Bundesbank macht Milliardenverlust - Bund geht leer aus
05.03.2026 - 13:27:04 | dpa.deDie Bundesbank wird nach einem erneuten Milliardenverlust 2025 auch dieses Jahr rote Zahlen schreiben. Damit fĂ€llt eine GewinnĂŒberweisung aus Frankfurt an den Bund nicht nur im sechsten Jahr in Folge, sondern auch absehbar aus. Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel stimmte bei der Bilanzvorlage in Frankfurt auf weitere magere Jahre ein, betonte aber zugleich die StĂ€rke der Notenbank.Â
2025 stand ein Minus von rund 8,6 Milliarden Euro in der Bilanz und damit der zweithöchste Fehlbetrag in der Geschichte der Notenbank. Verglichen mit dem Rekordminus von mehr als 19 Milliarden Euro 2024 hat sich der Verlust aber mehr als halbiert - auch dank niedriger Zinsen.Â
«Wir haben zwar weiter finanzielle Belastungen zu tragen, sie lassen aber nach», sagte Nagel in Frankfurt. Diese positive Entwicklung werde sich fortsetzen, so die Notenbank. Gleichwohl werde die Bundesbank 2026 «erneut einen Jahresfehlbetrag ausweisen».
Letzter Bundesbank-Gewinn fĂŒr den Bund 2019
Jahrelang plante das Finanzministerium in Berlin im Bundeshaushalt einen Bundesbank-Gewinn von 2,5 Milliarden Euro ein. 2019 durfte sich Olaf Scholz (SPD) als damaliger Ressortchef ĂŒber die höchste Summe seit der Finanzkrise freuen: 5,85 Milliarden Euro. Es war der bislang letzte Geldsegen aus Frankfurt.
Folge der Geldpolitik im Euroraum
Der Verlust der Bundesbank ist eine Folge der Geldpolitik im Euroraum. Hauptgrund ist, dass die Zinsausgaben der Bundesbank und der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) fĂŒr Gelder, die GeschĂ€ftsbanken bei ihr parken, deutlich gröĂer sind als die Zinseinnahmen aus dem riesigen Bestand an Anleihen, die die Bundesbank im Auftrag der EZB kaufte.
Die Milliardenverluste schleppt die Bundesbank mit. Der Bilanzverlust, der sich aus dem Verlustvortrag und dem aktuellen Jahresfehlbetrag ergibt, belĂ€uft sich auf 27,8 Milliarden Euro.Â
Die Belastungen der Bundesbank seien vorĂŒbergehend, betonte Nagel. KĂŒnftige JahresĂŒberschĂŒsse wĂŒrden genutzt, um den Bilanzverlust aus eigener Kraft abzubauen. Auch mit einem Verlust könne die Bundesbank ihre Aufgaben «vollumfĂ€nglich» erfĂŒllen. Sie habe eine solide Bilanz.
Preisrallye treibt Wert von Bundesbank-GoldÂ
Bundesbank-VizeprÀsidentin Sabine Mauderer wies darauf hin, dass die Notenbank ein Nettoeigenkapital von 363 Milliarden Euro und Bewertungsreserven von 388 Milliarden Euro habe. «Die finanzielle Basis der Bundesbank ist sehr stark.»
Der Notenbank hilft auch, dass ihr riesiger Goldbestand von 3.350 Tonnen mit dem stark gestiegenen Goldpreis immens an Wert gewonnen hat. 2025 waren die deutschen Goldreserven laut GeschĂ€ftsbericht gut 395 Milliarden Euro wert, rund 125 Milliarden mehr als im Vorjahr. Der gröĂte Teil davon wird in Frankfurt gelagert mit 1.710 Tonnen, weitere 1.236 Tonnen liegen bei der US-Notenbank Fed in New York. Angesichts der aggressiven Politik von US-PrĂ€sident Donald Trump mehrten sich Forderungen, die BestĂ€nde nach Deutschland zu holen - was Bundesbank-PrĂ€sident Nagel ablehnt.
Trifft der Iran-Krieg Deutschland? Bundesbank zurĂŒckhaltend
In Sachen Nahost-Krieg und den Folgen fĂŒr Inflation und Konjunktur in Deutschland hielt sich Nagel zurĂŒck. Wenn der Krieg lange dauere, wĂŒrden die Auswirkungen fĂŒr die Konjunktur «nicht gut» sein, sagte er. Auch wĂŒrden sich dauerhaft erhöhte Energiepreise langfristig auf die Inflation durchschlagen. Aber fĂŒr Prognosen sei es noch zu frĂŒh.
Auch bei den Folgen des Konflikts fĂŒr die Geldpolitik der EZB wurde Nagel nicht konkret. Manche Ăkonomen rechnen mit einer Leitzinserhöhung, sollte der Iran-Krieg die Inflation hochtreiben. Der EZB-Rat bleibe wachsam, sagte Nagel. «Sollte sich das Inflationsbild substanziell Ă€ndern, sind wir in einer guten Lage, um darauf reagieren zu können.»
Zinspolitik fordert Tribut
Die einst lockere Geldpolitik der EZB belastet die Bundesbank schon lange. Schon 2023 hatte die Bundesbank rote Zahlen unter dem Strich geradeso vermieden - allerdings nur, weil sie mit milliardenschweren RĂŒcklagen Belastungen der Zinswende ausgleichen konnte.
Die EZB hatte ab Sommer 2022 die Leitzinsen im Euroraum rasant erhöht, um die damals hohe Inflation in den Griff zu bekommen. Höhere Zinsen an den FinanzmĂ€rkten fĂŒhrten zu steigenden Zinsausgaben seitens der Notenbanken fĂŒr Gelder.Â
Damit halten deren Zinseinnahmen aber nicht Schritt: Denn viele Wertpapiere wie Staats- und Unternehmensanleihen mit langer Laufzeit, die die Euro-Notenbanken ĂŒber Jahre in groĂem Stil kauften, werfen relativ niedrige Zinsen ab. Hauptziel von Notenbanken ist es allerdings nicht, Gewinne zu erzielen. Sie sollen vor allem fĂŒr stabile Preise und eine stabile WĂ€hrung sorgen.
Auch EZB tief in den roten Zahlen
Inzwischen ist die Inflation im Euroraum von RekordstĂ€nden weit entfernt, daher hat die EZB den fĂŒr Banken und Sparer wichtigen Einlagensatz auf 2,0 Prozent gesenkt. Dennoch stehen auch in der EZB-Bilanz fĂŒr 2025 ein Verlust - und zwar von 1,25 Milliarden Euro. Damit fĂ€llt eine GewinnausschĂŒttung auch an die Bundesbank aus. Die EZB erwartet, dass sie 2026 oder 2027 in die Gewinnzone zurĂŒckkehrt. Bis die nationalen Zentralbanken wieder von AusschĂŒttungen profitieren, kann es aber Jahre noch dauern.
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