Bewegungsmangel: ASICS-Studie zeigt 86 Prozent der Wachzeit ohne AktivitÀt
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine im Juli 2026 durchgefĂŒhrte Untersuchung des Sportartikelherstellers ASICS verdeutlicht das AusmaĂ der körperlichen InaktivitĂ€t in modernen Gesellschaften. Die Erhebung, an der 34.000 Personen aus 31 LĂ€ndern teilnahmen, zeigt, dass Menschen laut eigenen Angaben rund 86 Prozent ihrer tĂ€glichen Wachzeit ohne nennenswerte Bewegung verbringen.
Bei einem angenommenen Wachzustand von 16 Stunden entspricht dies einem GroĂteil des Tages. Die Ergebnisse deuten auf eine wachsende Herausforderung fĂŒr die öffentliche Gesundheit hin.
Wachsender Bewegungsmangel und psychische Folgen
Den Daten der ASICS-Studie zufolge erreichen derzeit 53 Prozent der Erwachsenen das empfohlene Maà an körperlicher BetÀtigung nicht. Prognosen auf Basis von UN-Daten lassen erwarten, dass dieser Anteil bis zum Jahr 2035 auf 56 Prozent steigen wird, was etwa 2,3 Milliarden Menschen in den untersuchten MÀrkten entsprÀche. Besonders kritisch wird die Lage bei rund 23 Prozent der Befragten eingestuft, die weniger als 30 Minuten Sport pro Woche treiben.
Als wesentliche Treiber fĂŒr diesen Trend werden technologische Entwicklungen und verĂ€nderte Lebensgewohnheiten identifiziert. Rund 41 Prozent der Befragten erledigen Besorgungen online, wĂ€hrend 39 Prozent vorwiegend per Telefon oder Video kommunizieren.
Unter den 18- bis 24-JĂ€hrigen nutzen zudem 41 Prozent kĂŒnstliche Intelligenz, was physische AktivitĂ€ten im Alltag weiter reduzieren kann. In dieser Altersgruppe erreichen 57 Prozent die Bewegungsempfehlungen nicht, wobei 92 Prozent ĂŒber negative gesundheitliche Folgen berichten.
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Die Studie stellt zudem eine Verbindung zwischen InaktivitĂ€t und dem psychischen Wohlbefinden her. Im sogenannten State-of-Mind-Index erreichten aktive Personen 71 von 100 Punkten, wĂ€hrend gefĂ€hrdete Gruppen lediglich auf 60 Punkte kamen. Inaktive Befragte gaben an, sich deutlich weniger energiegeladen, weniger konzentriert und stĂ€rker gestresst zu fĂŒhlen.
Wissenschaftliche Korrekturen am 10.000-Schritte-Ziel
Parallel zur Debatte ĂŒber den Bewegungsmangel liefert die Forschung neue Erkenntnisse zur EffektivitĂ€t moderater AktivitĂ€ten. Eine im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Analyse der Monash University und der University of Sydney wertete Daten von 64.743 Teilnehmenden aus.
Die Forschenden kamen zu dem Ergebnis, dass das hĂ€ufig zitierte Ziel von 10.000 Schritten pro Tag ursprĂŒnglich aus einer japanischen Marketingkampagne der 1960er-Jahre stammte und nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen basierte.
Vielmehr zeige sich, dass bereits eine geringere Schrittzahl bei höherem Tempo oder eine moderate Anzahl von 5.000 bis 7.500 Schritten das Risiko eines vorzeitigen Todes um bis zu 43 Prozent senken kann.
ErgĂ€nzend dazu untersuchten das Norfolk and Norwich University Hospital und die University of East Anglia den Effekt von Treppensteigen. Eine Meta-Analyse von Daten von ĂŒber 480.000 Menschen ergab, dass regelmĂ€Ăiges Treppensteigen das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, um 39 Prozent reduzieren kann.
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Innovative AnsÀtze in PrÀvention und Therapie
In der wissenschaftlichen Diskussion gewinnen auch spezifische Kurzinterventionen an Bedeutung. Junichi Nakayama, Leiter der Nakayama Clinic in Japan, verwies auf Untersuchungen zur sogenannten Flamingo-Therapie. Demnach könne ein einminĂŒtiger Einbeinstand fĂŒr die Knochengesundheit einen Ă€hnlichen Reiz setzen wie 53 Minuten Gehen, da dabei das 2,75-Fache des Körpergewichts auf den HĂŒftkopf wirke.
Auch zum Thema Dehnen liegen neue Erkenntnisse der Leuphana-UniversitĂ€t LĂŒneburg vor. Studien am Brustmuskel zeigten, dass 15 Minuten Dehnen an vier Tagen pro Woche Ă€hnliche KraftzuwĂ€chse liefern können wie klassisches Krafttraining an drei Tagen.
FĂŒr die Schmerztherapie ermittelte die University of Adelaide in einer Auswertung von ĂŒber 2.700 Studien, dass Programme mit geringer IntensitĂ€t und einem Umfang von weniger als 120 Minuten pro Woche oft eine stĂ€rkere Schmerzlinderung bewirken als hochintensive Einheiten.
Technologische UnterstĂŒtzung und gesundheitspolitische Lage
FĂŒr Menschen mit bereits eingeschrĂ€nkter MobilitĂ€t testete die Technische UniversitĂ€t MĂŒnchen (TUM) einen weichen Exosuit. In einer Machbarkeitsstudie mit zehn Senioren im Alter zwischen 69 und 85 Jahren verbesserte der Roboteranzug die Leistung beim Aufstehen und Gehen. Im Mittel sank der energetische Aufwand beim Gehen um 13,6 Prozent, wĂ€hrend die Anzahl der Sitz-Steh-Zyklen pro Minute von 16,8 auf 18,6 stieg.
Trotz dieser technologischen und wissenschaftlichen Fortschritte bleibt die Belastung des Gesundheitssystems durch Herzkrankheiten hoch. Der Deutsche Herzbericht 2026 verzeichnet zwar einen RĂŒckgang der Sterberate bei der koronaren Herzkrankheit um 7,1 Prozent auf 118,3 FĂ€lle pro 100.000 Einwohner. Dennoch stieg die Zahl der vollstationĂ€ren Krankenhausaufnahmen wegen Herzkrankheiten im Jahr 2024 auf ĂŒber 1,65 Millionen FĂ€lle an.
Um der InaktivitĂ€t entgegenzuwirken, unterzeichneten kommunale SpitzenverbĂ€nde und der Deutsche Olympische Sportbund am 25. September 2026 in Baden-Baden eine Kooperationsvereinbarung. Die Allianz âSport bewegt Kommunenâ soll unter anderem die Sportinfrastruktur und die GesundheitsprĂ€vention in öffentlichen RĂ€umen stĂ€rken, um der zunehmenden Bewegungsarmut strukturell zu begegnen.
