Bayern, Deutschland

«Monströs»: Lange Haft fĂŒr Vergewaltigung betĂ€ubter Frau

14.04.2026 - 12:53:12 | dpa.de

Monatelang hat ein Student seine Freundin immer wieder betÀubt, brutal missbraucht und dabei gefilmt. Der Mann gibt die Taten zu und wird verurteilt. «Pelicot ist kein Einzelfall», sagt der Richter.

  • Mehr als elf Jahre Haft verhĂ€ngte das Gericht fĂŒr den Angeklagten (Archivbild). - Foto: Malin Wunderlich/dpa
  • Der Student hat die Taten vor Gericht eingerĂ€umt (Archivbild). - Foto: Malin Wunderlich/dpa
Mehr als elf Jahre Haft verhĂ€ngte das Gericht fĂŒr den Angeklagten (Archivbild).  - Foto: Malin Wunderlich/dpa Der Student hat die Taten vor Gericht eingerĂ€umt (Archivbild).  - Foto: Malin Wunderlich/dpa

«Monströs» nennt der Vorsitzende Richter die Taten. «Menschen- und frauenverachtend». Selbst hart gesottene Ermittler hÀtten die Videos, die es davon gab, als «das Schlimmste» bezeichnet, das sie je gesehen haben. 

Elf Jahre und drei Monate Haft verhĂ€ngt das Landgericht MĂŒnchen I gegen einen Mann, der zugegeben hat, seine Partnerin ĂŒber Monate hinweg mit schweren Narkosemitteln betĂ€ubt, brutal vergewaltigt und dabei gefilmt zu haben - teilweise stundenlang. «Es war in allen FĂ€llen großes GlĂŒck, dass die GeschĂ€digte nicht gestorben ist», sagt Richter Markus Koppenleitner. 

Er verurteilt den 28 Jahre alten Studenten aus China unter anderem wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung mit Todesfolge, wobei sich der Versuch auf die Todesfolge bezieht, sowie der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Das Gericht verhĂ€ngt außerdem den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung. 

Taten «menschen- und frauenverachtend und monströs»

Koppenleitner nennt die Taten «hochkriminell, hochprofessionell» und die Aufnahmen, die der junge Mann davon anfertigte, um spÀter immer wieder dazu zu onanieren, «Videos, die sich einprÀgen, die schockieren». Die GeschÀdigte, die erst durch die Festnahme ihres Freundes von den Taten erfuhr, habe selbst im Gerichtsprozess noch nicht glauben können, was ihr Partner ihr angetan hat. Und auch wenn der Angeklagte gestÀndig gewesen sei, habe er «versucht, die Taten zu bagatellisieren», sie «gefÀhrlich, egoistisch, ungehobelt und unbedacht» genannt. «Eine noch immer verharmlosende Beschreibung.» 

Er sei kein Frauenhasser, hatte der 28-JĂ€hrige zum Beispiel vor Gericht gesagt. «Ich liebe dieses MĂ€dchen, aber ich habe sie tief verwundet.» Auf Videos ist nach Ermittlerangaben zu sehen, wie der Mann immer wieder Medikamente nachspritzt oder ihr TĂŒcher mit BetĂ€ubungsmitteln ins Gesicht drĂŒckt, um sicherzugehen, dass die Frau wĂ€hrend der Vergewaltigungen nicht aufwacht.

Vergewaltigungsnetzwerk kam ans Licht

Auf seine Spur gekommen waren die Ermittler dem Angeklagten wegen eines Verfahrens in Hessen: Das Landgericht Frankfurt am Main verurteilte einen Mann zu 14 Jahren Haft - unter anderem wegen besonders schwerer Vergewaltigung und versuchten Mordes. Die zustĂ€ndige Kammer ordnete außerdem Sicherungsverwahrung an. 

Dieser Fall war es, der ein regelrechtes Vergewaltigungsnetzwerk aufdeckte. Die Ermittlungsgruppe «EG Inserat» des hessischen Landeskriminalamtes informierte die Kollegen im Bundesgebiet, darunter in Berlin und Bayern, ĂŒber weitere VerdĂ€chtige und das, was in Chatgruppen vor sich ging. 

Ein Chat trug nach Angaben des MĂŒnchner Gerichts den Namen «Fahrschule» und sei «extrem menschen- und frauenverachtend» gewesen. Frauen seien dabei als «Privatautos» bezeichnet worden, wenn es die eigene LebensgefĂ€hrtin war, oder als «Luxusautos», wenn es sich um besonders attraktive Frauen handelte. Im betĂ€ubten Zustand wurden die Frauen «tote Schweine» genannt. 

RatschlÀge zur BetÀubung in Chat geteilt

Weil diese Gruppe aufflog, wurden in der Sache in Deutschland weitere Ermittlungsverfahren aufgenommen. Am Landgericht Berlin hat am 19. MĂ€rz der Prozess gegen einen Mann begonnen, der ĂŒber einen Zeitraum von zwei Jahren in Peking eine Frau im Schlaf sexuell missbraucht haben soll - zum Teil gemeinsam mit anderen TĂ€tern. Von seinem spĂ€teren Wohnort Berlin aus soll der studierte Mediziner «wiederholt RatschlĂ€ge und Hinweise gegeben haben, wie man Personen mithilfe bestimmter Medikamente zur DurchfĂŒhrung sexueller Übergriffe betĂ€uben könne», wie das Berliner Gericht mitteilte. Das alles ĂŒber eben jenen Telegram-Chat. 

Dasselbe Berliner Gericht hatte im vergangenen Jahr einen weiteren Angeklagten aus China - ebenfalls Mitte 20 - zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fĂŒnf Jahren und neun Monaten verurteilt. Die Opfer erfuhren laut Gericht erst bei der Befragung durch die Polizei davon, was ihnen angetan wurde. Der Angeklagte selbst prahlte online mit noch mehr Taten und damit, insgesamt 18 Frauen vergewaltigt zu haben. In den Ermittlungsverfahren seien «immer wieder Übersetzer abgesprungen, weil sie so schockiert waren», sagt der MĂŒnchner Richter.

Im MĂŒnchner Verfahren hatte die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe fĂŒr den Angeklagten gefordert, sich fĂŒr lebenslange Haft, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung ausgesprochen. Die Verteidigung forderte fĂŒr den Studenten aus China sieben Jahre Haft ohne Sicherungsverwahrung. 

Richter: «Pelicot ist kein Einzelfall»

Der Fall erinnert an die Französin GisĂšle Pelicot, die von ihrem damaligen Ehemann ĂŒber knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betĂ€ubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden war. Sowohl im Chinesischen als auch im Französischen gebe es inzwischen eine eigene Bezeichnung fĂŒr diese Art des Verbrechens, sagt Richter Koppenleitner. «Soumission chimique» bedeutet so viel wie chemische Unterwerfung. 

«Pelicot ist kein Einzelfall», betont er. «Das ist kein chinesisches und auch kein französisches PhĂ€nomen, sondern auch ein PhĂ€nomen in Deutschland und letztlich auch weltweit.» In einer Chatgruppe, auf die Staatsanwaltschaften und LandeskriminalĂ€mter bei ihren Ermittlungen stießen, waren seinen Angaben zufolge «Tausende von MĂ€nnern Mitglied».

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