Lufthansa-Chef: Nehmen unsere Nazi-Geschichte an
04.02.2026 - 09:00:04Der Lufthansa-Konzern hat sich zu seiner Verantwortung im Nationalsozialismus bekannt. «Die Lufthansa war ganz klar Teil des Systems», sagt Vorstandschef Carsten Spohr anlĂ€sslich der GrĂŒndung der ersten Lufthansa vor 100 Jahren. Dazu gehörten die zunĂ€chst geheime AufrĂŒstung als «heimliche Luftwaffe», die Integration in die Kriegswirtschaft der Nazis wie auch die bedenkenlose Ausbeutung von Zwangsarbeitern in WerkstĂ€tten und RĂŒstungsbetrieben.
«Die Lufthansa war ein Unternehmen des Nationalsozialismus», sagt der Göttinger Historiker Manfred Grieger, Mit-Autor einer neuen Unternehmensgeschichte. Diese Symbiose sei der Lufthansa mit dem Ende des Weltkriegs zum VerhÀngnis geworden. «Das Unternehmen ist vollstÀndig untergegangen mit dem Regime, an das man sich gekettet hatte.»
Neue Firmengeschichte zum JubilÀum in Auftrag gegeben
Mit den 100-Jahr-Feierlichkeiten, die im April ihren Höhepunkt finden, nimmt der MDax-Konzern direkten Bezug auf die erste, 1926 gegrĂŒndete Lufthansa. Das heutige Unternehmen beruft sich dabei explizit auf technische und fliegerische Traditionen. Juristisch hat der heutige Konzern nichts mit der VorgĂ€ngerin zu tun, sicherte sich aber aus der Liquidation nach dem Zweiten Weltkrieg die Rechte an Namen, Farbgebung und dem ikonischen Kranich-Symbol.Â
Zum JubilÀum hat Lufthansa eine neue Firmengeschichte in Auftrag gegeben, die auch diesen Abschnitt kritisch beleuchtet. Das Buch der Historiker Hartmut Berghoff, Manfred Grieger und Jörg Lesczenski soll im MÀrz erscheinen. Auch eine Ausstellung im neuen Konferenz- und Besucherzentrum befasst sich unter anderem mit der Entwicklung in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland.
Einsatz von Zwangsarbeitern soll weiter erforscht werden
Dass die Geschichte nun vollstĂ€ndig in einem Werk dargestellt werde, sei das Besondere, erklĂ€rt Andrea Schneider-Braunberger von der beteiligten Gesellschaft fĂŒr Unternehmensgeschichte. Bislang hĂ€tten nur acht Prozent aller Unternehmen, die schon wĂ€hrend der NS-Zeit existierten, ihre Rolle professionell in einer eigenen Studie aufarbeiten lassen.
Lufthansa-Chef Spohr distanzierte sich von frĂŒheren BemĂŒhungen, die Rolle des Unternehmens im Nationalsozialismus auszublenden und sich ausschlieĂlich auf die NeugrĂŒndung nach dem Weltkrieg zu berufen. Der offene Umgang und Transparenz zum Thema fĂ€nden groĂen RĂŒckhalt in der Belegschaft.Â
Lufthansa kĂŒndigte an, weitere Forschungen zum Einsatz der Zwangsarbeiter zu unterstĂŒtzen. Es seien neue Quellen in polnischen und tschechischen Archiven entdeckt worden, die eine genauere Betrachtung der Opferschicksale erlaubten. An der Studie soll Grieger ebenfalls mitarbeiten.


