Pakistans Sportfans feiern wegen Energiekrise von zu Hause
27.03.2026 - 03:30:05 | dpa.deEs erinnert ein bisschen an Corona-Lockdown. Bevor das Spiel beginnt, treffen sich die Schiedsrichter und wichtigsten Spieler in der Mitte des Feldes. Hinter ihnen: GĂ€hnende Leere, eine Kulisse aus weiĂen und grĂŒnen Sitzschalen ragt in den dunklen Nachthimmel und da ist ĂŒberhaupt kein jubelndes Publikum.
Seit Donnerstag findet Kricket in Pakistan ohne Zuschauer statt. Weil Fans dadurch nicht mit Bussen zu den Stadien strömen und EssensstĂ€nde nicht mit Gas versorgt werden mĂŒssen, hoffen die Ausrichter der Pakistan Super League, Energie zu sparen, die im Land gerade rar wird.
Dabei gilt Kricket in Pakistan eigentlich wie in vielen sĂŒdasiatischen LĂ€ndern als beliebtester Sport und verbindet Menschen in Gebieten des ehemaligen britischen Commonwealths miteinander. Doch der Iran-Krieg zieht Pakistan in eine schwere Energiekrise.
Pakistan auf Sparkurs wegen Energiekrise
Schon vor drei Wochen hatte das sĂŒdasiatische Land mit drastischen SparmaĂnahmen auf steigende Energiepreise reagiert. Denn Irans Angriffe auf den Golf lassen den Schiffsverkehr durch die StraĂe von Hormus nahezu erliegen. Aber von dort kommt eigentlich das Ăl und Gas des Landes.
In einem ersten Schritt hob die Regierung in Pakistan daher die Spritpreise an. Es folgten die Anordnung einer Vier-Tage-Woche im öffentlichen Dienst und Schulausfall. UniversitÀten stellten auf Online-Unterricht um.
In der Situation passe es nicht, dass bis zu 30.000 Fans in Stadien strömten, sagte Mohsin Naqvi, Chef des pakistanischen Kricket-Dachverbands. «Bis diese Krise vorbei ist, vielleicht dauert es noch zehn oder 15 Tage, werden wir keine Zuschauer in die Stadien lassen», so Naqvi.
Auch andere LĂ€nder in Asien sind betroffen
Auch andere LĂ€nder in Asien sind von Energielieferung aus dem Nahen Osten stark abhĂ€ngig. Zu Beginn der Woche hatte der PrĂ€sident der Philippinen einen nationalen Energienotstand ausgerufen. Die steigenden Ălpreise stellten eine Bedrohung fĂŒr die Energiesicherheit des Landes dar, teilte Ferdinand Marcos Jr. mit. Auch andere LĂ€nder reagieren mit Sparpolitik und Aufrufen an die Bevölkerung. In Indien und Myanmar warten Fahrer teilweise in langen Schlangen vor Tankstellen, um MotorrĂ€der und Rikschas wieder aufzufĂŒllen.
Laut einer Analyse der US-Denkfabrik Atlantic Council passierten vergangenes Jahr 46 Prozent der Ăl-Transporte nach Asien die StraĂe von Hormus. Damit sei die Region stĂ€rker auf Lieferungen durch die Meerenge angewiesen als andere Teile der Welt.
Pakistan ist von den LieferausfĂ€llen vom Golf jedoch besonders betroffen. Nach Angaben des Datenanbieters Kpler kommen 85 Prozent der Ăllieferungen des Landes aus dem Nahen Osten. Derzeit seien BestĂ€nde noch ausreichend gefĂŒllt, hieĂ es in einer Mitteilung des Finanzministeriums. Neue Energiequellen sollen das Land in Zukunft jedoch unabhĂ€ngiger machen.
Pakistans Solarboom federt Textilindustrie ab
Langfristig möchte Pakistan Strom fast vollstĂ€ndig aus eigenen Rohstoffen produzieren - Kraftwerke fĂŒr Kohle, Wasser, Kernenergie und Erneuerbare decken nach Regierungsangaben bereits fast drei Viertel des Bedarfs. Aber die Sonne soll noch mehr Abhilfe schaffen.
«In Pakistan hat in den vergangenen Jahren ein Solarboom eingesetzt», sagt Nabiya Imran von Renewables First, einer pakistanischen Denkfabrik. Bis Juni 2024 seien 32 Gigawatt Leistung durch Solaranlagen in ganz Pakistan installiert worden, schÀtzt das Institut. Bisher sei das Stromnetz jedoch nicht ausreichend auf die Erneuerbaren ausgerichtet und es fehlten Batteriespeicher, um die Sonnenenergie den ganzen Tag nutzen zu können.
Besonders die wichtige Textilindustrie des Landes konnte AbhĂ€ngigkeit von fossilen EnergietrĂ€gern abbauen. «Der Privatsektor - groĂe Unternehmen, wie auch MittelstĂ€ndler - haben erheblich in Solarenergie investiert», erklĂ€rt Khurram Mukhtar. Der Ăkonom hofft, dass Pakistans Textilindustrie als einer der wichtigsten Exportsektoren sogar weltweit zu einem Vorbild fĂŒr nachhaltige Produktion werden könnte. Dazu mĂŒsse die Politik jedoch langfristiger planen.
Derzeit steckt das Land in Verhandlungen mit dem Internationalen WĂ€hrungsfonds fĂŒr die Freigabe von Krediten. Thema dabei sind auch komplizierte Kreditverstrickungen in Pakistans Energieinfrastruktur, die zu einer chronischen Unterfinanzierung des Stromnetzes fĂŒhren.
Transport bleibt abhÀngig von fossilen Energien und treibt Inflation
Aber selbst gĂŒnstiger Solar-Strom kann den Transportsektor bisher nicht entlasten. Mit wenigen Elektroautos im Land treffen höhere Spritpreise Pakistaner hart. Denn nicht nur der Weg zum Kricket-Stadium wird eigentlich per Verbrennungsmotor zurĂŒckgelegt.
«Pakistans Lieferketten sind vom StraĂentransport abhĂ€ngig», sagt Afia Malik vom Pakistan Institute of Development Economics. So wĂŒrden gestiegene Kosten fĂŒr Kraftstoff schnell von Landwirten zu Verbrauchern durchschlagen. «Das wird Ă€rmere Haushalte direkt treffen», sagt die Ăkonomin. Da Nahrungsmittel 37 Prozent der Verbraucherpreise ausmachten, werde die Energiekrise auf die Inflation durchschlagen.
Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

