Russland und USA uneins ĂŒber Territorialfragen in Ukraine
03.12.2025 - 01:09:28Russland und die USA sind einem Kriegsende in der Ukraine bei einem langen Treffen im Kreml anscheinend nicht nĂ€her gekommen, doch der Dialog soll nach Moskauer Angaben fortgesetzt werden. PrĂ€sident Wladimir Putin sprach mehr als fĂŒnf Stunden mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und dem Schwiegersohn von US-PrĂ€sident Donald Trump, Jared Kushner. WĂ€hrend ein Durchbruch in Moskau ausblieb, einigten sich die EU-Staaten kurz darauf auf einen Importstopp fĂŒr russisches Erdgas bis Ende 2027.
Nach dem Treffen im Kreml sei man zwar nicht weiter von einem Frieden entfernt, aber auch nicht nĂ€her an einer Lösung des Konflikts, sagte Putins auĂenpolitischer Berater Juri Uschakow. Es gebe noch viel Arbeit. So gebe es noch keinen Kompromiss zur Frage der von Russland geforderten Abtretung ukrainischer Gebiete. Putin fordert den gesamten Donbass in der Ostukraine, obwohl seine Armee nicht alle Teile des Gebiets kontrolliert. Kiew lehnt die Preisgabe ab.
Kreml: Witkoff will zunÀchst Trump informieren
Der Putin-Berater sprach von konstruktiven, inhaltsreichen und nĂŒtzlichen Unterredungen. Es sei vereinbart worden, die Verhandlungslinie nicht öffentlich zu machen. Die amerikanischen UnterhĂ€ndler wollten zunĂ€chst Trump ĂŒber die Ergebnisse informieren - und danach wieder mit Russland Kontakt aufnehmen.Â
Von Kontakten Richtung Ukraine war nicht die Rede, auch wenn der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Besuch in Dublin sagte, er warte auf Ergebnisse des russisch-amerikanischen Treffens in Moskau.
Putin habe den US-Vertretern freundschaftliche, aber auch politische Signale fĂŒr Trump mit auf den Weg gegeben, sagte Uschakow ohne Nennung nĂ€herer Details. Seinen Angaben nach wurde auch ĂŒber einen Neubeginn der wirtschaftlichen Kooperation zwischen Russland und den USA gesprochen. Moskau hat ein Interesse an einer Aufhebung der scharfen US-Sanktionen, die Russlands Wirtschaft immer mehr zusetzen.Â
Trumps Schwiegersohn erstmals bei Treffen im Kreml
FĂŒr den Trump-Vertrauten Witkoff war es in diesem Jahr schon das sechste Treffen mit Putin, Kushner hingegen nahm erstmals an so einem GesprĂ€ch teil. Beide stehen fĂŒr den Teil der US-Administration, der auf eine schnelle Wiederaufnahme der Wirtschaftsbeziehungen zu Russland setzt.
Ende November war ein US-Friedensplan mit 28 Punkten publik geworden, der danach als «russische Wunschliste» und faktische KapitulationserklĂ€rung der Ukraine kritisiert wurde. Er durchlief in den vergangenen Tagen Ănderungen, weil viele VorschlĂ€ge fĂŒr die Ukraine und ihre europĂ€ischen UnterstĂŒtzer nicht annehmbar waren. Zuletzt arbeiteten amerikanische und ukrainische Vertreter bilateral an dem Plan, danach folgte dann das Treffen im Kreml.
Putin droht den EuropÀern
Putin hatte den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 begonnen, als er seine Truppen im Nachbarland einmarschieren lieĂ. Unmittelbar vor dem Treffen mit Witkoff drohte er den europĂ€ischen UnterstĂŒtzern der Ukraine nun mit scharfen Worten. «Wir haben nicht vor, mit Europa zu kĂ€mpfen, das habe ich schon 100 Mal gesagt. Aber wenn Europa wiederum kĂ€mpfen will und anfĂ€ngt, dann sind wir dazu sofort bereit», sagte er.Â
Der Kremlchef kritisierte vor Journalisten die Ănderungen, die auf DrĂ€ngen der EuropĂ€er an Trumps ursprĂŒnglichen 28-Punkte-Friedensplan vorgenommen wurden. Die VorschlĂ€ge Europas zielten darauf ab, den Friedensprozess zu blockieren, sagte Putin der Agentur Interfax zufolge.Â
Die EU-Staaten haben mit Blick auf Trumps Plan mehrfach deutlich gemacht, dass sie eine gewaltsame Verschiebung von Grenzen in Europa nicht akzeptieren werden. Nur die Ukraine könne ĂŒber ihre Gebiete entscheiden.
EU einig ĂŒber Komplettverzicht auf russisches Gas
Um sich langfristig unabhĂ€ngig von Energieimporten aus Russland und damit weniger erpressbar zu machen, wollen die EU-Staaten bis spĂ€testens Ende 2027 den Import von russischem Erdgas komplett einstellen. Darauf einigten sich Vertreter der Regierungen der EU-Mitgliedstaaten und des Europaparlaments in BrĂŒssel. FĂŒr russische Ălexporte in die Slowakei und Ungarn soll die EU-Kommission im nĂ€chsten Jahr einen Ausstiegsplan vorlegen. Die beiden Staaten beziehen als einzige in der EU noch Rohöl aus Russland und sind auch in hohem MaĂe von russischen Erdgaslieferungen abhĂ€ngig.
Die neuen Regeln sollen bereits bestehende Sanktionen gegen Russland ergĂ€nzen und es der RohstoffgroĂmacht erschweren, ihren Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter zu finanzieren.
Rubio nicht bei Treffen der Nato-AuĂenminister
Um die UnterstĂŒtzung der Ukraine soll es heute auch bei einem Treffen der AuĂenminister der Nato-Staaten in BrĂŒssel gehen. Bei ihrer letzten regulĂ€ren Zusammenkunft im laufenden Jahr soll es - vor allem mit Blick auf Russland - auch um einen Ausbau der Abschreckung und Verteidigung gehen.
Zudem werden GesprĂ€che ĂŒber Luftraumverletzungen durch russische Kampfjets und Drohnen sowie mutmaĂlich russische Sabotageakte in Europa erwartet. Zuletzt hatte Polen dem russischen Geheimdienst vorgeworfen, einen Sprengstoffanschlag auf eine polnische Bahnstrecke organisiert zu haben.
Allerdings fehlt US-AuĂenminister Marco Rubio als Chefdiplomat des wichtigsten Nato-Staats bei dem Treffen in BrĂŒssel. Er lĂ€sst sich von seinem Vize Christopher Landau vertreten. Ein triftiger Grund fĂŒr die Absage Rubios wurde nicht genannt. Ein Sprecher teilte lediglich mit, es wĂ€re völlig unrealistisch, Rubio bei jedem Treffen der MilitĂ€rallianz zu erwarten - zumal der Minister bereits an Dutzenden Treffen mit Nato-VerbĂŒndeten teilgenommen habe.
Dass ein US-AuĂenminister nicht persönlich an einem formellen Nato-AuĂenministertreffen teilnimmt, ist höchst ungewöhnlich. FĂŒr die Bundesregierung reist AuĂenminister Johann Wadephul (CDU) nach BrĂŒssel.


