Deutschland, Automobilindustrie

Kfz-Steuerbefreiung fĂŒr neue E-Autos steht auf der Kippe

28.09.2025 - 05:30:07

Profitieren E-Autofahrer, die ihr Fahrzeug ab 2026 neu zulassen, auch von steuerlichen Entlastungen? Das ist unklar. Der Autoverband VDA warnt vor erheblichen Folgen.

Ein Anreiz zum Kauf eines neuen Elektroautos steht ab dem kommenden Jahr auf der Kippe: Die Befreiung von der Kfz-Steuer. Von Jahresbeginn an neu zugelassene E-Autos könnten nicht mehr von dieser Entlastung profitieren. In der Bundesregierung gibt es noch keine Entscheidung ĂŒber eine VerlĂ€ngerung. 

Die PrĂ€sidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard MĂŒller, sagte, die Koalition mĂŒsse schnellstmöglich die VerlĂ€ngerung der Kfz-Steuerbefreiung fĂŒr reine Elektrofahrzeuge bis 2035 sicherstellen, wie im Koalitionsvertrag zugesagt. «Die Steuerbefreiung hat sich als wirksamer Kaufanreiz fĂŒr Elektrofahrzeuge bewĂ€hrt, wĂŒrde jedoch fĂŒr Neuzulassungen ab 1.1.2026 nicht mehr greifen – mit erheblichen Folgen fĂŒr den weiteren Hochlauf der E-MobilitĂ€t bei Pkw und Nutzfahrzeugen.»

Unklarheit fĂŒr E-Auto-Kunden

Ein Sprecher von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sagte, die VerlĂ€ngerung der befristeten Kraftfahrzeugsteuerbefreiung fĂŒr reine Elektrofahrzeuge bis 2035 sei im Koalitionsvertrag vereinbart. «Die Umsetzung wird aktuell geprĂŒft.» Bei dem von der Bundesregierung angekĂŒndigten «Autodialog» sollten weitere Maßnahmen zur StĂ€rkung der Automobilindustrie beraten werden. Klingbeil hatte im Bundestag konkrete Entscheidungen angekĂŒndigt. 

Der Autogipfel soll laut Regierungskreisen am 9. Oktober stattfinden. Teilnehmen sollen demnach mehrere Minister, die MinisterprĂ€sidenten der BundeslĂ€nder mit Autoindustrie, die großen Produzenten und Zulieferer sowie Vertreter der Arbeitnehmerseite. 

Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums sagte, das Ressort halte grundsĂ€tzlich eine VerlĂ€ngerung der Kfz-Steuerbefreiung fĂŒr notwendig, weil damit ein Anreiz fĂŒr private KĂ€ufer geschaffen werde. FederfĂŒhrend sei aber das Bundesfinanzministerium. 

Das bedeutet, potenzielle E-Auto-Kunden haben aktuell keine Klarheit, wie es weitergeht - also ob ein ab 2026 neu zugelassenes E-Auto von der Kfz-Steuer befreit ist und ob dies dann bis 2035 gilt.

Geltende Regelung

Werden reine E-Autos bis zum 31. Dezember 2025 zugelassen, mĂŒssen sie ab der Erstzulassung keine Kfz-Steuern zahlen - befristet ist dies bis zum 31. Dezember 2030. Die Regelung gibt es laut ADAC seit Mai 2011. Halter reiner E-Autos mĂŒssen ab Erstzulassung bis zu zehn Jahre lang keine Kfz-Steuern zahlen - da diese Steuerbefreiung bis zum 31. Dezember 2030 befristet ist, können KĂ€ufer von E-Autos den kompletten 10-Jahres-Zeitraum mittlerweile aber nicht mehr ausnutzen. Wechselt das E-Auto die Halterin oder den Halter, so wird laut ADAC die Steuerbefreiung weitergegeben.

CDU, CSU und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag angekĂŒndigt, mit verschiedenen Maßnahme die E-MobilitĂ€t zu fördern - dazu zĂ€hlt auch, die Kfz-Steuerbefreiung fĂŒr Elektroautos bis zum Jahr 2035 zu verlĂ€ngern. 

