Arbeit, Deutschland

Auto-Experte: VW-Einigung hat fĂŒr Sachsen bitteren Geschmack

22.12.2024 - 14:29:03 | dpa.de

Die geplanten Einschnitte bei VW DE0007664039-Standorten in Sachsen werden nach EinschĂ€tzung des Autoexperten Werner Olle mittelfristig negative Folgen fĂŒr die Region haben.

Auch das Netz an Zulieferern und Dienstleistern werde stark getroffen, sagte der Leiter des Chemnitz Automotive Institute der Deutschen Presse-Agentur. "Die Einigung hat ArbeitskÀmpfe vermeiden können, das ist ein wichtiges Ergebnis. Sorgenfreie Weihnachten sehen aber anders aus."

Angesichts der Krise bei Europas grĂ¶ĂŸtem Autobauer hatte das Unternehmen nach tagelangen Verhandlungen mit der IG Metall einen Kompromiss erzielt. Der sieht den Abbau von bundesweit 35.000 Jobs vor. Werksschließungen und betriebsbedingte KĂŒndigungen soll es nicht geben. Wie viele ArbeitsplĂ€tze in Sachsen verloren gehen, sei aktuell nicht quantifizierbar, sagte Olle.

Zwickau verliert ID-Modelle

Dem Kompromiss zufolge bleiben alle drei VW-Standorte im Freistaat erhalten. Allerdings wird Ende 2025 die Fahrzeugfertigung in der GlĂ€sernen Manufaktur eingestellt. Seit Anfang 2021 wird dort mit rund 330 BeschĂ€ftigten der ID.3 in geringen StĂŒckzahlen montiert - etwa 6.000 Fahrzeuge im Jahr. FĂŒr die Zeit nach 2025 soll ein Alternativkonzept erarbeitet werden.

Federn lassen muss auch das Fahrzeugwerk Zwickau mit seinen aktuell rund 9.200 BeschĂ€ftigten. Es muss die Produktion von ID-Modellen und des Cupra born abgeben und sich auf eine Fertigungslinie konzentrieren. Bleiben soll der Audi Q4 e-tron "und entsprechende Produktaufwertungen", wie es in einer Information der IG Metall an ihre Mitglieder heißt. FĂŒr das Motorenwerk Chemnitz sind den Angaben nach keine Änderungen geplant. Anders als die Standorte Zwickau und Dresden hĂ€ngt es noch an der Verbrenner-Produktion.

Olle sprach von einem massiven Einschnitt fĂŒr die Standorte Dresden und Zwickau. "Das Jahr 2025 bleibt davon zunĂ€chst unberĂŒhrt, der Umbau beginnt in 2026." Ab 2027 wĂŒrden dann in Zwickau nur noch auf einer Linie E-Autos ausschließlich der Marke Audi produziert. Die beiden aktuellen Modelle dort stĂŒnden nur fĂŒr knapp die HĂ€lfte der Produktion.

"Dass dies in Sachsen einen bitteren Geschmack hinterlĂ€sst, ist kein Wunder - der Wegbereiter der E-MobilitĂ€t fĂŒr die Marke VW hat seine Schuldigkeit getan", sagte der Experte. Das fĂŒr Zwickau zusĂ€tzlich genannte Ziel - Erschließung neuer GeschĂ€ftsfelder im Bereich der Kreislaufwirtschaft - habe noch keinerlei Substanz.

CDA: "Fauler Kompromiss auf Kosten des Ostens"

Scharfe Kritik kommt aus der Politik. "Die Entscheidung von Volkswagen DE0007664039 und IG Metall ist ein fauler Kompromiss auf Kosten des Ostens", kritisierte der Landesvorsitzende des CDU-ArbeitnehmerflĂŒgels CDA, Alexander Krauß. Die Einsparungen hĂ€tten eine verantwortungsvollere Verteilung auf alle Werke in Deutschland gebraucht. "Wir fordern ein klares Bekenntnis zu den Standorten in Sachsen und dessen Mitarbeitern. Alles andere wĂ€re der siechende Tod- sowohl fĂŒr Chemnitz als auch fĂŒr Zwickau."

Von einem "harten Kompromiss" fĂŒr die BeschĂ€ftigten und Standorte in Sachsen sprach die Vorsitzende der BSW-Fraktion im Landtag, Sabine Zimmermann. "Die Arbeitnehmer schultern die schwerste Phase bei VW. In der Zukunft wird sich zeigen, ob sich der Vorstand daran spĂ€ter auch erinnert." Sie mahnte schnell ein Zukunftskonzept fĂŒr die GlĂ€serne Manufaktur in Dresden an. Auch fĂŒr Zwickau habe die Einigung einen "bitteren Beigeschmack". "Ob die geplante Batterie-Recycling-Anlage fĂŒr die bisherigen Arbeitnehmer die Arbeitsplatz-Rettung wird, bleibt abzuwarten."

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