Europa, EU

EU-Analyse: Deutschland muss nicht mehr Migranten aufnehmen

11.11.2025 - 18:51:12

Deutschland kann sich voraussichtlich gegen zusĂ€tzliche FlĂŒchtlings-Aufnahmeforderungen wehren. Ein Bericht aus BrĂŒssel stuft die Bundesrepublik zudem als gefĂ€hrdet ein.

  • Deutschland muss Italien vorerst vermutlich keine schutzsuchenden Migranten abnehmen. (Archivbild) - Foto: Cecilia Fabiano/LaPresse/AP/dpa

    Cecilia Fabiano/LaPresse/AP/dpa

  • EU-Innenkommissar Magnus Brunner sieht die EU in der Migrationspolitik auf einem guten Weg. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa

    Sven Hoppe/dpa

Deutschland muss Italien vorerst vermutlich keine schutzsuchenden Migranten abnehmen. (Archivbild) - Foto: Cecilia Fabiano/LaPresse/AP/dpaEU-Innenkommissar Magnus Brunner sieht die EU in der Migrationspolitik auf einem guten Weg. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa

Deutschland kann verlangen, dass es unter dem neuen EU-SolidaritÀtsmechanismus bis mindestens Ende 2026 keine zusÀtzlichen Migranten aus anderen Mitgliedstaaten aufnehmen muss. Das geht nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus einer Analyse von EU-Innenkommissar Magnus Brunner zum sogenannten SolidaritÀtspool hervor, der Staaten mit hohem Migrationsdruck im Zuge der EU-Asylreform entlasten soll.

Deutschland kann sich demnach darauf berufen, dass es sich bereits um sehr viele Asylbewerber kĂŒmmert, fĂŒr die eigentlich andere EU-Staaten zustĂ€ndig wĂ€ren. Auch andere SolidaritĂ€tsbeitrĂ€ge wie Geld- oder Sachleistungen wĂ€ren demnach von deutscher Seite nicht notwendig. Diese können theoretisch von unterstĂŒtzungspflichtigen EU-Staaten geleistet werden, die keine FlĂŒchtlinge aufnehmen wollen. 

Als LĂ€nder, die im kommenden Jahr wegen eines hohen Migrationsdrucks Anrecht auf SolidaritĂ€t anderer EU-Staaten haben, stuft die Kommission in ihrer Analyse Griechenland und Zypern sowie Spanien und Italien ein. Griechenland und Zypern stehen demnach wegen unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig vieler AnkĂŒnfte im vergangenen Jahr unter Druck, Spanien und Italien aufgrund zahlreicher Seenotrettungen.

«AusgeprĂ€gte Migrationslage» in LĂ€ndern wie Österreich

Deutschland wird gemeinsam mit Staaten wie Belgien, Frankreich und den Niederlanden zu der Gruppe von LĂ€ndern gerechnet, die im kommenden Jahr Gefahr laufen könnten, aufgrund hoher Ankunftszahlen oder Belastungen der Aufnahmesysteme unter hohen Migrationsdruck zu kommen. Sie mĂŒssen SolidaritĂ€t leisten, wenn sie sich nicht wie Deutschland die Bearbeitung von AsylantrĂ€gen anrechnen lassen können, fĂŒr die sich eigentlich nicht zustĂ€ndig wĂ€ren.

Österreich, Polen, Bulgarien, Tschechien, Estland und Kroatien befinden sich nach EinschĂ€tzung der Kommission in einer «ausgeprĂ€gten Migrationslage». Dies bedeutet, dass sie aufgrund der kumulierten Belastungen der vergangenen fĂŒnf Jahre beantragen können, von SolidaritĂ€tspflichten ganz oder teilweise befreit zu werden.