Autoindustrie fordert Planungssicherheit

VDA-PrĂ€sidentin MĂŒller sagte: «LĂ€uft die Kfz-Steuerbefreiung am Ende des Jahres aus, wĂŒrden vollelektrische Fahrzeuge sogar höher besteuert als Plug-in-Hybride – ein Widerspruch, den die Koalition dringend auflösen muss, um Verunsicherung und KaufzurĂŒckhaltung zu vermeiden.» Die Verbraucher und Unternehmen brĂ€uchten umgehend Planungssicherheit.

Falls die Steuerbefreiung wegfiele, wĂ€re das fĂŒr den deutschen Autohandel «ein Schlag ins Kontor» sagt der PrĂ€sident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Thomas Peckruhn. Schon jetzt bemerke man bei den Privatkunden eine hohe ZurĂŒckhaltung, ohne den Steuervorteil wĂŒrde es noch schwieriger, zumal ja auch die vor der Wahl versprochene Senkung der Stromsteuer nicht gekommen sei. Solche Impulse brauche es fĂŒr die Kunden aber. 

Laut ADAC wird nach der aktuellen Regelung ab dem elften Jahr nach Erstzulassung oder spĂ€testens ab dem 1. Januar 2031 beziehungsweise bei Neuzulassung ab 2026 die Kfz-Steuer fĂŒr E-Autos bis 3,5 Tonnen nach dem zulĂ€ssigen Gesamtgewicht berechnet. Pro angefangene 200 Kilogramm betrĂ€gt laut ADAC die jĂ€hrliche Kfz-Steuer dann bis zu einem Gesamtgewicht von 2000 Kilogramm 5,625 Euro, bis 3000 Kilogramm 6,01 Euro und bis 3500 Kilogramm 6,39 Euro. «GĂŒnstiger als bei vergleichbaren Verbrenner-Modellen bleibt es dennoch.» Ein Beispiel: Das zulĂ€ssige Gesamtgewicht betrage beim Elektroauto BMW i3 der ersten Generation (Marktstart 2013) 1630 Kilo, die Steuer belaufe sich deshalb auf mindestens 50 Euro.

Der ADAC nannte die Befreiung von der Kfz-Steuer eine «weitere Stellschraube», um die ElektromobilitĂ€t zu unterstĂŒtzen. «Wesentlich bedeutender sind allerdings attraktive Anschaffungspreise oder auch gĂŒnstiger Ladestrom sowie grundsĂ€tzlich die Möglichkeit, das Elektroauto wohnortnah laden zu können.»

Hochlauf der E-MobilitÀt

Der Verkehrssektor verfehlt gesetzlich vorgegebene Klimaziele. Die E-MobilitĂ€t soll ein zentraler Baustein sein, um CO2-Emissionen im Straßenverkehr zu verringern. Zwar steigen aktuell die Neuzulassungen von E-Autos an. Aber das frĂŒher genannte politische Ziel, dass bis 2030 in Deutschland 15 Millionen vollelektrische Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein sollen, scheint in weiter Ferne zu sein. Anfang 2025 lag der Bestand reiner E-Autos nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts bei rund 1,65 Millionen Autos - bei insgesamt 49,3 Millionen Pkw.

Welche Folgen Änderungen in der Förderung haben

Dass die KĂ€ufer von Elektroautos empfindlich auf Änderungen bei der Förderung reagieren, belegt ein Blick in die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts. Dort zeigen sich beim Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen einige teils sehr starke AusschlĂ€ge: Jeweils im Dezember 2023, 2022 und 2021 sowie im August 2022 schossen die Anteile nach oben - nur um direkt danach abzustĂŒrzen und fĂŒr einige Zeit zu schwĂ€cheln. 

Diese AusschlĂ€ge fallen dabei genau mit dem Ende der PrĂ€mie im Dezember 2023, der BeschrĂ€nkung auf PrivatkĂ€ufer ab September 2023, der KĂŒrzung Ende 2022 und der langen Unsicherheit zur VerlĂ€ngerung der PrĂ€mie Ende 2021 zusammen. Es liegt also nahe, dass es diesmal Ă€hnlich kommen könnte. Dabei hatte sich zuletzt nach den starken Schwankungen wieder ein recht stabiler AufwĂ€rtstrend herausgebildet.

@ dpa.de

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