Runkel trauert nach tödlichem Unfall in Lederfabrik
17.04.2026 - 18:21:53 | dpa.deTag der Trauer in Runkel - der folgenschwere Arbeitsunfall mit drei Toten und zwei lebensgefĂ€hrlich Verletzten in einer Lederfabrik hat viele Menschen in der Kleinstadt schockiert. Am Tag danach kamen immer wieder Angehörige und Freunde der Toten zu dem FirmengelĂ€nde am Stadtrand, die das UnglĂŒck noch kaum fassen konnten. Auch zu einem weiteren Feuerwehreinsatz kam es am Nachmittag - vorsichtshalber.Â
«Nach dem Vorfall gestern ist heute bei den Ermittlungsarbeiten der Polizei ein Geruch aufgetreten, dessen Herkunft wir nicht bestimmen können», sagte der Sprecher der Feuerwehr der Stadt Runkel, Jörg Martin, der Deutschen Presse-Agentur. Um sicherzugehen, dass kein Gefahrstoff austritt, sei die Feuerwehr vor Ort und habe den Bereich weitrĂ€umig abgesperrt.Â
«Die Messkomponente des Landkreises Limburg-Weilburg ist jetzt da und misst das GelĂ€nde frei, ob und wie schĂ€dlich der Stoff ist, ob er ĂŒberhaupt schĂ€dlich ist», erlĂ€uterte Martin. Mehr könne er derzeit nicht sagen. «Es ist eine reine VorsichtsmaĂnahme im Moment», erklĂ€rte er. Niemand sei beeintrĂ€chtigt worden.Â
Drei Tote aus Grube geborgenÂ
Bei dem Arbeitsunfall in der Lederfabrik und Pelzgerberei in dem 9.500-Einwohner-StĂ€dtchen im Kreis Limburg-Weilburg waren am Donnerstagnachmittag drei Arbeiter im Alter von 38, 58 und 59 Jahren ums Leben gekommen. Die zwei lebensgefĂ€hrlich Verletzten befanden sich nach Polizeiangaben auch am Folgetag noch in kritischem Zustand.Â
Kriminalpolizei ermittelt zur TodesursacheÂ
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen ĂŒbernommen, wie das PolizeiprĂ€sidium Westhessen in der Nacht mitgeteilt hatte. Nun gehe es darum, die Todesursache zu klĂ€ren. Im Zentrum der Ermittlungen stĂŒnden die Chemikalien in einer Grube, die nun untersucht werden mĂŒssten.Â
Am Morgen traf auch ein Spezialist des unter anderem fĂŒr den Arbeitsschutz zustĂ€ndigen RegierungsprĂ€sidiums (RP) GieĂen vor Ort ein. Der Mitarbeiter des Dezernats fĂŒr industrielles Abwasser, wassergefĂ€hrdende Stoffe, GrundwasserschadensfĂ€lle, Altlasten und Bodenschutz wollte sich ein Bild von der Lage vor Ort verschaffen, wie ein Sprecher des RegierungsprĂ€sidiums GieĂen der dpa sagte.Â
Da bislang widersprĂŒchliche Aussagen zum Arbeitsschutz vorlĂ€gen, werde der Vorfall weiter untersucht. «So ist noch völlig unklar, wer zuerst den betroffenen Schacht ĂŒber eine Leiter betreten hatte», erklĂ€rte der RP-Sprecher. Auch die genauen UmstĂ€nde, wie es zur Verkettung der Ereignisse kam, sei «aktuell weiter Gegenstand der polizeilichen und arbeitsschutzrechtlichen Ermittlungen». Das RP GieĂen stehe in engem Kontakt zur Kriminalpolizei und weiteren Behörden.Â
Bei den beiden lebensgefĂ€hrlich Verletzten handelt es sich den Angaben zufolge um einen weiteren Mitarbeiter der Leder- und Pelzgerberei sowie eine Person einer Kanal- und Rohrreinigungsfirma aus dem rheinland-pfĂ€lzischen Montabaur. Zuletzt sei der Betrieb mit insgesamt weniger als zehn BeschĂ€ftigten durch das Arbeitsschutzdezernat des RegierungsprĂ€sidiums im November 2023 ĂŒberprĂŒft worden. Auch Vertreter der ebenfalls fĂŒr den Arbeitsschutz zustĂ€ndigen Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie hatten das FirmengelĂ€nde am Vormittag in Augenschein genommen.Â
Behörden gehen von Kohlenmonoxidvergiftung aus
Nach Angaben von Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) gehen die Behörden davon aus, dass es in der Grube der Gerberei zu einer Kohlenmonoxidvergiftung gekommen sei, die zum Tod der Arbeiter gefĂŒhrt habe.Â
Nachbarn zeigen sich betroffenÂ
Ein Paar, das seit etwa zwei Jahren in der Nachbarschaft wohnt, kam an dem nebligen Morgen mit seinem Hund an dem FirmengelĂ€nde vorbei. Von dem Geschehen am Vorabend hatten die Leute in den Medien erfahren. Man kenne die Partnerin des Firmenbetreibers von Gassi-Begegnungen, es seien «nette Leute», sagt die Frau. Von der bereits 200 Jahre alten Firma hat das Paar nach eigenen Angaben in der Vergangenheit auĂer «ein bisschen Geruch» nicht viel mitbekommen, sagt die SpaziergĂ€ngerin. «Das ist furchtbar, dass so was passiert ist.»Â
Trauergottesdienst am Abend
Am Abend sollte es auch einen Trauergottesdienst fĂŒr die Opfer geben. Wie Runkels BĂŒrgermeisterin Antje Hachmann auf Facebook schrieb, könnten die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger von 18.00 bis 20.00 Uhr in einem ökumenischen Trauergottesdienst innehalten.Â
Zudem sollten ab 19.00 Uhr in Runkel und im Stadtteil Schadeck die Kirchenglocken lĂ€uten â «als Zeichen des Gedenkens und der Verbundenheit», wie Hachmann schreibt. Die Stadt werde ihre Fahnen auf halbmast flaggen. «Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen sowie allen EinsatzkrĂ€ften und Betroffenen dieses Ereignisses», schrieb die BĂŒrgermeisterin.
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