etwa Kanzler Merz. Gemeint ist nach seinen Angaben vor allem die Bereitschaft der USA, der Ukraine Garantien in der NĂ€he von Artikel 5 des Nato-Vertrags zu geben. Danach wird ein Angriff auf einen Staat wie ein Angriff auf alle behandelt. 

Die EuropĂ€er machten das Angebot, mit UnterstĂŒtzung der USA eine «multinationale Truppe» aufzustellen, die fĂŒr Sicherheit zu Land, auf See aber auch am Boden in der Ukraine sorgen soll. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj scheint sich seinerseits damit abgefunden zu haben, dass ein Nato-Beitritt seinens Landes derzeit unrealistisch ist.

In der Gebietsfrage gibt es keine Bewegung 

Die schwierigste Frage bis ganz zum Schluss dĂŒrfte die Gebietsfrage bleiben. Zu Russlands Kernforderungen fĂŒr einen Waffenstillstand gehört, dass die Ukraine im östlichen Gebiet Donezk auch jene fĂŒr die Verteidigung des Landes strategisch wichtigen StĂ€dte aufgibt, die Russland bisher nicht erobern konnte. Selenskyj lehnt solche Geschenke an den «Aggressorstaat» ab und verweist auf die Verfassung des Landes, die Gebietsabtretungen grundsĂ€tzlich nicht zulĂ€sst.

Merz sagte aber, dass Selenskyj bereit sei, das Gebiet jenseits der bestehenden Frontlinie in der Ukraine als «russisch besetztes Territorium» anzuerkennen. Zudem sprach er von einer «entmilitarisierten Zone» zwischen den beiden Kriegsparteien, also einer Art Pufferzone.

Wie Russland bisher reagiert hat

Offiziell hat Russland auf die in den Medien kursierenden VorschlÀge nicht reagiert. Moskau warte darauf, von Washington unterrichtet zu werden und werde im Vorfeld keine Megafon-Diplomatie betreiben, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. 

Der generelle Unmut ĂŒber eine UnterstĂŒtzung der Ukraine vor allem durch die EU ist in den russischen Kommentaren allerdings nicht zu ĂŒberhören. Außenminister Sergej Lawrow warf den EuropĂ€ern nach den Nachverhandlungen in Berlin vor, eine destruktive Rolle bei den FriedensgesprĂ€chen zu spielen. Kremlchef Putin schimpfte bei einer Besprechung mit hochrangigen MilitĂ€rs gar ĂŒber «europĂ€ische Ferkel». Bei der gleichen Veranstaltung drohte er damit, die «historischen Territorien» Russlands militĂ€risch zurĂŒckzuerobern, sollte die Ukraine im Gebietsstreit nicht einlenken.

Putin wiederholt alte Forderungen und brĂŒstet sich mit Fronterfolgen

Auch bei seiner großen Jahrespressekonferenz am Freitag zeigte Putin HĂ€rte. Russland sei zum Frieden bereit - zu seinen Bedingungen, gab er bekannt und brĂŒstete sich in der landesweit vom Fernsehen ĂŒbertragenen Veranstaltung mit weiteren militĂ€rischen Erfolgen. Zu den seit langem bekannten Forderungen Moskaus gehören unter anderem ein Verzicht der Ukraine auf einen Nato-Beitritt sowie die Abtretung weiterer Gebiete an Russland. 

Hinter der in Moskau immer wieder gewĂ€hlten Formulierung, dass «in Kiew die Ursachen fĂŒr den Konflikt» beseitigt werden mĂŒssten, verbirgt sich zudem der Anspruch, die politische Landschaft im Nachbarland mitgestalten zu können. Dies machte Putin auch bei der Jahrespressekonferenz deutlich, als er die Einbeziehung der nach Russland geflohenen Ukrainer - angeblich fĂŒnf bis sogar zehn Millionen Menschen - bei einer möglichen PrĂ€sidentenwahl im Nachbarland forderte. Seine Wahlleiterin Ella Pamfilowa bot daraufhin an, die Abstimmung in Russland zu organisieren und auszuzĂ€hlen - eine von vornherein fĂŒr Kiew unannehmbare Bedingung.

@ dpa.de

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