Zu den EU-Staaten, die nach den neuen Regeln wahrscheinlich Migranten aus anderen LĂ€ndern aufnehmen oder andere SolidaritĂ€tsbeitrĂ€ge leisten mĂŒssen, zĂ€hlen LĂ€nder wie Schweden, Portugal, Ungarn, RumĂ€nien und Luxemburg. Die neuen EU-Regeln sehen vor, dass jĂ€hrlich mindestens 30.000 Übernahmen erfolgen sollen beziehungsweise FinanzbeitrĂ€ge in Höhe von 600 Millionen Euro geleistet werden mĂŒssen. In kommenden Jahr dĂŒrften es allerdings weniger werden, da der SolidaritĂ€tsmechanismus erst Mitte 2026 in Kraft tritt. 

EU-Innenkommissar sieht bereits Erfolge von neuer Migrationspolitik

EU-Innenkommissar Magnus Brunner erklĂ€rte zu den Ergebnissen der Analyse, es sei offensichtlich, dass Deutschland schon vor dem Inkrafttreten des neuen Asylpakts einen großen Teil dieser SolidaritĂ€t getragen habe. Die Bundesrepublik werde daher erheblich von der Reform des Asyl- und Migrationssystems profitieren – insbesondere durch die neuen Aufgaben der Mitgliedstaaten an den Außengrenzen. 

Dazu gehörten die Registrierung von Neuankommenden, die DurchfĂŒhrung von SicherheitsĂŒberprĂŒfungen und das neue Grenzverfahren. Letzteres sieht vor, dass bestimmte Migranten kĂŒnftig nach einem GrenzĂŒbertritt unter haftĂ€hnlichen Bedingungen in streng kontrollierte Aufnahmeeinrichtungen kommen könnten.

GrundsĂ€tzlich betonte Brunner, dass die strengere Asylpolitik bereits heute Wirkung zeige. «Die illegale Migration ist im vergangenen Jahr um 35 Prozent zurĂŒckgegangen», sagte er.

Der nun erstmals vorgelegte Bericht gilt als ein entscheidender Schritt bei der Umsetzung der Reform des europĂ€ischen Asylsystems (GEAS), die auch einen SolidaritĂ€tsmechanismus zur Entlastung von besonders von Migration betroffenen Mitgliedstaaten enthĂ€lt. FĂŒr ihn berĂŒcksichtigte die EU-Kommission verschiedenste Kennzahlen - etwa, wie viele illegale GrenzĂŒbertritte, Bootsrettungen oder AsylantrĂ€ge ein Land registriert sowie die wirtschaftliche Leistungskraft und Bevölkerungszahl eines Landes.

Daten werden vorerst unter Verschluss gehalten

Besonders belasteten LĂ€ndern steht nach dem neuen Asylsystem die SolidaritĂ€t anderer Mitgliedsstaaten zu, indem diese entweder Migranten aufnehmen oder einen finanziellen Beitrag leisten. SolidaritĂ€t kann demnach aber auch geleistet werden, indem EU-Staaten Projekte gegen illegale Migration in Drittstaaten fördern oder Material zur VerfĂŒgung stellen.

Das Ziel des Ausgleichs: FlĂŒchtlinge sollen in dem Land bleiben, in dem sie ankommen und nicht etwa nach Deutschland weiter fliehen. Staaten wie Griechenland oder Italien sollen zudem an den Außengrenzen beschleunigte Asylverfahren abwickeln. DafĂŒr sollen die EU-LĂ€nder, in denen die meisten Migranten ankommen, dann entlastet werden. FĂŒr diesen SolidaritĂ€tsmechanismus bildet der Bericht der EU-Kommission die entscheidende Grundlage.

Über die VorschlĂ€ge der EU-Kommission fĂŒr den sogenannten SolidaritĂ€tspool mĂŒssen nun die Mitgliedstaaten verhandeln. Sie haben dafĂŒr auch detaillierte Zahlen bekommen, die von der EU-Kommission allerdings entsprechend der Verordnung ĂŒber das Asyl- und Migrationsmanagement vorerst nicht öffentlich gemacht werden. Umgesetzt werden soll das neue Migrations- und Asylpaket ab Mitte kommenden Jahres.

@ dpa.de